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TV-Kritik: "Apropos Glück": Präzise Porträts

Von Ein echter Glücksfall: Fern jeder Seichtheit lotet der Film seine Charaktere aus und erzählt dennoch leicht und locker.
Maja (Janna Striebeck) knutscht versehentlich mit Hans (Peter Jordan). Foto: Georges Pauly Maja (Janna Striebeck) knutscht versehentlich mit Hans (Peter Jordan).
Das Thema Familie scheint dem ZDF am Herzen zu liegen: Erst der Zweiteiler "Familie!" mit Iris Berben und Jürgen Vogel, jetzt der vor allem in den weiblichen Rollen kaum weniger prominent besetzte Donnerstagsfilm "Apropos Glück". Im Mittelpunkt stehen dabei drei Ehepaare, die sich zum Geburtstag von Maja (Janna Striebeck) treffen. Allzu entspannt geht es dabei schon im Vorfeld nicht zu: Die üppige Speisenfolge, die reich dekorierte Tafel lässt schon erahnen, dass sich die Figuren in einem Umkreis bewegen, in dem Außenwirkung mehr als großgeschrieben wird.
 
Nicht jeder ist damit allein zufrieden: So Jan (Joachim Raaf), der einst Theologie studiert hat und so gerne Pfarrer wäre. Jetzt gibt es auf dem Land eine Gemeinde, die an ihm interessiert ist, aber seine Frau Jule (Karoline Eichhorn) zeigt sich wenig begeistert bei der Vorstellung, aus Hamburg wegzuziehen, zumal sie gänzlich areligiös ist.. Aber gleich, nachdem Jan das Thema angesprochen hat, platzt noch eine Bombe: Maja muss entdecken, dass ihr Mann Florian (Martin Lindow) sie betrügt.

Der Mann der guten Freundin

Und damit geht nicht nur die Party in die Binsen. Die drei Ehepaare müssen sich alle untereinander eingestehen, dass in ihrem Leben was schief läuft. Auch zwischen Angela (Katharina Müller-Elmau) und ihrem Mann Hans (Peter Jordan): Angela startet beruflich noch einmal richtig durch und genießt es, dadurch beansprucht zu werden – aber Hans fühlt sich deshalb vernachlässigt. Und zeigt sich deshalb sogar Maja gegenüber geneigt, die Trost wegen ihres treulosen Gattens sucht.
 
Es ist ein höchst privates Szenario, auf das sich der Film einlässt. Und obwohl er im Rahmen einer Komödien-Reihe läuft, spielen witzige Elemente dabei nur eine Nebenrolle. Vielmehr lotet der Plot vor allem die Figuren und ihre Beziehungen zueinander aus: Jan, der Majas Verführung und Verzweiflung fast erliegt  und seine Frau Angela, die nicht einmal mehr eifersüchtig ist. Oder Florian, der schon deutlich eifersüchtig ist, als er entdeckt, dass zwischen Jan und Maja etwas sein könnte.

Hauptsache, alles bleibt beim Alten

Komödiantisch ist dabei oft wenig. Oft erscheint der Film sogar als Tragödie. Wobei dann gut platzierte Pointen das Ganze aber immer wieder davor bewahren, zu melodramatisch oder tiefschürfend philosophisch zu werden. So etwa wenn die beiden Kinder von Maja und Florian beim gemeinsamen Zelten mit ihrem Vater doch erkennen lassen, dass sie bei allen brennenden offenen Fragen doch ihren Anspruch darauf behalten haben, dass alles weiter so läuft wie bisher.
 
Anders als der "Familie!"-Zweiteiler nimmt der Film dabei auch kein Krimi-Szenario zu Hilfe und funktioniert auch wegen seiner Besetzung – ideal etwa Janna Striebeck, wenn sie die Nerven verlieren darf - prächtig dabei. Manche Szenen kommen da gar nicht wie inszeniert rüber, vielmehr wie in einer Dokumentation, würde nicht bei näherer Betrachtung alles so gut durchdacht zueinanderpassen: Etwa wenn Maja ein altes Stück wieder herrichtet und dabei eifrig poliert – als ginge es auch hier wieder darum, vor allem die Oberfläche ihrer bürgerlichen Existenz wieder herzurichten.
 
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