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TV-Kritik: "Atempause": Wenn ein Alptraum wahr wird

Von Der Sohn wird nach einem schrecklichen Unfall nicht mehr erwachen – und seine Organe werden dringend benötigt.
Hannes wird in den Schockraum geschoben. Esther Baumann (Katharina Marie Schubert) und Frank Baumann (Carlo Ljubek) schauen gelähmt auf die Szenerie. Bild: MDR/Volker Roloff Foto: (WDR Presse und Information/Bildk) Hannes wird in den Schockraum geschoben. Esther Baumann (Katharina Marie Schubert) und Frank Baumann (Carlo Ljubek) schauen gelähmt auf die Szenerie. Bild: MDR/Volker Roloff
Eben hat Esther (Katharina Marie Schubert) noch einen Ball zur Seite gekickt, der im Hausflur im Weg lag. Ein Telefonat wegen eines dringenden Termins erledigt. Sich über die halbwüchsige Tochter Tina (Sarah Mahita) geärgert, die mal wieder den Frühstückstisch nicht abgeräumt hat. Bald wird sie Frank (Carlo Ljubek) treffen, den Vater ihrer Kinder, von dem sie getrennt lebt. Beim Fußball, wo Sohn Hannes (Mikke Rasch) im Tor stehen wird.
 
Wie das halt so läuft in vielen Familien: keine Perfektion, aber halt Alltag. Die kann natürlich nerven, wirkt aber oft auch beruhigend normal. Bis zu dem Moment, wo Sohn Hannes (Mikke Rasch) beim Fußball nach einem Kopftreffer umfällt und kurz danach im Koma versinkt. Und dann im Krankenhaus die Horror-Diagnose: Hannes litt an einem angeborenen Aneurysma und der Kopftreffer löste eine massive Gehirnblutung aus, mit weitreichenden Folgen.

Wo der Tod Routine ist

Der Film treibt die Spannung an den Rand des Erträglichen, wenn er zeigt, wie die Mutter alles ganz genau wissen will und der Oberarzt sich vorsichtig darum herumdrückt, das Undenkbare auszusprechen. Im Zimmer für Krankenschwestern und Pfleger fällt das Wort „hirntot“ währenddessen dagegen mit erschütternder Beiläufigkeit zwischen Dienstplan und Kaffeemaschine. Dort ist das Leiden und Sterben so alltäglich wie bei Esther das häusliche Chaos.
 
Katastrophe für die einen, Routine für die anderen. Und Chance für eine dritte Partei: Dem kleinen Yusuf Eroglu (Ilyes Moutaoukkil), einem Transplantationspatienten, könnte der Hannes‘ Tod das Leben retten. Es ist keine leichte Kost,  was die ARD hier zur Themenwoche "Woran glaubst Du?" einen Tag vor Fronleichnam bringt. Eine Familie, die sich der ultimativen Katastrophe stellen muss: dem Tod eines Kindes, der auch von ihrer Entscheidung abhängt.

Der Tod bricht alte Wunden auf

Und Eltern, die sich damit auseinandersetzen müssen, ob und wann sie die lebenserhaltenden Maschinen ihres hirntoten Sohnes abstellen lassen, um mit seinem Körper ein anderes Kind am Leben zu erhalten. Aber es sind noch andere Konflikte, die während dieser Zeit aufbrechen. Die Vorwürfe an Frank, weil Sohn Hannes der kleinste und jüngste Spieler war. Oder Frank, der weder mit dem Erfolg von Hannes‘ Großvater gleichziehen noch sich den Ansprüchen  seiner Frau je wirklich gewachsen fühlte.

Hier geht es zum ganzen Film

 
Die Familie spielt auch auf der anderen Seite, bei Yusufs Eltern Hatice (Ivan Anderson) und Bülent Eroglu (Özgür Karadeniz) eine wichtige Rolle. Aber mit Esther hat Hatice die stärksten Gemeinsamkeiten: Die kann am besten nachvollziehen, was sie fühlt, trotz aller kulturellen und religiösen Unterschiede. Bemerkenswert, wie hier Drehbuch und Regie die vielen kleinen Konflikte am Rand der familiären Katastrophe mit den kleineren Konflikten der Familien verbinden.

Nicht ohne deutsch-türkische Stereotypen

Dass es dabei nicht ohne Klischees wie der aufsässigen Schwester von Hannes und der kontrastreich gezeichneten Familien zugeht, mindert zwar etwas den Gesamteindruck Die Schauspieler bringen diese sehr emotionalen Begegnungen aber ziemlich authentisch zur Geltung. Insgesamt gelang auch gerade dadurch ein Kammerspiel von seltener Eindringlichkeit.
 
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