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TV-Kritik: "Auf der Straße, nachts, allein": "München Mord" in Topform

Von Wie ein erschossener Callboy, als Wasserleiche aufgefunden, für besonders emotionale Verwicklungen sorgt. Und noch einen Hauch von Hollywood mitbringt.
Ludwig Schaller (Alexander Held, r.) taucht  vor den Augen seiner Kollegen Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen, 4.v.r.) und Harald Neuhauer (Marcus Mittermeier, 3.v.r.)aus dem Fluss auf. Foto: ZDF/Jürgen Olczyk Ludwig Schaller (Alexander Held, r.) taucht vor den Augen seiner Kollegen Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen, 4.v.r.) und Harald Neuhauer (Marcus Mittermeier, 3.v.r.)aus dem Fluss auf.
Für absonderliche Ermittlungsmethoden war das Team von "München Mord" ja schon immer berüchtigt. Nur einem Kommissar Ludwig Schaller (Alexander Held) könnte es einfallen, sich in seinem besten Anzug in der Isar treiben zu lassen, um durch die Fließgeschwindigkeit des Wassers herauszufinden, an welcher Stelle der als Wasserleiche an Land gespülte Holger Gerl (Tilman Strauß) erschossen wurde. Aber natürlich hat Schaller auch Erfolg mit solchen Methoden.
 
Besonders pikant: Der Tote betätigte sich als Callboy und beglückte eine ganze Reihe wohlhabender einsamer Frauen. Einsame Herzen und das Bedürfnis nach Liebe und Verschmelzung spielen in der mittlerweile sechsten Episode der ZDF-Krimireihe auch sonst eine wichtige Rolle. Wobei diesmal auch Kommissarin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) zu unorthodoxen Fahndungsmaßnahmen greifen darf. Etwa, indem sie sich selbst die Gesellschaft eines Callboy bestellt.

Die Fantasiewelt der Edelstricher

Was beinahe schiefgeht, weil der Callboy ziemlich schnell merkt, dass er diesmal keine gewöhnliche Kundin vor sich hat. Es weht dabei aber stets ein Hauch von Hollywood durch die Szenerie. Die Kundinnen des Callboys sind durchweg bemerkenswert attraktive Damen, man trifft sich in diskreten Luxushotels, es fließt ein wenig Champagner. Und als besonders wichtig, die Identität des zunächst unbekannten toten Strichers herauszufinden, stellt sich ein überaus edler und entsprechend teurer Schuh heraus.

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Fehlt nur noch der Mercedes SL der Baureihe 107, mit dem Richard Gere in "Ein Mann für gewisse Stunden" seine Kundinnen besuchte. Nein, halt: Am Ende gleitet eine solche Edelkarosse ja tatsächlich durch München – nur gehört sie hier einer Kundin des Callboys. Kein Wunder, dass sich Kommissar Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) von seiner neuen Freundin Ilona (Judith Rosmair)so hingerissen zeigt: Die zierliche Schönheit ist auch nicht gerade arm und für ihn eine Art Eintrittskarte in eine Welt, die ihm bis dato verschlossen war.

Gelungener Mix aus Witz und Emotion

Umso schlimmer sein Absturz, wenn er feststellen muss, dass Ilona Kontakt zu dem erschossenen Stricher hatte. Die amourösen und kriminalistischen Verwicklungen aller Beteiligten, hetero- wie homosexuell,  balancieren in dieser Episode besonders geschickt auf dem schmalen Strich zwischen Drama und Komödie. Dabei stellt sich Kommissar Schaller, von Alexander Held mit gewohnter Präzision und millimetergenauem Sprachduktus verkörpert, immer wieder wie ein Fels gegen die emotionalen Brandungen seiner Mitarbeiter.
 
Denen er dennoch den Rücken stärkt, wenn es nötig ist.  Nach dem arg mäßigen Vorgänger "Einer, der’s geschafft hat" präsentiert sich die Reihe wieder in Topform. So locker und unangestrengt und mit so wunderbaren Dialogen, wie hier Privates und Dienstliches der Figuren ineinanderfließen, gelingt das in TV-Krimis nur selten. Da wirken selbst die Ausflüge zu Altmeistern der Lyrik nicht aufgesetzt. Und wo könnte eine dermaßen tragisch-komische Liebesgeschichte besser spielen als in München mit seinen sonnenbeschienenen Isar-Ufern?
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