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„Begierde“: Ein Mann außer Kontrolle

Von Im seinem sechsten Fall aus "Spuren des Bösen" will Heino Ferch als Psychiater Richard Brock einer verzweifelten Julia Koschitz helfen.
Clara Rink (Julia Koschitz) sucht Richard Brock (Heino Ferch) nach einer seiner Vorlesungen im Hörsaal auf und bittet ihn um Hilfe. Sie ist verzweifelt, denn ihr Mann hat sich in letzter Zeit sehr verändert. Kann Brock ihr helfen? Foto: Petro Domenigg Clara Rink (Julia Koschitz) sucht Richard Brock (Heino Ferch) nach einer seiner Vorlesungen im Hörsaal auf und bittet ihn um Hilfe. Sie ist verzweifelt, denn ihr Mann hat sich in letzter Zeit sehr verändert. Kann Brock ihr helfen?
„Begierde“: Dieser Titel sagt so viel und doch nicht alles aus. Natürlich geht es dabei um Sex. Um Geld, um Macht. Um Clara Rink (Julia Koschitz), die Kombination aus Femme Fatale und nettem Mädchen von nebenan. Die hier, ohne es auch nur zu ahnen, eine tödliche Kettenreaktion auslöst. Sie beginnt mit einer Szene, die man bei diesem Titel ja wohl erwartet: Mit Johannes Rink (Benjamin Sadler), der sich mit einer Prostituierten vergnügt.
 
 
Eva Faller heißt die Prostituierte, und Mavie Hörbiger spielt sie mit jeder Menge kühl berechnendem Charme. Richard Brock (Heino Ferch), der Psychiater, doziert derweil an der Universität über die Wirkung großer Augen, die sexuelles Interesse signalisieren, und weiß, dass bei diesem Thema die Gedanken seiner Studenten weit wegschweifen. Gleich darauf steht Clara Rink vor ihm und bittet ihn um Hilfe.
 

Eine mörderische Krankheit

 
Vor Jahren hat Brock ihren Schwiegervater wegen einer späten Schizophrenie behandelt. Johannes befürchtete immer, die Krankheit an ein Kind zu vererben. Bei ihm ist sie mittlerweile ausgebrochen: Rink kniete sich in einer Kirche nackt vor das Taufbecken und verhält sich auch sonst gänzlich ungewohnt. Als er Brock eine Telefonnummer auf die Hand schreibt, findet der Psychiater heraus, dass Johannes Kontakt zu einer Prostituierten pflegt.  
 
 
Doch Rinks Verhalten gegenüber Eva Faller, die ein Kind von ihm erwartet, wird zunehmend riskant für sie: Er hat sie vor ein Auto gestoßen, und als Brock erkennt, zu welcher Gefahr sich Johannes Rink durch seine Krankheit mittlerweile entwickelt hat, ist es zu spät für ihn – und für den Kranken. Aber Rinks Krankheit hatte eine Ursache: Es gab jemanden im Hintergrund, der die Fäden zog. Und dieser Jemand ist eine Vertrauensperson, ein Freund der Familie.

 
Brock: Unnahbar wie Freud

 
Schon klar, dass eine solche Geschichte nur in Wen spielen kann, der Stadt Sigmund Freuds. So ernst und verschlossen wie der legendäre Seelenklempner auf den meisten seiner Fotos wirkt auch Brock. Man sagt auch Freud eine gewisse Unnahbarkeit nach. Dabei ist der Psychiater Brock kein Kostverächter: Mit Whisky und Joints versüßt er sich den Feierabend, und auch Schokolade und Palatschinken in seiner Stammkneipe verschmäht er nicht.   
 
 
Aber natürlich braucht auch der Eigenbrötler Brock ein wenig Lagerfeuerstimmung, so eisig und farblos wie die Stadt Wien hier wirkt. Die ausgefeilte Bildsprache verleiht der Geschichte etwas Surrealistisches. Ganz nah ran geht David Slama mit seiner Kamera und holt wie Psychiater Richard Brock Umrisse und Bewegründe aus schattenhaften Umrahmungen heraus. Zu den stärksten Szenen gehört aber das Zusammentreffen Claras mit der Prostituierten, die ihr Mann schwängerte.
 

Unmoralisches Angebot aus Liebe

 
Julia Koschitz als Frau, die eine Prostituierte für das Kind bezahlen will, dass ihr Mann zeugte. Weil dieses Kind das Letzte ist, was ihr von ihrem geliebten Mann bleibt: ein Höhepunkt. Die Handlung, simpel aber effektvoll, kreist aber in erster Linie um das Krankheitsbild Schizophrenie, ohne aber – und das ist ein Nachteil dieses Films – die Krankheit dabei zu erklären. Schizophrenie entsteht dadurch, dass das Gehirn mehr Informationen aufnimmt, als es verarbeiten kann.
 
 
Deswegen gewinnt für Erkrankte selbst Alltägliches oft eine bedrohliche Dimension. Ihre Aggressivität und mangelnde Impulskontrolle hängt eng damit zusammen. Noch ein Detail am Rande: Schizophrenie kann auch durch regelmäßigen Konsum von Haschisch ausgelöst werden. Der Joint von Brock wirkt dadurch schon ein wenig makaber.
 


 
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