E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 17°C

TV-Kritik: "Berge auf Probe": Der ausgebuffte Schwiegervater

Von Mit "St. Josef am Berg" will die ARD eine neue Bergfilm-Reihe etablieren. Das Ergebnis lässt aber in vielen Szenen mit dem Kopf schütteln.
In den Bergen trifft die schwangere Svea (Laula Kalenberg) auf ihren durchtriebenen Schwiegervater Josef Pirnegger (Harald Krassnitzer). Bild: ARD Degeto/Mona Film/Franz Neumayr Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) In den Bergen trifft die schwangere Svea (Laula Kalenberg) auf ihren durchtriebenen Schwiegervater Josef Pirnegger (Harald Krassnitzer). Bild: ARD Degeto/Mona Film/Franz Neumayr

Die Bestandteile der Geschichte sind aus allerlei Bergfilmen und entsprechenden Serien im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bekannt: Da verschlägt es stets jemanden aus einem völlig anderen Umfeld, etwa einer Großstadt wie Berlin – so in "Lena Lorenz" oder der "Eifelpraxis" - in die weit entfernte Provinz oder in die Berge. Dort gibt es dann statt großstädtischer Anonymität einen überschaubaren Personenkreis und andere Gründe für einen handfesten Kulturschock.

Ähnlich geht es auch Svea Classen (Paula Kalenberg) aus Stralsund: Als sie schwanger wird, geht sie zur kirchlichen Hochzeit mit Peter Pirnegger (Sebastian Wendelin) in das Alpendorf St. Josef, wo Peters Vater Josef (Harald Krassnitzer) ein Hotel betreibt und das Amt des Bürgermeisters begleitet. Für Josef Pirnegger ist die Gelegenheit günstig, seinen Sohn wieder in seine Nähe zu holen: Fluchs lässt er seine Kontakte spielen und verschafft Peter den Traumjob als Chefveterinär des geplanten Nationalparks.

Sendung verpasst? Hier geht es zur Mediathek!

Seiner Schwiegertochter besorgt er eine Stelle in der Verwaltung in der Nachbarsgemeinde Klamm: Der dortige Bürgermeister ist ihm noch einen Gefallen schuldig. Allerdings merkt Svea bald, welche weitreichenden Pläne ihr Schwiegervater hegt und mit welchen Folgen. Und Josef Pirnegger bekommt zu spüren, welche Laus er sich mit Svea in den Pelz gesetzt hat.

Mühsamer Auftakt

Mit dem umtriebigen und intriganten Bürgermeister hat Krassnitzer eine Prachtrolle ergattert. In der Originalserie "Der Bergdoktor" war er bereits mit Erfolg in einer Bergregion aktiv. Allerdings tun sich Drehbuch und Regie nicht gerade leicht damit, das Potential des Schauspielers richtig einzusetzen. Die beiden Teile – nächsten Freitag folgt noch "Stürmische Zeiten", bei entsprechender Resonanz folgen weitere Episoden - sollen moderne Komödien sein. Allerdings wirkt das Gebotene doch seltsam konzeptlos.

Schon der Beginn der Geschichte erfolgt reichlich schleppend: Es passiert zwar ständig was, und die Strand- und Berglandschaften bieten auch was fürs Auge. Das Problem besteht aber darin, dass der Film seine einzelnen Szenen nicht alle verbindet und deswegen nur mit Mühe eine flüssig erzählte Geschichte hinbekommt. Dazu kommt der Humor oft aus ziemlich abgestandenen Klischees: Schon bei Sveas und Peters Hochzeit gibt es aus unerfindlichen Gründen eine Schlägerei.

Ein wenig Zoff zwischen Bräutigamvater und Brautmutter darf auch sein: Bratenfan der eine, Vegetarierin die andere.  Zu den dramaturgischen Problemen kommen viele seltsam anmutende Einzelszenen: So wenn Josef Pirnegger während eines ernsthaften Disputs mit seinem Sohn nebenbei von den Würsten in der Speisekammer probiert oder der Mediziner Peter seine fortgeschritten schwangere Frau den mit Mist verschmutzten Wagen reinigen lässt.

Als Schwangere besonders robust

Allerdings zeigt sich Svea generell ziemlich robust: Sie arbeitet in einem finsteren Kellerloch, schleppt dort mühelos einen Stuhl und andere schwere Sachen oder rast mit Babybauch auf einem Quad über kiesige Feldwege. Bei solchen Szenen werden ungute Erinnerungen an "Fünf Minuten Himmel" wach, wie Heike Makatschs Freiburg-"Tatort" aus dem Jahr 2016 hieß. Damals ging Kommissarin Berlinger (Makatsch) mit Babybauch auf Verbrecherjagd.

Ganz so grottig ist der Auftakt zur neuen Bergfilm-Reihe zwar nicht geworden: Die Landschaft kommt genügend zur Geltung, um Fernweh zu wecken, hie und da gibt es passable Dialoge oder einen guten Gag. Krassnitzer im Duell mit der sehr charmanten Paula Kalenberg funktioniert auch ganz ordentlich. Dennoch bleibt hier noch reichlich Luft nach oben.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen