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TV-Kritik: "Betrug im weißen Kittel": Die groteske Geschichte einer Hochstaplerin

Von Wie eine falsche Ärztin sich jahrelang auf hochbezahlten Klinik-Jobs halten konnte: Alexandra B. wusste offenbar, wie so was geht.
Hochstaplerin, Betrügerin, Lügnerin mit überzeugendem Auftreten: Alexandra B. sieht sich gerne im Arztkittel, obwohl sie keine Ärztin ist. Foto: Enrico Demurray/ZDF Hochstaplerin, Betrügerin, Lügnerin mit überzeugendem Auftreten: Alexandra B. sieht sich gerne im Arztkittel, obwohl sie keine Ärztin ist.
Schein und Sein können mitunter weit auseinanderklaffen. So wie im Fall von Alexandra B., die jetzt zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sieben Monaten verurteilt wurde: Jahrelang hat sie Kliniken, Kollegen, Ärzte und Arbeitgeber mit gefälschten Urkunden genarrt. Ein Studium der Sozialpädagogik schloss sie nicht ab. Stattdessen bastelte sie sich selbst einen Abschluss zurecht, samt Promotion. Die Gründe dafür sind vielfältig.
 
Auch ihre Kindheit in einem wohlhabenden und behüteten Elternhaus spielt eine Rolle. Sie wuchs behütet auf, besaß schon als Kind ein Pony. Der Vater, der früh starb,  leitete einen Betrieb mit vielen Angestellten. Ein Umfeld, das Liebe und Schutz bot. Ein Hintergrund, von dem sogar möglicherweise die Patienten der falschen Ärztin profitierten. Äußerungen ihres Ehemannes, der nichts von den Betrügereien seiner Frau ahnte, legen diese Schlussfolgerung nahe.

Auch der Ehemann profitierte von ihr

Er litt unter Depressionen, aber seine Frau ermunterte ihn, gab ihm Selbstvertrauen zurück. Möglicherweise war die Kraft und das Positive, dass sie ausstrahlte, auch der Schlüssel dazu, dass ihre Fälschungen so lange unentdeckt blieben. Ein wenig davon ist selbst in der Dokumentation noch spürbar. Ihr Leben gleicht einem Trümmerhaufen, ihre Arbeitgeber fordern das gezahlte Gehalt zurück, sie sieht einer Gefängnishaft entgegen. Aber anzumerken ist ihr wenig.

Hier geht es zum ganzen Film

 
Es ist keine gebrochene Frau, die hier ihre Lebensgeschichte erzählt. Alexandra B. strahlt immer noch ein gesundes Selbstbewusstsein aus. Die kräftige, rundliche Hochstaplerin wirkt mitfühlend, unterhaltsam, begeisterungsfähig, charismatisch. Man kann sich durchaus vorstellen, dass sie mit ihrem Auftreten viele täuschen konnte, obwohl ihre Fälschungen nicht einmal besonders gut gelungen waren. Eine junge Frau, der sie ihr Pferd zeitweise überließ, glaubte noch lange Zeit an ihre Unschuld.

Gefälschte Urkunde an der Wand

Aus und vorbei. Die Mutter, die mittlerweile ebenfalls nicht mehr lebt, hängte die gefälschte Urkunde ihrer Tochter gerahmt ins Wohnzimmer. Die Großzügigkeit, das Großbürgerliche, Generöse ihres familiären Hintergrunds wird bei einem Besuch in ihrem früheren Elternhaus besonders deutlich. Und man spürt zugleich den Druck, der auf ihr gelastet haben könnte: Dieses Umfeld erwartet zugleich nämlich auch Leistung.
 
War sie diesem Anspruch gewachsen, Anwältin, Ärztin oder Lehrerein zu werden? Offenbar nicht. Möglicherweise wären ihre Fälschungen nie aufgeflogen, hätte sie sich klug mit ihrer ersten erschwindelten Stelle begnügt. Aber ihre Eitelkeit, ihr Wunsch, immer höher zu steigen und die Lockwirkungen dicker Gehälter waren stärker als jede Vernunft. Die 37°-Reihe hat aus der Lebensgeschichte der verurteilten Alexandra B. ein fesselndes Charakterportrait geschaffen.


 
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