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TV-Kritik: "Bittere Weihnachten": Der gefährliche Rückhalt

Von "SOKO Wismar" kommt wieder in Spielfilmlänge: Der Krimi fasziniert mit seinen Stimmungsbildern und einer besonders gut besetzten Täterfigur.
Jan Reuter (Udo Kroschwald) steht Helene Sturbeck (Katharina Blaschke) bei der Suche nach ihrer Nichte auch als Freund zur Seite. ZDF und Marc Meyerbroeker Foto: Marc Meyerbroeker Jan Reuter (Udo Kroschwald) steht Helene Sturbeck (Katharina Blaschke) bei der Suche nach ihrer Nichte auch als Freund zur Seite. ZDF und Marc Meyerbroeker

"Mann, ich komm schon irgendwie nach Hause. Keine Sorge!" Maike Ullrich (Anna Herrmann) verabschiedet sich auf dem Weihnachtsmarkt von ihrer Tante, Rechtsmedizinerin Dr. Helene Sturbeck (Katharina Blaschke). Bald darauf wird Maike auf ihrem Fahrrad angefahren. Am nächsten Tag findet jemand das Rad neben der Straße liegend. Von Maike selbst fehlt jede Spur, was ihre Tante in helle Panik versetzt.

Es gab, wie die Ermittler herausfinden, eine Geschichte Maikes mit Patrick Tauner (Josef Heynert). Tauner ist verheiratet und hat eine Tochter namens Zoe, die über die Seitensprünge ihres Vaters nur allzu gut informiert war. Eine weitere Spur führt zu einem Mann, der eine undurchsichtige Vergangenheit besitzt: eine dubiose Geschichte mit einem Mädchen, wobei er aber aus Mangeln an Beweisen freigesprochen wurde.

Ein Verdächtiger gefällt besonders

Fast 300 Folgen über bisher 13 Jahre Laufzeit lautet die stolze Bilanz der TV-Serie "SOKO Wismar". Verglichen damit zeigte sich das ZDF mit Sonderfolgen eher sparsam. Bisher strahlten die Mainzer erst zwei Folgen in Spielfilmlänge aus: "Nasser Tod" im Jahr 2007 und "Das dritte Feuer" im Jahr 2009. Wobei "Bittere Weihnachten" durchaus beweist, dass das Konzept und die Figuren der Serie auch dafür taugen, einen Neunzigminüter zu tragen.

Das Drehbuch die Spuren clever in alle Richtungen und baut besonders auf Josef Heynert, der als Verdächtiger mit steinreicher Ehefrau und wütender Tochter eine besonders dankbare Rolle bekommen hat und eine eindrucksvolle Vorstellung gibt. Katharina Blaschke kann sich nicht weniger wirkungsvoll in Szene setzen, in den fast intim anmutenden Szenen mit Jan Reuter (Udo Kroschwald) und besonders, als Helene Sturbeck ihre Nichte am Strand findet.

Auch die Optik stimmt

Da stört es auch nicht, dass in "Bittere Weihnachten" jemand vom Stammpersonal in den Mordsfall involviert ist. Die Situation, in denen Sturbeck darum kämpft, ihre Nichte selbst zu obduzieren, und sich auch noch damit durchsetzt, wirkt zwar nicht besonders glaubwürdig. Die Auflösung der Geschichte bügelt diese kleine Schwäche aber wieder aus. Und Birge Schade kommt vorzüglich zur Geltung, weil sie intensiv etwas Rückhalt-Gebendes und Kümmerndes ausstrahlt, was gut in die Vorweihnachtszeit passt.

Regisseur Sascha Thiel hat dazu eine stattliche Anzahl vorweihnachtlicher Impressionen eingefangen: Anheimelnde Stimmungsbilder  von abendlichen Weihnachtsmarkt, verrottende Blätter, in denen Maikes Fahrrad liegt, oder ein unheildrohend dämmernder Himmel machen in der Geschichte auch optisch was her. Krimi-Zuschauer dürften also zufrieden sein: Der dritte "SOKO Wismar"-Krimi in Spielfilmlänge bietet spannende Unterhaltung mit schön arrangierten Details.

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