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TV-Kritik: "Böse Wetter": Eine große Enttäuschung

Von Das hat Götz George nicht verdient: Warum sein letzter Film große Erwartungen weckt - und so jämmerlich endet.
Wer hat die geplante Flucht aus der DDR verraten? Minenbesitzer Ferdinand Türnitz (Götz George) möchte die Vergangenheit ruhen lassen. Bild: ARD Degeto/Daniela Incoronato Foto: ARD Degeto/Daniela Incoronato Wer hat die geplante Flucht aus der DDR verraten? Minenbesitzer Ferdinand Türnitz (Götz George) möchte die Vergangenheit ruhen lassen. Bild: ARD Degeto/Daniela Incoronato
Götz Georges Zeit als Horst Schimanski endete zweimal: Im "Tatort" vor knapp 25 Jahren und in der Filmreihe "Schimanski" vor knapp drei Jahren. So ein wenig Schimmi und Krimi erwartet man aber immer noch, wenn Georges Name im Vorspann auftaucht, und "Böse Wetter" enttäuscht diese Erwartungen am Anfang auch nicht: Wie da die Kamera über feuchte Wände und morsche Kabel gleitet, wie sich da das Geräusch fallender Tropfen in die spannungssteigernde Musik mischt, das macht sich schon ganz gut.
 
Alsdann nähern Männer mit Lampen, es sind Bergleute. Die allerdings nur knapp mit dem Leben davonkommen, als der Tunnel im früheren Grenzgebiet der DDR zur alten Bundesrepublik einstürzt. Erst dann hat George seinen ersten Auftritt als Bergbau-Chef Ferdinand Türnitz, der schon zu DDR-Zeiten eine nicht ganz durchsichtige Rolle spielte. Besonders gegenüber Ilona Gehra (Gudrun Landgrebe), deren Mann einst bei dem Versuch, mit Sohn Leonard durch einen Bergbau-Tunnel in den Westen zu fliehen, getötet wurde.

Ein großes Rätsel mit jämmerlicher Auflösung

Jetzt hat sich Leonard, gespielt von Matthias Koeberlin, zu einem Ingenieur und Techniker gemausert. Und er kommt zurück mit einem ferngesteuerten Roboter, der sich zur Entdeckung von Silbervorkommen eignet. Türnitz hält nicht viel davon. Anders seine Mitarbeiterin Kathrin Renneberg (Catherine Bode), eine Kinderfreundin von Leonard.  Mit seiner Mutter hat Leonard schon seit langem kaum noch Kontakt. Er wundert sich darüber, dass das Grab seines Vaters aufgelöst wurde.
 
Erst als Türnitz kleiner Sohn in einen einsturzgefährdeten Tunnel kriecht, erfährt er auf dramatische Art von der Wahrheit – und die fällt in ihrer Banalität nicht nur enttäuschend, sondern auch alles andere als glaubwürdig aus: Hätten Eltern mit Fluchtabsicht nicht ihre Pläne vor allem vor einem kleinen Kind geheim gehalten? Und noch wichtiger: Hätten denn Volkspolizei, Grenztruppen oder Stasi eine Familie, von deren Fluchtabsicht sie wusste, nicht sofort und noch direkt am Wohnort hochgenommen? Hätte die "Firma Guck, Horch & Greif", wie die Stasi im DDR-Sprachgebrauch genannt wurde, nicht schon viel früher zugegriffen?
 
Es ist kaum anzunehmen, dass eine Familie in diesem Fall überhaupt noch in die Nähe der Grenze gekommen wäre. Auch vom erzählerischen Konzept her hinterlässt der Film einen ziemlich schwachen Eindruck: Ein halbgares DDR-Drama, etwas Bergbau mit Action in Form einstürzender Tunnel, dazu eine Messerspitze Sozialdrama um die Kumpel, von denen aber keiner wirklich Konturen gewinnt. Ebenso wenig wie die alten Männer, die Leonard noch aus der DDR gekannt haben, oder eine kleine Gruppe Holländer, die aus dem Bergbau-Gebiet einen Freizeitpark gestalten will, oder der alte Vopo, Kathrins Vater.

Die größte Enttäuschung: Georges Rolle

Sie alle bleiben blass, schemenhaft und erfüllen bestenfalls eine rein erzähltechnische Funktion – die am Ende meist unklar bleibt. Die eigentliche Geschichte rankt sich nämlich um den mysteriösen Tod von Leonards Vater, und die hängt mit der Stasi zusammen und ist nur mäßig mit den anderen Erzählsträngen verknüpft. Ärgerlich werden diese Fehler vor allem deshalb, weil Georges letzte Rolle dadurch viel zu klein und weit unter ihren Möglichkeiten bleibt. Als bärbeißiger Knurrkopf hätte er noch einmal zu ganz großer Form auflaufen können. Oder noch besser als der hinterhältige und kriminelle Bastard, der er in der Titelrolle von "Das Schwein – Eine deutsche Karriere" sein durfte.
 
Und am besten als eine Mischung von beidem. Aber nichts von alldem gab es für George hier. Dabei hinterlässt seine Figur doch auch so manche Fragezeichen: Warum hat ein Mann in seinem Alter noch einen Sohn von erst acht Jahren? Gerade für George, der oft so grandios abgründig sein konnte, war die Rolle des Türnitz nichts als ein langweiliger Routine-Job. Von "Böse Wetter - Das Geheimnis der Vergangenheit", der mit so großer Besetzung und vielversprechendem Anfang wirklich große Erwartungen weckte, bleibt darum am Ende eine dicke Enttäuschung übrig. Der große Abgang von der Schauspielbühne, er blieb Götz George verwehrt.
 
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