Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
2 Kommentare

TV-Kritik: "Böser Boden": War Frankfurt besser?

Der neue "Tatort" um Kommissar Thorsten Falke versucht sich wie schon "Fürchte dich" an Motiven des Horrorfilms. Aber welcher der beiden Krimis ist wirkungsvoller?
Schwierige Aufgabe für die Kommissare Falke (2 v.l.) und Grosz (rechts): Warum musste der Iraner Arash Naderi (Hadi Khanjanpour) sterben? Foto: (NDR Presse und Information) Schwierige Aufgabe für die Kommissare Falke (2 v.l.) und Grosz (rechts): Warum musste der Iraner Arash Naderi (Hadi Khanjanpour) sterben?

Dieser "Tatort" dürfte mal wieder für Kontroversen sorgen: Nur wenige Wochen nach "Fürchte Dich" nimmt Deutschlands populärstes Krimi-Format ein weiteres Mal deutliche Anleihen beim Horror-Genre. Wenn auch mit völlig anderem Ansatz: Zeigte sich "Fürchte Dich" von Spukhaus-Geschichten wie „Poltergeist“ mit einer Prise "Der Exorzist“ beeinflusst, greift "Böser Boden" in die Motivkiste des Zombie- und Umwelthorrorfilms der 70er und 80er Jahre.

Film verpasst? Hier geht es zur Mediathek!

Was natürlich einen Vergleich der beiden Krimis geradezu aufdrängt – und da schneidet "Böser Boden" gar nicht schlecht ab. Die Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) müssen diesmal die Tötung eines Iraners in einer ländlichen Region aufklären. Der Tote arbeitete für NORFRAC, einen Konzern, der durch seine Fracking-Methoden und die Ableitung von Abwässern für schwerste Umweltvergiftung verantwortlich gemacht wird.

Wer hier an den Man-Eater erinnert

Falke und Grosz vermuten zwar einen fremdenfeindlichen Hintergrund, auch weil der Tote von rechtsgerichteten Umwelt-Aktivisten bedroht wurde. Zugleich fallen den Fahndern an vielen Anwohnern Hautschäden und absonderliches Verhalten auf. Aus Handlung und einzelnen Szenen ergeben sich also Einflüsse aus den Filmen von George A. Romero, John Frankenheimers "Prophezeiung" und einem der meistunterschätzten Horrorfilme überhaupt: "Messias des Bösen" von Willard Huyck und Gloria Katz.

Und dass ein irrer Waldschratt eine gewisse Ähnlichkeit zur Titelfigur von Aristide Massaccesis (alias Joe D’Amatos) "Man-Eater – Der Menschenfresser" besitzt, ist sicher auch kein Zufall. Die Anleihen sind wie in "Fürchte dich" gut gewählt, teilweise sogar geschickter zusammengestellt. Das Motiv aus "Der Exorzist" passte in "Fürchte dich" nicht wirklich zum Rest der Handlung, und in "Böser Boden" funktioniert die innere Logik insgesamt doch etwas besser.

Regie auf Augenhöhe

In beiden Filmen zeigt sich die Regie bestens in Form. Andy Fetscher hat in "Fürchte dich" eine sehr gute Hand für Atmosphäre und Schockeffekte gezeigt, aber auch Sabine Bernardi gelingen in "Böser Boden" intensiv bedrohliche Szenen. Wobei "Böser Boden" im Gegensatz zu "Fürchte dich" aber die Erwartungen, die er weckt, letztendlich nicht einlöst: Auch Umberto Lenzis "Großangriff der Zombies" oder Bruno Matteis "Die Hölle der lebenden Toten" begründeten zwar das Auftreten der Zombies mit Umweltschäden, aber ein richtiger Schocker dieser Art will oder darf "Böser Boden" gar nicht sein.

Die Grenzen zum echten Horrorfilm überschreitet dieser "Tatort" anders als der in dieser Hinsicht konsequente "Fürchte dich" nicht. Bei Fans des Genres dürfte das Enttäuschung auslösen. Der hessische Rundfunk zeigte mehr Mut. Und während "Fürchte dich" seine Handlungsfäden zwar etwas mühsam zusammenknüpft, aber immerhin miteinander verbindet, gibt es in "Böser Boden" eine Nebenhandlung um Thorsten Falkes Sohn, die einfach nur überflüssig ist. Im Endergebnis ist darum der Frankfurter Beitrag "Fürchte dich" eindeutig der bessere Film.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse