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TV-Kritik: "Brandnächte": Ein passender Film zum Monat November

Eine seltsame Mail ruft Anwältin Julia Gerber in ihren Heimatort zurück. Wurde Jahre zuvor der richtige Täter für den Mord an ihrer Schwester verurteilt?
Eine mysteriöse Mail lässt Julia Gerber (Sophie von Kessel) zweifeln, ob der Mord an ihrer Schwester richtig aufgeklärt wurde. Mit Tobias Moretti als Jens Maurer. Foto: Jürgen Olczyk Eine mysteriöse Mail lässt Julia Gerber (Sophie von Kessel) zweifeln, ob der Mord an ihrer Schwester richtig aufgeklärt wurde. Mit Tobias Moretti als Jens Maurer.

Warum gilt der Kriminalfilm eigentlich als ein großstädtisches Genre? Auf dem Land funktioniert eine gut gemachte Mordgeschichte doch mindestens ebenso gut. "Die Kronzeugin" am letzten Samstag hat es bereits vorgemacht, und "Brandnächte" legt noch einmal kräftig nach. In vielen Momenten zeigt sich hier: Es ist gerade die Ruhe und Stille außerhalb großer Metropolen, mit der sich so wunderbar Spannung erzeugen lässt.

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Da ragen in der Ferne Berge drohend auf, taut von Wiesen der letzte Schnee weg und man hört oft nicht mal ein Auto, sondern nur krächzende Vögel. In einer solchen Umgebung bekommt jede Bewegung, jede knarrende Tür, jedes geraunte Wort eine gewisse Doppeldeutigkeit. Vor allem, wenn die Charaktere durchweg wortkarg angelegt sind. Und eine stimmungsvolle, aber gar nicht mal übermäßig düstere  Filmmusik wie hier von Nikolaus Glowna und Ludwig Eckmann wirkt besonderes eindringlich.

Überzeugendes Charakter-Personal

Man beginnt als Zuschauer also schon viel zu ahnen, obwohl man noch gar nichts weiß. Höchstens, dass Leute, die Vögel austopfen, irgendwie seltsam sind – so wie Norman Bates in "Psycho". Aber Johannes Falk (Nikolaus Paryla) sitzt im Rollstuhl und verströmt eher einen gutmütigen Sarkasmus als dass er wirklich verschroben rüberkommt. Julia Gerber (Sophie von Kessel) trifft ihn vor dem Friedhof, wo Falks Sohn begraben wird. Der junge Mann wurde acht Jahre zuvor für den Mord an Gerbers Schwester verurteilt.

Doch hat er die Tat wirklich begangen? Es ist eine mysteriöse Mail, die Julia Gerber zurück in ihr Heimatdorf führt. In München arbeitet sie als Anwältin. Im Dorf trifft sie auf Jens Maurer (Tobias Moretti), der nach dem Tod ihrer Schwester die Ermittlungen leitete  und nun vom Dienst suspendiert ist. Ein melancholischer Mann, einsam wie auch Johannes Falk und in gewisser Weise sogar Julia Gerber selbst.

Ruhig und ausdrucksstark erzählt

Julia will herausfinden, wie ihre Schwester wirklich gestorben ist, und sticht in ein Wespennest. Wie Hannah Hollinger (Drehbuch) und Matti Geschonneck (Regie) die einzelnen Puzzleteile Stück für Stück zusammenfügen, baut im Verlauf des Films eine faszinierende Kraft auf. Geschonnenk tritt in seiner Inszenierung nicht sonderlich aufs Gaspedal, sondern erzählt mit ruhiger Hand, fast gemächlich, mit langen Kameraeinstellungen und fast wohltuend wenigen Schnitten.

Allzu viele Verwicklungen gibt es schon durch die limitierte Anzahl der Beteiligten nicht, aber die haben es in sich. Im Subtext tummeln sich viele Gedanken zu Verdrängtem, Familie, persönlichen Wurzeln und unterschiedliche Geschwistern. Genügend Material, um vielen Zuschauern einen persönlichen Anknüpfungspunkt an die Geschichte zu ermöglichen. Die ebenso passende  und angenehm zurückhaltend agierende Besetzung Und die blassen, blaugrauen Farben verbreiten eine frostige Stimmung, die „Brandnächte“ zum idealen Film für den Monat November macht. Auch wenn er kurz vor Ostern spielt.

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