E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 20°C
1 Kommentar

TV-Kritik: "Bretonisches Leuchten": Mit einem fetten Regiefehler

Von Kommissar Dupin neueste Mordgeschichte präsentiert sich durchaus raffiniert entworfen. Die Sorgfalt in den Details lässt aber etwas zu wünschen übrig.
Kommissar Georges Dupin (Pasquale Aleardi)legt sich mit Desespringalle (Sven Gerhardt) an, dem örtlichen Polizeichef. Foto: (WDR Presse und Information/Redak) Kommissar Georges Dupin (Pasquale Aleardi)legt sich mit Desespringalle (Sven Gerhardt) an, dem örtlichen Polizeichef.

Aha, deswegen also konnte sich im Programm der ARD so gut etablieren: Verbrechen ziehen ihn an, er kann ohne Mord nicht leben. So ein Ermittler muss unsereins doch ans Herz wachsen. Ohne Mord und Totschlag, Betrug und Verschwörung, kurz ohne Krimi können wir – nein, keineswegs nur die Deutschen, dieses Phänomen hat weltweite Dimensionen – ja auch nicht leben.

Oder frei nach Loriot: Ein Leben ohne Krimi ist möglich, aber sinnlos. Deswegen begegnet Dupin auch im gemeinsamen Strandurlaub mit Claire (Christina Hecke) umgehend einem Hotelbetreiber, der ihn erkennt und sich als Fan zu erkennen gibt, weil Dupin einst den Mord an einem Kollegen aufklärte. Er weist Dupont auf den Fall einer „rosa Toten“ hin,  die sieben Jahre zuvor in einem nahen Steinbruch gefunden wurde, bedeckt mit rosafarbenem Granitstaub.

Sendung verpasst? "Bretonisches Leuchten" in der ARD-Mediathek

Selbstmord im Wasser

Dabei lernen Claire und Dupin auch Alizée (Katharina Heyer) kennen. Das Verhältnis zu ihrem Mann Gilbert (Nicki von Tempelhof) scheint angespannt zu sein. Möglicherweise ist Alizée manchmal nicht sie selbst. Doch bald ereignet sich eine Katastrophe: Vor den entsetzten Blicken der hilflosen Zuschauer rast die offenbar verwirrte Alizée mit einem Motorboot aufs Meer hinaus und stürzt sich ins Wasser. Die Polizei kann aber ihre Leiche nicht finden.

Bald taucht in dem genannten Steinbruch eine weitere Leiche auf. Die Tote hatte offensichtlich etwas zu verbergen. Und noch eine weitere Leiche beschäftigt den Ermittler, der im Gegensatz zu Desespringalle (Sven Gerhardt) seinem Ermittler-Kollegen von der örtlichen Polizei, doch schnell an Durchblick gewinnt. Krimi-Klischees dieser Art sind zwar verzichtbar, mindern die Qualität aber nicht allzu sehr.

Ein Fehler der Regie

Der mörderische Plan, den Dupin hier aufdeckt, besitzt tatsächlich eine gewisse Raffinesse, die es so in der Dupin-Reihe bisher nur selten gab. Bei den Details waren Drehbuch und Regie aber nicht immer sorgfältig: So gibt der Mörder an, dem Opfer Tabletten gegeben zu haben, damit die Wirkstoffe in der Leiche nachweisbar wären, falls diese gefunden würde.

Dass aber die Selbstmordtheorie in diesem Fall ohnehin nicht mehr haltbar gewesen wäre – die falsche Alizée sprang ins Wasser, die echte wurde eingewickelt (!) ins Meer geworfen – hat offenbar niemand gemerkt.  Kann passieren. Kommissar Zufall leistet nebenbei kräftig Amtshilfe, wenn Dupin über ein wichtiges Beweisstück stolpert. Und bis der Krimi wirklich ins Laufen kommt, vergeht auch einige Zeit.

Nebenher dürfen Dupin und Claire noch ein wenig über ihre privaten Befindlichkeiten reden. Claire leidet daran, einem herzkranken Mädchen nicht helfen zu können, und Dupin wird von Erinnerungen gequält, die immer wieder nicht allzu unmotiviert aufblitzen. Der Zuschauer langweilt sich aber dennoch nicht: Die vielen Bilder der reizvollen bretonischen Küstenlandschaft macht kräftig Lust, es Dupin nachzumachen und einmal Urlaub dort zu machen.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen