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TV-Kritik: "Clüver und die wilde Nacht": Nur gebremst frivol

Von Erst sieht es nach einem bizarren Sexunfall aus: Wie der Krimi mit Robert Atzorn ein Erotik-Thema verarbeitet.
Was genau ist passiert? Die Fahnder Ina (Julia Brendler) und Hinnerk (Oliver Wnuk) lassen nichts unversucht und stellen die Tat nach. Foto: Simon Vogler Was genau ist passiert? Die Fahnder Ina (Julia Brendler) und Hinnerk (Oliver Wnuk) lassen nichts unversucht und stellen die Tat nach.
"Lang lebe der Blümchensex!" Der Stoßseufzer von Kommissar Theo Clüver (Robert Atzorn) hat einen Grund: den toten Ronny Klöcker, Betreiber einer Edeldisco, der bei autoerotischen Erstickungsspielen gestorben sein könnte. Allerdings nicht erstickt wie einst Hollywood-Star David Carradine, sondern tödlich eine Treppe hinuntergestürzt. So genau weiß das keiner, wie es aussieht. Nicht die vier jungen Damen, mit denen Ronny zum Junggesellinen-Abschied eine wüste und alkoholgeschwängerte Party feierte.
 
Und auch nicht sein übelst verkaterter Kollege Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk): Der hat kräftig mitgefeiert, infolgedessen eine Filmriss und ein durchnässtes Handy, auf dem sich für die Ermittlung wichtige Bilder befinden. Es geht diesmal schon etwas frivoler und nackiger zu im fünften Fall von Theo Clüver. Eine der vier Grazien aus der wilden Nacht darf etwa kurz oben ohne herumtappen und ein bisserl gefesselt wird auch, siehe Bild. Wer als Dreingabe zum Krimi eine erotische Komödie im Stil von Blake Edwards Klassiker "Die Traumfrau" erwartet, sitzt allerdings vor dem falschen Film.
 

Wie bei Thiel und Boerne

 
So viel hat sich das ZDF nämlich nun doch nicht getraut. Dass die Drehbuchautoren Stefan Cantz und Jan Hinter auch hinter dem Konzept des Münsteraner „Tatort“ stehen, hat dennoch unübersehbar seine Spuren hinterlassen – etwa wenn Ronny Mitarbeiter Turtur  (Rainer Piwek) bei Feldmanns Anblick zu singen beginnt. Oder wenn Feldmann im Tempo eines Maschinengewehrs mit medizinischen Fachausdrücken um sich wirft, wenn es eigentlich um schlichte Ko-Tropfen geht, die im Blut des toten Ronny gefunden wurden. Wirklich ganz im Stil von Professor Boerne.
 
Und gleichzeitig nimmt sich der Krimi auch des Flüchtlingsthemas an in Gestalt der Putzfrau Jamila (Carolina Vera), einer Syrerin. Jamilas Sohn gehört ebenfalls zu den Verdächtigen. Schließlich rennt er sofort los, als die Fahnder im Asylantenhaus ihm gegenüberstehen, genau wie seine Mutter zuvor bei Clüver. Durch Jamila versucht der Film eine erhebliche emotionale Bandbreite abzudecken und mitunter gerät die Dramaturgie dadurch ein wenig in Schieflage, ohne sich allerdings gänzlich zu verheben.
 

Ist Atzorn zu alt?

 
Die insgesamt gemütliche Erzählweise bezieht immer wieder alltägliche Szenen ein. Clüver plagt sich etwa mit einem verstopften Abfluss und zwischendrin nimmt sich der Krimi noch die Zeit, mit einem Sonnenaufgang  für Stimmung zu sorgen - bekommt durch die Rennerei ein wenig Tempo und der mittlerweile über 70jährige Atzorn darf dabei ebenfalls seine beachtliche Konstitution demonstrieren. Freilich nicht ohne dabei auf den in solchen Szenen üblichen Standartsatz zu verzichten: "Ich bin zu alt für den Scheiß!"
 
Zum Abrunden gibt es einige bekannte TV-Gesichter. Wie das von Rainer Piwek oder Nikolai Kinski: Der darf sich mal wieder als Fiesling nützlich machen und hat den unheilvollen Blick seines Vaters auch schon ganz gut drauf. Nicht schlecht auch die Kamerafahrt zum Auftakt. Indessen: In Hollywood hätten sie auf die Art den Mörder eingeführt, nicht das Opfer.

Den ganzen Krimi gibt es hier
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