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TV-Kritik: "Dark Glamour": Blut, Gewalt und Sex in Farbe

Von In den 1950ern erfand Hammer Films den Gruselfilm neu. Diese Dokumentation zeigt die faszinierende Geschichte des Studios.
Christopher Lee in wurde mit der Titelrolle in "Dracula" aus dem Jahr 1958 zum Topstar. B Foto: Hammer Films Christopher Lee in wurde mit der Titelrolle in "Dracula" aus dem Jahr 1958 zum Topstar. B
Vor sechzig Jahren erweckte Hammer Films die klassischen Horrorfiguren wieder zum Leben. Frankenstein, Dracula und die Mumie kehrten farbig auf die Leinwand zurück. Die Schauspieler Christopher Lee und Peter Cushing erspielten sich in Hammer-Filmen internationalen Ruhm. Grund genug für Regisseur Jérôme Korkikian, in seiner Dokumentation den "Aufstieg und Fall der Hammer Studios" – so der Zusatztitel – einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
In den fünfziger Jahren war es das neu entwickelte Fernsehen, das Filmstudios und Kinobetreibern das Leben schwer machte. Sie reagierten mit Farbfilmen – ferngesehen wurde damals noch in Schwarzweiß. Britische Filmemacher konzentrierten sich dabei vor allem auf die Stoffe und Motive der Schwarzen Romantik.
 
John Carpenter schwärmt von Hammer
 
Den Anfang machte zwar noch ein Science Fiction-Film in Schwarzweiß: „The Quatermass Xperiment“ (dt. Titel „Schock“) von 1955. Der auf der TV-Serie „Quatermass“ basierende Streifen wartete aber mit vielen für die damalige Zeit ungewöhnlich harten Effekten auf und gilt heute als Kultfilm. John Carpenter sah ihn schon im Kindesalter gleich mehrfach. Überhaupt macht es viel Spaß, in der Dokumentation Regie-Ikonen des Horrorfilms wie Carpenter oder Dario Argento dabei zuzusehen, wie sie enthusiastisch von ihren Begegnungen mit Hammer-Filmen schwärmen.
 
Mit dem enorm erfolgreichen „Frankensteins Fluch“ und besonders „Dracula“ etablierte Hammer sich endgültig als die definitive neue Schauerfabrik. Christopher Lee erzählt vor laufender Kamera in elegantem Französisch, wie er zusammen mit den Maskenbildnern für Frankensteins Monster ein neues Make-Up entwickelte, da die Hammer aus urheberrechtlichen Gründen nicht die Monster-Maskerade von Boris Karloff aus dem „Frankenstein“-Film von 1931 verwenden konnte. Wobei auch die Maskenbildner der Universal diese Maskerade nicht allein entwickelt hatten: Sie basierte auf einem Stich von Goya.
 
Wie der Hollywood-Horror endete


Solche Details lässt der Film allerdings weg. Es war auch anders, als in der Diskussion behauptet, weniger die Aufdeckung der NS-Verbrechen, die dem klassischen Horrorfilm aus Hollywood den Garaus machte. Es lag auch an der seit den frühen vierziger Jahren massiv nachlassenden Qualität der Filme. So blieb schon „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“ von 1943 meilenweit hinter den  ersten drei „Frankenstein“-Filme der Universal zurück.
 
Dass der klassische US-Horrorfilm mit einer Parodie endete, hat er mit anderen Genres gemeinsam: Ähnlich erging es dem Italo-Western mit den Streifen von Bud Spencer und Terence Hill. „Abott und Costello treffen Frankenstein“ – der zu Recht als der mit Abstand beste Film des Komiker-Duos gilt – zeigte unter anderem noch einmal  Bela Lugosi in seiner Stammrolle als Dracula. Christopher Lee verkörperte den Blutgrafen zehn Jahre später als lüsternes athletisches Raubtier.
 
Hammer-Geschichte bleibt unvollständig
 
Dankenswerterweise informiert „Dark Glamour“ darüber, dass es von diesem Film mittlerweile sogar eine neue Schnittfassung gibt. Andere Aspekte der Hammer-Geschichte kommen aber durch die kurze Laufzeit der Dokumentation zu kurz. So beeinflusste Hammer US-Filmemacher wie Roger Corman, der sich stilistisch mit seinen Gruselfilmen nach Motiven von Edgar Allan Poe stark an die Hammer-Vorbilder anlehnte. Und es waren nicht nur Hitchcocks „Psycho“ und Romeros „Nacht der Lebenden Toten“, die Hammer unter Druck setzten, sondern vor allem auch Polanskis „Rosemaries Baby“.
 
Ähnlich wie die Universal in den vierziger Jahren kämpfte auch Hammer in den späten 1960ern mit der sinkenden Qualität seiner Filme. Die familiäre Arbeitsatmosphäre scheint in Wirklichkeit noch freundschaftlicher gewesen zu sein als in der Dokumentation behauptet. So war Christopher Lee mit den Drehbüchern für seine Dracula-Filme zunehmend unzufrieden. Er ließ sich aber dennoch immer wieder verpflichten, um befreundeten Technikern und Angestellten des Studios Arbeit zu verschaffen.
 
Untergang und Rückkehr

 
Auf die neue US-Konkurrenz reagierte Hammer mit der damals sehr freizügigen Karnstein-Trilogie, die lose auf der Novelle „Carmilla“ von Joseph Thomas Sheridan Le Fanu basierte. Nur sehr beiläufig streift die Dokumentation Hammers Ausflüge in andere Filmgenres wie das Kostümspektakel „Königin der Wikinger“. Auch dieser Film bietet viel nackte Haut und starke sadomasochistische Untertöne. An der Kasse floppte er dennoch.
 
Ähnlich erging es „Captain Kronos – Vampirjäger“ mit Horst Janson in der Titelrolle. Die sehr unterhaltsame Mischung aus Mantel- und Degenfilm mit Vampirmotiven sollte eine neue Serie eröffnen. Sie blieb durch den mangelnden Erfolg an der Kasse aber leider ein Einzelstück. In den späten siebziger Jahren kam schließlich das vorläufige Aus für Hammer.
 
Ihr Status als quasi untote Firma bis zu ihrer Wiederbelebung vor zehn Jahren gibt ihrer Geschichte heute angesichts ihrer Schauerfilme etwas Ironisches. Der Rückblick weckt aber vor allem viele angenehme Erinnerungen an schaurig-schöne Stunden: Vor allem der erste „Dracula“-Film gilt zu Recht als ein Höhepunkt des Genres.


Hier geht es zum ganzen Film
 
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