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TV-Kritik: "Das Beste für mein Kind": Vom Kind zur Katastrophe

Ein Baby verschwindet und zwei Paare geraten aneinander. Das deutsch-polnische Ermittlerpaar Lenski und Raczek stoßen auf ein heißes Geflecht an brodelnden Gefühlen.
Foto: (rbb Presse & Information)

An Experimenten war ja in letzter Zeit kein Mangel im Sonntagskrimi. Auch "Das Beste für mein Kind" bildet keine Ausnahme: Ein Krimi, in dem es zwar einen Toten gibt, aber eigentlich keinen echten Täter. Denn im Grund hat niemand ein böses Ziel hier verfolgt: Rückblickend sind alle Beteiligten irgendwie in eine schuldhafte Verstrickung hineingeraten, die ab einem bestimmten Moment eine tödliche Eigendynamik bekommen hat.

Bis zu diesem Moment schien eigentlich alles geklärt. Sabine Hallmann (Katharina Heyer) und ihr Mann Robert (Tobias Oertel) kümmern sich als Eltern um den kleinen Leon, bis das Baby aus dem Krankenhaus entführt wird. Die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) stellen aber fest, dass Sabine Hallmann nicht die leibliche Mutter des Babys ist. Wie es aussieht, hatte Robert Hallmann eine Affäre mit der Polin Anna Kowalska (Agnieszka Grochowska).

Wer wirklich Leons Vater war

In der Tat hatte Anna Kowalska eine Affäre – aber nicht mit Robert Hallmann. Der Krimi verwickelt seine Figuren in ein behutsam aufgebautes Beziehungsgeflecht, in dem es vor Emotionen nur so brodelt. Es geht um einen Ehemann (Piotr Stramowski), der seiner Frau die Affäre verziehen hat, aber das Kind daraus nicht wollte. Und ebenso um eine Mutter, die sich schuldig fühlte, das Kind weggegeben zu haben.

Zu all dem kam dann noch der leibliche Vater des Kindes, der plötzlich doch noch väterliche Gefühle entwickelte, als der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Schuldgefühle, Kindeswunsch, Eifersucht: die besten Voraussetzungen für ein spannendes Familiendrama, weil eigentlich alles auf eine potentielle Katastrophe zusteuert. Regisseur Jakob Ziemnicki (auch Drehbuch zusammen mit Elke Rössler) hat das zudem gekonnt umgesetzt.

Grochowska und Heyer als Erlebnis

Ziemnicki verzichtet auf inszenatorische Kunststückchen und konzentriert sich wohltuend auf die Schauspieler und ihr beinah gespenstisch realistisches Spiel: Oft ist nur eine leicht angespannte Tonlage, die mehr ahnen lässt. Es sind vor allem die Frauen, die hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Neben der hervorragenden Agnieszka Grochowska kann sich auch Katharina Heyer sehr gut behaupten.

Schon Grochowska und Heyer vermitteln so starke Emotionalität, das man dankbar wird für das eher gemächliche Erzähltempo: Es ist ein Erlebnis, zwei so glänzenden Schauspielerinnen zuzuschauen. Dass man nebenher auch etwas über Adam Raczek erfährt, ist auch kein Fehler – zumindest, solange die Privatgeschichten der Ermittler sich nicht vor den eigentlichen Fall schieben. Ziemnicki gelang der bisher mit Abstand beste Fall aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet.

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