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TV-Kritik: "Das Geheimnis der Schwestern": Der bessere "Tatort"

Von Die ZDF-Reihe "Unter anderen Umständen" präsentiert sich hier in Bestform: Der Zerfall einer Familie hält den Zuschauer hier bis zum Schluss in Atem.
Andreas Seidel (Martin Lindow, l.) und Thomas Reuss (Peter Benedict, r.) waren einst Geschäftspartner. Doch jetzt herrscht Eiszeit zwischen den beiden. Foto: Marion von der Mehden Andreas Seidel (Martin Lindow, l.) und Thomas Reuss (Peter Benedict, r.) waren einst Geschäftspartner. Doch jetzt herrscht Eiszeit zwischen den beiden.

Chefs von TV-Polizeiteams haben es nicht leicht. Sie müssen einerseits Verbrecher jagen, sich andererseits von den Drehbüchern aber auch oft als heillos unterbelichtete Trottel vorführen lassen: Meist verschanzen sie sich hinter dem Schreibtisch und blicken nur mit Mühe bei dem noch durch, was ihre Leute so ermitteln. Kein Wunder, dass da bei manchem so der Stuhl wackelt: So bei Arne Brauner (Martin Brambach) aus der ZDF-Reihe "Unter anderen Umständen", einem trockenen Alkoholiker.

Heimlich besucht Jana Winter (Natalia Wörner) Dr. Fabian (Hansjürgen Hürrig), um mit ihm über Fortbildungsmaßnahmen zu sprechen. Der lässt dabei durchblicken, dass er sich die Kommissarin durchaus als Brauners Nachfolgerin vorstellen könnte. Ein schmeichelhaftes Angebot – aber eine hochpotentielle Giftbombe für die Zusammenarbeit. Und da weiß Jana Winter nicht einmal, dass Brauner unterdessen ihren Schreibtisch durchwühlt hat – und dabei fündig wurde.

Heimlichkeiten unter Kollegen und Eheleuten

Die schwelende Spannung zwischen Jana Winter, ihrem Kollegen Matthias Hamm (Ralph Herforth) und Chef Brauner spiegelt dabei auch die Fallkonstellation: Da geht es im Kern ebenfalls um Geheimgehaltenes und Nichtgesagtes. Es beginnt mit einem Anruf bei der Polizei, bald danach wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die sich offensichtlich als Prostituierte betätigt hat. Als Anrufer identifizieren die Fahnder Katharina Seidel (Nele Mueller-Stöfen).

Die lebt mit ihrem angeschlagenen und unter Geldnot leidenden Mann Andreas Seidel (Martin Lindow) und drei Kindern in einem halbfertigen Bungalow und führt die Polizisten erst einmal auf die Spur des Zuhälters Maik Leinemann (Timo Jacobs). Und sagt den Polizisten offenbar nicht die Wahrheit, als sie behauptet, gesehen zu haben, wie jemand die junge Frau geschlagen hat: Die Tote war als Prostituierte auf einer Party, die der Bauhändler Horst Leinemann (Bernhard Schir) für Kunden veranstaltete.

Haben Sie "Das Geheimnis der Schwestern" verpasst? Sehen Sie den Film in der ZDF-Mediathek.

Das Doppelleben der Mutter

Aber Katharina Seidel muss ebenfalls dort gewesen sein. Schon die Art, wie das Drehbuch diese Wendung in die Handlung packt und dabei die Spannungsschraube andreht, ohne je an Glaubwürdigkeit einzubüßen, macht diese mittlerweile 14. Episode zu einem Glanzstück der Reihe. Dazu spielt die Geschichte die emotionalen Verwicklungen der Familie Seidel voll aus, wobei sich speziell Timo Jacobs als frustrierter und gedemütigter Verlierer beim Zuschauer einbrennt.

Die Milieuschilderung der zerfallenden Mittelstandswelt bietet hohes Identifikationspotential. Dazu gefällt, dass Brauner hier sehr viel professioneller agiert und sich als kompetenter Chef zeigt als in der letzten Episode. Am Ende treibt die Geschichte fast zwanghaft in eine Katastrophe.  "Das Geheimnis der Schwestern" taugt deswegen bestens als Beispiel für die Behauptung, dass das ZDF des Öfteren die besseren "Tatort"-Krimis präsentiert.

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