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TV-Kritik: Das Pubertier: Der Geschichte fehlt Substanz

Von Nach dem Bestseller von Jan Weiler kommt jetzt auch ein TV-Mehrteiler. Das Thema hätte aber mehr hergegeben, als man hier zu sehen bekommt.
Familie kann so schön sein! Sara (Chiara Schoras, l.), Pubertier Carla (Mia Kasalo, 2.v.l.), Papa Jan (Pasquale Aleardi) und Sohn Nick (Levi Eisenblätter) albern herum. Aber wehe, das Pubertier bricht aus! Foto: BRITTA KREHL Familie kann so schön sein! Sara (Chiara Schoras, l.), Pubertier Carla (Mia Kasalo, 2.v.l.), Papa Jan (Pasquale Aleardi) und Sohn Nick (Levi Eisenblätter) albern herum. Aber wehe, das Pubertier bricht aus!

Gestern war die Tochter noch so ein wunderbares Kind, lieb, anhänglich und den Vater anhimmelnd. Doch dann der berüchtigte Hormonschub namens Pubertät und die eben noch so tolle Kleine zeigt sich plötzlich abweisend, eigenbrötlerisch, schwierig und launisch. Eine Art Alien, die sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert und dem Rest der Familie gegenüber mit eiserner Faust verteidigt. Papa zählt jetzt gar nicht mehr, stattdessen stehen Freundinnen und vor allem die Jungs aus der Schule auf dem Programm.

"Das Pubertier" heißt der Roman von Jan Weiler, in dem er satirisch das Erwachsenwerden seiner Tochter beschreibt. Erst ein Besteller, dann bis vor kurzem ein Kino-Erfolg mit über 800.000 Zuschauern und jetzt auch noch eine TV-Serie. Wobei die Fernseh-Version schon mal einen kleinen Nachteil zeigt: Es heißt zwar "Das Pubertier", aber die pubertierende Tochter Carla (Mia Kasalo) von Jan (Pasquale Aleardi) und Sara Maybacher (Chiara Schoras) spielt im Grunde nur eine Nebenrolle.

Problem der Serie: Das Pubertier spielt nur eine Nebenrolle

Im Verlauf der ersten Folge "Das Pubertier wird flügge" hat sie nicht allzu viele Szenen. Hauptfigur ist Vater Jan, der sich außer mit seiner Tochter noch mit seinen Eltern und seiner Schwester Julia herumschlagen muss. Seine Mutter will sich nämlich von seinem Vater trennen, seit der was mit einer Jüngeren angefangen hat – und zwar ausgerechnet mit einer Frau, die Jan noch aus seiner Schulzeit kennt. Und seine Schwester Julia verlangt von Jan, umgehend zur Baustelle seines neuen Hauses zu kommen, da gäbe es nämlich ein dringendes Problem.

Hier können Sie die Sendung in der ZDF-Mediathek ansehen!

Viel Stoff also, und Drehbuch wie Regie halten den Auftakt denn auch hübsch unter Volldampf. Schon zum Einstieg gibt es einen hübschen Einfall, wenn sich die Tür zur Zimmer der Tochter plötzlich wie von Geisterhand mit abweisenden Aufklebern zupflastert. Der positive Schwangerschaftstest ist ein guter Auslöser für allerlei Chaos, und Pasquale Aleardi, Krimifans noch in der Rolle des Kommissar Dupin erinnerlich, gibt den zunehmend verzweifelnden Vater mit Hingabe.

Spannungspotenzial verpufft

Dennoch ist dabei nicht alles Gold, was glänzt. Dass die erste Folge sich durchgehend im heiteren Unterhaltungsmodus bewegt, lässt einiges an Spannungspotenzial wirkungslos verpuffen. Das fällt am meisten im Handlungsstrang mit Jans Eltern Gisela (Gisela Schneeberger) und Eberhard (Dietrich Hollinderbäumer) auf.

Viel zu lässig reagiert Eberhard auf seinen Sohn und die Wut seiner Frau. Die Konfrontation mit ihr und seinem Sohn verläuft so locker und unrealistisch, dass man als Zuschauer sofort wieder auf den Boden geholt wird: Ist ja alles ganz harmlos, ist ja nur ein Film. Ein bisschen zu antiseptisch wirkt auch der Rest des Films. Für ein wirklich pubertierendes Mädchen wirkt Mia Kasalo einfach noch zu jung und glatt. Echte Probleme in der Schule etwa scheint Carla nicht zu haben. Die Maybachers sind im Wesentlichen eine glückliche Familie aus dem Mittelstand, bald auch mit eigenem Haus.

Verklärter Blick auf die Pubertät

Der Blick auf die Pubertät und ihre Probleme bleibt im Wesentlichen romantisch verklärt und an der Oberfläche. Natürlich muss man da nicht mit aller Gewalt ein tiefgründiges Drama draus machen. Allerdings wusste schon Chaplin, dass gerade Tragödien sich wunderbar für Komödien eignen. Etwas mehr Substanz hätte der Geschichte richtig Pfeffer geben können.

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