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TV-Kritik: "Das Wochenende": Das Spannendste fehlt

Von Warum der RAF-Film weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Und was die Geschichte trotzdem noch rettet.
Noch genießt Inga (Katja Riemann) ihr bürgerlich-behagliches Dasein mit ihrem Mann Ulrich (Tobias Moretti), doch das wird sich ändern. Foto: Stephan Rabold/ZDF Noch genießt Inga (Katja Riemann) ihr bürgerlich-behagliches Dasein mit ihrem Mann Ulrich (Tobias Moretti), doch das wird sich ändern.
Ein Anruf ihrer Freundin Tina Kessler (Barbara Auer) bringt das gutbürgerliche Leben von Inga (Katja Riemann) erheblich durcheinander. Deren Bruder Jens (Sebastian Koch), einst Mitglied der RAF, wird nach 18 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Tina will die Freiheit ihres Bruders mit einem Treffen in ihrem Landhaus feiern und dazu ein paar Freunde einladen. Inga war einst mit Jens zusammen, er ist der Vater ihres Sohnes Gregor (Robert Gwisdek). Mit ihrem Mann Ulrich (Tobias Moretti), der sie drängt, die Einladung anzunehmen, hat sie noch Tochter Doro (Elisa Schlott).

Auch Henner (Sylester Groth), der ebenfalls bei der RAF mitgemacht hat, aber ausgestiegen ist, als es ans Töten ging, ist bei dem Treffen mit von der Partie. Die Spannung ist schnell mit Händen zu greifen. Jens interessiert sich vor allem dafür, wer ihn damals an die Polizei verraten hat. Er verdächtigt Henner, der ein Buch über diese Zeit verfasst hat. Außerdem beschuldigt er Inga in Momenten trauter Zweisamkeit, sie habe ihn mit ihrer Schwangerschaft unter Druck setzen wollen, ins bürgerliche Leben zurückzukehren.

Politik bleibt außen vor


Dass Inga trotz solcher Vorwürfe auch ihre lange Zeit brachliegenden Gefühle für Jens wieder entdeckt, macht es für sie nicht eben leichter. Allerdings für den Zuschauer, denn als Film über die RAF wäre der Streifen ohne Inga mitunter recht spannungslos. Ab und an gibt es leichtes Geplänkel, wenn Jens auf seine linksextreme Gesinnung angesprochen wird - etwa in dem Sinne, dass er wohl das Treffen samt gutem Essen für bürgerlich-dekadent halten würde. "Immer müsst ihr euch irgendwas in den Mund stopfen" entgegnet er denn auch Inga an einer Stelle.

Aber solche Stellen, die den Zuschauer auch provozieren und zum Widerspruch herausfordern - und dadurch für Spannung sorgen - sind selten. Politik spielt nur eine verschwindend geringe Nebenrolle. Jens hat zwar seine Ansichten aus der RAF-Zeit nicht geändert, und doch spart das Drehbuch - das auf einem Roman des früheren Jura-Professors und Richters Bernhard Schlink basiert - gerade das Spannendste an dem Themenkomplex RAF weitgehend aus. Hie und da ist mal von der Ausbeutung die Rede, die man beenden wollte, aber da fragt man sich nur, ob die Argumentation der RAF damals tatsächlich so primitiv und simpel war.

Riemann spielt einen spannenden Charakter


Einen Alt-RAFler stellt man sich doch irgendwie anders vor, mehr pseudo-intellektuell wenigstens. Aber davon ist kaum was zu finden. Die Charaktere bleiben dadurch seltsam konturlos. Am besten kann sich noch Katja Riemann aus der Affäre ziehen, der die Zerrissenheit Ingas Gelegenheit zur Darstellung eines eindringlichen Gewissenskonflikts gibt. Und das macht sie so gut, dass sie, obwohl sie hier schon wieder überflüssigerweise mit Perücke spielt, schon fast im Alleingang den ganzen Film rettet. Auch Gregor bringt durch seine massiv-provokative Art gegenüber seinem leiblichen Vater etwas Leben in die Bude, aber er tritt erst reichlich spät auf.

Und bekommt auf seine Aufforderung gegenüber seinem Vater, sich für sein "beschissenes, verpfuschtes Leben" zu entschuldigen, eine merkwürdige Antwort: "An mich wird man sich erinnern, an dich nicht". Könnte also der gesamte RAF-Terror letztendlich nichts weiter als der Wunsch gewesen sein, im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen? Das spielte natürlich auch eine Rolle, aber für eine Auseinandersetzung mit den Tätern und der Epoche der RAF ist das nicht genug.

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