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TV-Kritik: "Das deutsche Kind": Zwischen den Fronten

Von Als ihre Mutter stirbt, gerät die kleine Pia in einem heftigen Sorgerechtsstreit zwischen ihren Großeltern und einer muslimischen Familie.
Verhärtete Fronten im Streit um Pia Malina Harbort, M.): Christine (Katrin Sass) und Theodor (Lutz Blochberger), Pia, Serah (Neshe Demir) und Cem (Murathan Muslu). Foto: (NDR Presse und Information) Verhärtete Fronten im Streit um Pia Malina Harbort, M.): Christine (Katrin Sass) und Theodor (Lutz Blochberger), Pia, Serah (Neshe Demir) und Cem (Murathan Muslu).

Natalie Unger (Petra Schmidt-Schaller), alleinerziehende Mutter, gibt ihre Tochter Pia (Malina Harbort) bei ihrer Freundin und Nachbarin Serah Balta (Neshe Demir) und deren Mann Cem (Murathan Muslu) ab. Die beiden helfen gerne als Babysitter aus, zumal sich Pia gut mit  deren etwa gleichalttrigen Tochter Hanna (Sue Mossbauer) versteht. Doch dann wird Natalie auf ihrem Fahrrad von einem LKW erfasst, mit tödlichen Konsequenzen.

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Auch sonst zeigt der Unfall weitreichende Folgen: In ihrem Testament hat Natalie verfügt, dass Pia bei den Baltas leben soll. Was den Großeltern des Mädchens, Christine und Theodor (Katrin Sass und Lutz Blochberger) ein Dorn im Auge ist: Sie wollen nicht, dass ihre Enkelin in einer muslimischen Familie aufwächst. Und auch Cem vertritt eigentlich die Meinung, dass Pia besser in ihrer leiblichen Familie aufgehoben wäre. Doch dann entscheiden sich die Baltas, Pia bei sich aufzunehmen.  

So prallen denn schnell Welten aufeinander. Das Verhältnis zwischen Natalie und ihren Eltern war ein Scherbenhaufen. Sie versuchen, ihre Enkelin auf ihre Seite zu ziehen. Und Cem und Serah sind nicht nur Muslime, Cem ist noch dazu angehender Imam seiner muslimischen Gemeinde. Ein Mann mit liberalen Ansichten und Ideen, der auf Deutsch predigt und Dinge äußert, die nicht alle Mitglieder der Gemeinde gerne hören.

Figuren mit vielen Facetten

Man sieht schnell: Der Film will die aktuelle Islam-Debatte möglichst umfangreich in seine Figuren einfließen lassen. Paul Salisbury (Drehbuch) hat kaum einen Aspekt ausgelassen: Serah trägt Kopftuch, aber freiwillig, und neben dem Sorgerecht für Pia geht es auch um Salafismus und einen geplanten Moscheebau. Ein Ansatz, der sicher gut gemeint war, aber auch Gefahr läuft,  mehr Themen zu verarbeiten, als einer Geschichte guttut.

Gemessen daran funktioniert „Das deutsche Kind“ aber doch ziemlich gut. Regisseur Umut Dag setzt wie schon in seinem „Tatort“ –Beitrag "Rebecca" auf subtile Gesten und leise Momente, wenn er etwa Cem beim einsamen Dauerlauf zeigt. Dabei verleiht er den Figuren des Films nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern auch eine gewisse Tragik. Sowohl die Baltas als auch Pia sind Menschen, die zwischen die Fronten geraten sind.

Der Film zeigt aber nicht nur die verhärteten Fronten, sondern auch eine Welt mit vielen Abstufungen zwischen Ressentiments und Offenheit auf allen Seiten. Wobei er auch dem Zuschauer Raum zu eigenen Überlegungen lässt. Eine gute Art, Verständnis zu wecken: Man kann den Machern nicht vorwerfen, dass sie es sich bei diesem Thema allzu einfach gemacht hätten.

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