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TV-Kritik: "Das verschwundene Mädchen": Feiner Auftakt

Von Der erste Film aus der neuen Reihe "Solo für Weiss" glänzt nicht nur durch Anna Maria Mühe in der Titelrolle.
Für Zielfahnderin Nora Weiss (Anna Maria Mühe, r.) wird es eng, als sie in der Nacht von einem Unbekannten (Aaron Karl, l.) angegriffen wird. Foto: ZDF und Simon Vogler Für Zielfahnderin Nora Weiss (Anna Maria Mühe, r.) wird es eng, als sie in der Nacht von einem Unbekannten (Aaron Karl, l.) angegriffen wird.
Zwei nackte Füße auf kiesigem Strand als Symbol der Verletzlichkeit. Sie gehören einem jungen Mädchen. Ist es die, für deren Tod der mutmaßliche Kindsmörder Matthias Mattner (Philipp Hochmair) lebenslänglich hinter Gitter soll? Kurz nach Verkündung des Urteils kann Mattner fliehen. Die Umstände sind dabei höchst dubios. Ein Wachmann ist tot. Und kurz danach ein weiteres Mädchen verschwunden: Daina Balodis (Grace Serrano Zameza), das Patenkind der Zielfahnderin Nora Weiss (Anna Maria Mühe)
 
Allmählich decken die Sender mit ihren Krimi-Serien die Landkarte strategisch ab. Die ARD mit ihren Tatort-Teams innerdeutsch und in Wien, dazu kommen Regionalkrimis von Island bis Tel Aviv. Da will das ZDF natürlich nicht zurückstehen: Lübeck spielte bisher zur besten Sendezeit noch keine Rolle, nur als Hintergrund in der ARD-Vorabendserie "Morden im Norden". Dabei hat die Stadt doch nicht nur mit dem berühmten Holstentor, sondern auch mit seinen malerischen Häuserfassaden allerhand zu bieten.


Risse in bürgerlicher Kulisse


Es sind in Lübeck genau diese Art gestrichene Fassaden, die einerseits von geordneter Wohlanständigkeit erzählen und andererseits allerlei Risse im bürgerlichen Gebälk vermuten lassen. Das könnte sogar für Zielfahnderin Nora Weiss selbst gelten: Die lebt in einem Haus am Strand, das für ihre Gehaltsklasse ein wenig zu edel ausfällt. Ihr Vater Rainer (Rainer Bock) scheint als aufopfernd seiner Gemeinde dienender Pfarrer finanziell auch nicht so gestopft, obwohl er für seine Arbeit als Seelsorger sogar einst seine Tochter vernachlässigte.
 
Da scheint noch was im Busch zu sein. Schließlich befindet man sich in einem Krimi, Musik und Kamera stimmen schon gleich zu Beginn kräftig darauf ein. Immer wieder fliegt die Kamera über die Stadt hinweg und filmt die Stadtlandschaft von oben, wie um zu verdeutlichen, dass es der Zielfahnderin Nora Weiss genau andersrum geht: Die verliert schon recht bald den Überblick. Sie macht sich bittere Vorwürfe, denn das Kind – die Tochter ihrer besten Freundin - verschwand, als sie, Nora Weiss, die Aufsicht hatte. Und sie weiß, dass sie besser hätte aufpassen müssen.  

 
Hübsch perfide Drehbuch-Idee

 
Schön ausgedacht ist das. Und dann ist den Machern des Films noch ein schöner Kniff eingefallen: Mattner meldet sich, er hat das Kind tatsächlich entführt und fordert Weiss‘ Hilfe: Sie soll ihm helfen, zu beweisen, dass er kein Mörder ist. Keine leichte Sache, wenn man mit niemandem reden darf. Und der neue Kollege Simon Brandt (Jan Krauter) auch so seine Leichen im Keller hat. Nora Weiss ist also ganz schön gefordert, ebenso wie ihre Darstellerin Anna Maria Mühe. Und das ist auch gut so.
 
Wie die ZDF-Reihe "Stralsund" wird auch die neue Serie "Solo für Weiss" im Wesentlichen von einer starken Frauenfigur und einer ebensolchen Schauspielerin getragen: Im ersteren Fall Katharina Wackernagel als Kommissarin Nina Petersen, hier Anna Maria Mühe. Mühe profitiert von einer gut akzentuierten, aber nicht überprofilierten Figur und einem Drehbuch, dass auf bewährte Zutaten  Tempo, häufigen Ortswechsel und spannende Situationen.
 
Dazu kommt eine Regie, die das recht gut umsetzt, und der feine Einsatz von Musik und Geräuscheffekten. Krimi-Fans wird also was geboten. Den nächsten Film "Die Wahrheit hat viele Gesichter" zeigt der Sender am Mittwoch nach der US-Wahl.

Den Film in der ZDF-Mediathek anschauen.

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