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TV-Kritik: "Das weiße Kaninchen": Film über "Cyber-Grooming"

Von Ein Film über ein überaus heikles Thema: Es geht um "Cyber-Grooming", die Anbahnung sexueller Verbrechen im Internet. "Das weiße Kaninchen" zeigt aber auch, wie schwierig sich die Umsetzung gestaltet.
Ein Beispiel für die Symbolik des Films, angelehnt an Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“: Im virtuellen Raum ist das Kaninchen dem Hund erlegen. Foto: SWR/Andreas Wünschirs Ein Beispiel für die Symbolik des Films, angelehnt an Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“: Im virtuellen Raum ist das Kaninchen dem Hund erlegen.
"Aber die Dinge, die verboten sind, machen doch eigentlich am meisten Spaß" sagt Kevin (Louis Hofmann) sich mit der unerfahrenen 13-jährigen Sara Rost (Lena Urzendowsky) trifft. Und bringt damit gewissermaßen die Thematik des Films schon auf den Punkt: Die Abnabelung von zu Hause und die damit verbundenen Gefahren. Es geht nämlich um Cyber-Grooming, die Anbahnung sexueller Verbrechen im Internet. In einem Chatroom hat Sarah Kevin kennengelernt. Nachdem Kevin freizügige Bilder von ihr hat, fordert er ein explizit pornografisches Video und droht, andererseits die Bilder ins Netz zu stellen.
 
Da trifft es sich gut, dass sie noch einen richtigen Online-Freund hat: den 17-jähriger Benny. Als sie ihn um Hilfe bittet, vermittelt Benny sie an einen Vertrauenslehrer seiner Schule:  Simon Keller (Devid Striesow). Was Sarah noch nicht weiß: Benny und Simon Keller sind ein und dieselbe Person. Keller ist zwar ein auf den ersten Blick vertrauenswürdiger Lehrer und liebenswürdiger Familienvater, aber auch pädophil. Als Simon Sarah missbraucht, spitzt sich die Lage bald dramatisch zu, denn mittlerweile hat auch die Polizei etwas davon mitbekommen.

Ein Pluspunkt: die Besetzung

Ein Krimi, der im Endeffekt Sexualverbrechen an Kindern thematisiert und dabei auch als Warnung verstanden werden will: ein überaus heikles und schwieriges Thema, wenn man noch dazu einen richtigen Thriller produzieren will. Im Prinzip macht „Das weiße Kaninchen“ dabei auch vieles richtig. Zum Beispiel in der Besetzung: Devid Striesow passt schon perfekt auf die Rolle eines zwielichtigen Pädagogen, der einerseits den makellosen Familienvater vorspielt, aber heimlich onaniert, nachdem er jungen Mädchen als Sportlehrer Hilfestellung geleistet hat.  
 
Lena Urzendowsky ergänzt ihn als Sarah perfekt: Gerade wenn der Film sie so ganz beiläufig in die Gedankenwelt junger Mädchen, in ihre Unsicherheit und Verletzlichkeit eintauchen lässt, zeigt sie ihr ganzes Können. Unauffällig, aber wirkungsvoll. Wie auch Louis Hofmann als manipulativer und hochkrimineller Mädchenschwarm. Und gerade zu Beginn kann der Film vor allem durch die Doppelbödigkeit seiner Figuren wirklich fesseln, besonders, wenn Kellers kleine Vergnügungen aufzufliegen drohen.

Am Rand der Parodie

Allerdings war Regisseur Florian Schwarz auch für die höchst umstrittene „Tatort“-Folge „Im Schmerz geboren“ zuständig – und das merkt man im Lauf des Films immer wieder. Die mitunter schon arg plakative Symbolik – siehe das Bild zum Film - gerät manchmal bedrohlich an den Rand zur Parodie.  Manierismen in der Regie erinnern den Zuschauer daran, dass er eben doch nur einen Film sieht, und verstärken die Distanz zum Geschehen.  Dazu kann auch das Drehbuch nicht befriedigen.
 
Statt sich etwa wirklich über die ganze Laufzeit auf das spannende Dreieck Sara Rost – Simon Keller – Kevin einzulassen, bringt die Geschichte noch einen Mord aus der Vergangenheit  ins Spiel, der wie angeklebt wirkt. Hätte die ursprüngliche Geschichte nicht mehr hergegeben? Einer der Beamten zeigt ein leicht manisches Verhalten – und eine schon fast phänomenal zu nennende Kombinationsgabe.  Kellers Mord an ihm am Schluss wirkt wenig glaubhaft: Er musste in dieser Situation damit rechnen, dass umgehend dessen Kollegen auftauchen. Auch der Handlungsverlauf während und direkt nach Sarahs Vergewaltigung ist nicht besonders schlüssig.
 
So fällt der Film am Ende regelrecht auseinander und verliert dabei stark an Wirkung. Der „Tatort“-Krimi „Das verkaufte Lächeln“ aus München bewältigte ein ähnliches Thema wesentlich zielführender und schnörkelloser. Aber immerhin macht „Das weiße Kaninchen“  doch die Gefahren, denen Kinder und Jugendliche im Netz ausgesetzt sind, auch für Laien ziemlich deutlich. Als Einleitung zum Thema „Cyber-Grooming“ eignet er sich darum gut. Im Anschluss folgte ein Gespräch bei Sandra Maischberger zum Thema „Tatort Internet – Ein Spielplatz für Sexualverbrecher?“
 
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