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"Dead Man Working": Leider nur schwach

Als überspitzte Satire und "Banken-Thriller" gedacht, fährt der Film trotz guter Regie sein Thema weitgehend gegen die Wand.
Wie Vater und Sohn: Der Mentor Jochen Walther (Wolfram Koch, links) und sein Schüler Tom Slezak (Benjamin Lillie) sind am Rechnen. Foto: HR/Börres Weiffenbach Wie Vater und Sohn: Der Mentor Jochen Walther (Wolfram Koch, links) und sein Schüler Tom Slezak (Benjamin Lillie) sind am Rechnen.
Soll der Banker den Vampir als Gruselfigur ablösen? Es hat fast den Anschein, wenn man sich "Dead Man Working" zu Gemüte führt. Da fliegt die Kamera um die gläsernen und stählernen Bürotürme in Frankfurts Bankenviertel herum wie einst um die gotischen Schlösser von Dracula & Co, da ersetzt der Geschäftsanzug den rot-schwarzen Umhang und da erscheinen auch die Banker selbst immer ein wenig als Untote ohne eigene Persönlichkeit: Nicht nur als Vampire, sondern schon eher wie die Zombies von George A. Romero.
 
Daran ist nichts Neues. "Die wahren Blutsauger sind nicht tot, obwohl sie verdorben sind, sie halten sich nicht auf Friedhöfen auf, sondern in überaus angenehmen Palästen" schrieb Voltaire bereits 1764. Der berühmte Philosoph mokierte sich über eine damalige Vampir-Hysterie – die noch nichts mit der Schauerromantik späterer Jahrzehnte zu tun hatte – und empfahl, sich lieber mit Börsenspekulanten zu beschäftigen. Eine Leiche gibt es aber wirklich in dem Film: Der tote Mann aus dem Titel ist Jochen Walther (Wolfram Koch).
 

Selbstmord nach Milliarden-Deal

 
Der Banker springt ausgerechnet kurz nach einem erfolgreich eigefädelten Milliarden-Deal mit den Scheichen von Katar in der "Bank der Deutschen" – auf welches Geldhaus die Autoren damit wohl anspielen wollten? – vom Dach. Was der von Walther umfangreich protegierte Tom Slezak (Benjamin Lillie) überhaupt nicht begreift. Hat Walther wirklich Selbstmord begangen oder hat jemand nachgeholfen? Eine Kamera auf dem Dach des Bankhauses, die den Todessprung aufgenommen haben müsste, fehlt jedenfalls.
 
Mangelnde Ambitionen kann man dem Film sicher nicht vorwerfen. Handwerklich ist das gut gemacht. Aber aus einem im Prinzip spannenden Thema auch einen spannenden Film zu machen, ist eine alles andere als leichte Aufgabe. Die Gründe dafür zeigt "Dead Man Working" sehr anschaulich. Obwohl phasenweise und speziell zu Beginn durchaus fesselnd inszeniert, scheitert er am Ende in allen Aspekten. Als Satire auf die Welt der großen Geldes gedacht, kommt der Film erheblich zu zahnlos. Um da halbwegs zu treffen, müsste er an weit höherer Stelle ansetzen.

 

Keine wirklich brandheißen Themen

 
Jochen Walther und Tom Slezak sind aber nur ganz kleine Fische. Die Geschichte, die der Streifen erzählt, ist dennoch viel zu speziell und abgehoben und hat nur wenig mit der Welt eines durchschnittlichen Zuschauers - der Film läuft im Rahmen der Themenwoche "Zukunft der Arbeit" - zu tun. Der normale Arbeitnehmer interessiert sich, wenn es um Banken geht, sicher nur wenig für feindliche Übernahmen, das Londoner Finanzviertel und Scheiche aus Katar. Der will viel lieber wissen, warum er für seine Ersparnisse keine Zinsen mehr bekommt oder ob ihm die Altersarmut droht.
 
Als Krimi, der er ebenfalls sein will, kann der Film schon gar nicht überzeugen. Die Geschichte möchte den Zuschauer zwar auf eine falsche Fährte locken, tut sich aber schwer damit: Nie zweifelt man schon wegen der gezeigten Bilder - das Gesicht von Wolfram Koch ab einem gewissen Zeitpunkt sagt hier schon alles - je ernsthaft daran, dass Walther wirklich Selbstmord begangen hat. Nur ein Mord wäre eine echte Überraschung geworden. Dazu will auch noch der Grund für Walthers Selbstmord nicht einleuchten. Die illustre Besetzung und gute Fotografie können die Mängel der Geschichte nur teilweise wettmachen.
 
Den Film in der Mediathek ansehen

 

 
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