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TV-Kritik: "Dein Name sei Harbinger": Wenigstens die Optik passt

Von Jahrzehnte zurückliegende Fälle um künstliche Befruchtung haben eine Mordserie zur Folge. Die Umsetzung gelang wesentlich besser als die Geschichte selbst.
Hanneke Tietzsche (Almut Zilcher) steht ihrer totkranken Partnerin Irene Wohlleben (Eleonore Weisgerber) bei. Bild: rbb/Gordon Muehle Foto: (rbb Presse & Information) Hanneke Tietzsche (Almut Zilcher) steht ihrer totkranken Partnerin Irene Wohlleben (Eleonore Weisgerber) bei. Bild: rbb/Gordon Muehle

Kommissar Robert Karow scheint sich allmählich zum Schmerzensmann der "Tatort"-Krimis zu entwickeln: Wurde er im vierten Fall "Dunkelfeld" sogar mit einem Eisenrohr traktiert, gerät er in dieser Geschichte an den Psychopathen Werner Lothar (Christoph Bach) alias Harbinger, und der steckt ihn in eine Wanne mit Lauge, fesselt ihn und dann ist da noch jemand, der Karow gerne in Brand stecken möchte und Werner Lothar in seiner Wahnwelt immer wieder bestätigt hat.

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Mit einer verbrannten Leiche beginnt der Krimi, wobei es dieses Motiv schon im Vorgänger "Amour fou" gegeben hat.  Spuren führen zu älteren Fällen ähnlicher Art und zu den beiden Lesben Dr. Irene Wohlleben (Almut Zilcher) und ihrer mittlerweile todkranken Lebensgefährtin Hanneke Tietzsche  (Eleonore Weisgerber). Das Duo hat einst in den 80er Jahren mit In-Vitro-Fertilisation für Schlagzeilen gesorgt und dabei auch Sohn Dr. Stefan Wohlleben (Trystan Pütter) gezeugt – damals ein ganz frühes Retortenbaby.

Grob gezimmertes Lesbenpaar

Der sechste Rubin und Karow-Krimi kombiniert diese Geschichte um künstliche Befruchtung nun mit der Gedanken- und Lebenswelt des Psychos Werner Lothar, und das Ergebnis zündet nur wenig. Schon wie das Drehbuch das Lesbenpaar grobschlächtig als Gott spielende Mediziner darstellt und Kommissarin Rubin entsprechend geschmacklose Bemerkungen in den Mund legt, kann unmöglich überzeugen. Wenigstens zeigt er aber, wie liebevoll Irene Wohlleben mit ihrer sterbenden Partnerin umgeht.

Die Logik hakt dennoch an vielen Stellen, etwa bei der grotesk umständlichen Tatbegehung der Morde, und die Handlung spart auch nicht an Füllmaterial: So ist weder Nina Rubins straffälliger Sohn noch eine junge Frau, die Werner Lothar nachstellt, wirklich nötig. Die Geschichte schraubt ziemlich mühsam Motive und Figuren zusammen, die nicht wirklich zueinander passen wollen, und wirkt auch manchmal etwas lustlos aneinandergeklebt. So besitzt der Drahtzieher hinter Werner Lothar lange Zeit nur wenig Präsenz.

Am besten: Schauspieler und Regie

Ab und an gibt es allerdings gute Szenen, etwa wenn Werner Lothar in der Wohnung der Hospitantin Anna Feil (Carolyn Genzkow)herumhuscht. Neben Christoph Bach in seinem Auftritt als netter Psycho holt auch Carolyn Genzkow als Hospitantin Anna Feil das Maximale aus ihrer Rolle heraus. Aber Regisseur Florian Baxmeyer beweist hier besonders sein visuelles Gespür: Wie er zusammen mit Eva Katharina Bühler hinter der Kamera Berlin und seine U-Bahnen, Hinterhöfe oder eine Fabrikruine eine flimmernd-düstere Schönheit verleiht, grenzt schon ans Geniale.

Diese Optik verleiht dem Film zumindest optisch eine Geschlossenheit, die den mühsam zusammengeschusterten Plot samt dem besonders schrägen Undercover-Einsatz Karows doch noch ganz gut zusammenhält. Als Auseinandersetzung mit dem Thema künstliche Befruchtung ist "Dein Name sei Harbinger" aber gänzlich unbrauchbar.

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