E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

TV-Kritik: "Déjà-vu": Auch bei Hitze im Jackett

Von Der neue Dresdner "Tatort" versucht sich an einer ernsthaften Geschichte um die Jagd auf einen Kindermörder. Leider mit einigen Logiklöchern.
René Zernitz (Benjamin Lillie) arbeitet als Techniker und nutzt das auch, um sich an kleine Jungen heranzumachen.  Bild: MDF/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato Foto: (MDR/HA Kommunikation) René Zernitz (Benjamin Lillie) arbeitet als Techniker und nutzt das auch, um sich an kleine Jungen heranzumachen. Bild: MDF/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato

Am Anfang rennt ein kleiner Junge durch sonnendurchglühtes Gestrüpp. Und gleich danach seine Mutter hysterisch den Namen des Jungen rufend. Schon in den ersten Einstellungen macht der neue Dresdner "Tatort" klar, dass er diesmal auf Witzeleien und Spöttereien von Kommissariatsleiter Peter Schnabel (Martin Brambach) verzichten will. Die haben hier auch keinen Platz: Es geht schließlich um einen Sexmörder, der sich an kleinen Jungen vergeht.

Wer der Mörder ist, weiß der Zuschauer ziemlich bald: Unter anderem ist er daran zu erkennen, dass er ein überschwemmtes Badezimmer hinterlässt. Überhaupt kommt dieser neue Krimi aus Dresden ziemlich heiß und feucht: Das erste Opfer findet sich in einer Tasche im Fluss, der Schweiß fließt in Strömen, später kommt es zu einem heftigen Platzregen und  einmal geht es auch um eine defekte Wasserpumpe.

Der Chef schwitzt im Jackett

Dustin Loose, für den Kurzfilm "Erledigung einer Sache" als Regisseur mit dem Studentenoscar ausgezeichnet, hat sich viel Mühe gegeben, mit Bildern greller Sonne und knalliger Hitze eine möglichst dichte und kochende Spannung zu erzeugen. So richtig schlüssig wirkt das aber leider nicht: Wenn Schnabel derart schweißgebadet ist, dass er sich den Nacken abwischen muss, warum sitzt er dann ohne Not im Jackett an seinem Schreibtisch?

Sendung verpasst? Hier geht es zur Mediathek

Das Konzept der brütenden Hitze zur Steigerung der erzählerischen Dichte erinnert auch an den Dortmunder "Tatort"-Beitrag "Hundstage", der übrigens vor ziemlich genau zwei Jahren über die Bildschirme flimmerte und in dem auch ein einst verschwundener Junge eine Rolle spielte. Was kein Nachteil sein muss - wenn die Details stimmen. Die Nebengeschichten um die Kommissarinnen wirken etwas unschlüssig. Und der Mörder kommt einfach zu kurz.

Mit Knaben zum Hetero-Sex

Wirklich neu dürfte nur das bizarre Verhältnis des Täters mit seiner überdies auffallend attraktiven und femininen Freundin sein. Aber eine Frau, die ihren Freund beim Sex mit Geschichten um zierliche Knaben erregt und dann glaubt, er würde sich ändern? Eine glaubwürdige Tätergeschichte sieht anders aus.

Etwas besser funktioniert da schon der Erzählstrang um den als Täter verdächtigten Schwimmlehrer: Diese Geschichte erzählt viel über Vorverurteilung und vorschnelle Reaktion. Insgesamt kann der neue "Tatort" aus Dresden aber nur eingeschränkt überzeugen: Die Geschichte enthält vor allem wegen der absonderlichen Verbindung des Täters zu seiner Freundin zu viele Logiklöcher. Nur die passende musikalische Untermalung sowie der dramatische Showdown reißt es halbwegs wieder raus.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen