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TV-Kritik: "Der Gutachter – Ein Mord zu viel": Leider überladen

Von Der Montagskrimi gefällt zwar einerseits mit spannenden Verwicklungen. Aber er hat zu viele davon.
Dr. Robert Siedler (Benjamin Sadler) ist sich noch nicht sicher, was er von Rebekka Lorenz (Johanna Polley) halten soll. Foto: ZDF und Hannes Hubach Dr. Robert Siedler (Benjamin Sadler) ist sich noch nicht sicher, was er von Rebekka Lorenz (Johanna Polley) halten soll.
Was für ein Mensch ist der Häftling? Wie wird er sich in Zukunft verhalten? Kann man darauf vertrauen, dass er sich in Zukunft im Griff hat und gesetzeskonform verhält? Das zu beurteilen, ist Aufgabe des Psychiaters  Dr. Robert Siedler (Benjamin Sadler). Und oft ein Vabanque-Spiel: So bei Friedhelm Knecht, einem nach langer Therapie trockenen Alkoholiker, der einst im Vollrausch einen Menschen getötet hat.
 
Dank einer positiven Prognose Siedlers kommt er jetzt in Freiheit. Doch schon bald passiert ein Mord an einer Frau. Knecht gerät unter Verdacht, zudem er sich vor der Polizei versteckt, und Siedler unter massiven Beschuss, vor allem vom Witwer des Opfers. Hat er Knecht zu positiv gesehen? Für Siedler sind das quälende Fragen, gerade jetzt, wo seine hochschwangere Ehefrau Frau Kathrin (Jasmin Gerat) ihn so dringend braucht.

 
Wieder ein Psychiater als Hauptfigur

 
Und er seinen Kopf für einen neuen Fall frei haben möchte: Die Schülerin Scarlett (Johanna Polley), die unter Drogeneinfluss aufgegriffen wurde,  steht im Verdacht, einen Dealer ermordet zu haben. Der Film überschneidet sich vom Konzept her mit den ZDF-Reihen "Spuren des Bösen" und "Neben der Spur", in denen ebenfalls ein Psychiater, der Vorlesungen hält, im Mittelpunkt steht.

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Dennoch ist den Machern mit Dr. Siedler ein neuer Typ gelungen: Siedler hat nichts von der abweisenden Schroffheit Richard Brocks aus "Spuren des Bösen" und erscheint im Vergleich zu Johannes Jessen aus "Neben der Spur" auch weniger doppelbödig und dafür einfühlsamer. Siedler, von Benjamin Sadler mit genau der richtigen Dosis an jugendlichem Schwung gespielt, erscheint weniger als Autoritätsperson, sondern eher als Kumpel.
 

Seelenklempner mit Burnout

 
Womit er Leute aber eben auch dazu bringt, unter Umständen mehr über sich preiszugeben als ursprünglich gewollt – ein glaubwürdig angelegter Typ also. Bei Jessen ist es auch seine Parkinson-Erkrankung, die ihn so verwundbar macht. Bei Siedler liegt der Schwerpunkt diesbezüglich völlig auf seinem Beruf. Dessen Schattenseiten kennt er. So kommt heraus, dass er sich auch einmal gegen einen Burnout hat behandeln lassen.
 
Von den Nebenfiguren kommt leider nur Scarlett halbwegs zum Tragen, die sich in eine komplexe Beschützer- und Lügenbeziehung zu ihrem Bruder verstrickt hat. Das Drehbuch zeigt durch zwei nebeneinander angelgte Handlungsfäden, die sich gegenseitig die Spannung wegnehmen, dramaturgische Schwächen. So hat speziell Wilhelm Knecht bei weitem nicht die Präsenz im Film, die er haben sollte.
 

Michael A. Grimm kommt zu kurz

 
Am Ende ist das besonders bedauerlich, weil es sich einerseits im Prinzip um eine tragische Gestalt handelt: hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, wieder der zivilen Gesellschaft anzugehören, Gewissensbissen und unerfüllbarem Wunsch, eine Frau zu beschützen und zu besitzen. Und weil Michael A. Grimm diesem bulligen und dabei hilflos wirkenden Riesen eindrucksvoll Gestalt verleiht.  
 
 
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