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TV-Kritik: „Der Hafenpastor“: Mit Hitchcock-Anleihe

Von Neuer Ansatz: Der dritte Film um Pfarrer Book versucht auf originelle Art, einen Schuss Humor mit reinzubringen.
Bodo Schüler (Uwe Bohm, li.) verlangt von Pastor Book (Jan Fedder, re.), die Hochzeit seines Sohnes zu verhindern. Foto: NDR/Sandra Hoever Bodo Schüler (Uwe Bohm, li.) verlangt von Pastor Book (Jan Fedder, re.), die Hochzeit seines Sohnes zu verhindern.
Kiez-Pastor Stefan Book (Jan Fedder) zum Dritten: Nach „Der Hafenpastor) und „Der Hafenpastor und das graue Kind) nun „Der Hafenpastor und das Blaue vom Himmel“. Um das Lügen geht es darum aber nur nebenbei. Der Film scheint eher eine Art Neustart der Reihe zu versuchen: Waren die ersten beiden Folgen noch harte und ziemlich realistische Sozialdramen, bringt der dritte Teil erstmals auch einen kräftigen Schuss an Komik und Slapstick mit ins Geschehen.
 
Das geht schon los, wenn gleich zu Beginn der kriminelle Maik (Laurenz Lerch) den VW-Bus der Pfarrgemeinde stiehlt und kurz danach von Books Schwester Rita (Marie-Lou Sellem) und deren Kollegen Hanno erwischt wird. Da er beim Fluchtversuch den Bus stark beschädigt hat, muss er nun zusammen mit Küster Eddie (Tim Grobe) das Fahrzeug wieder herrichten. Es wird für eine geplante Hochzeit gebraucht, und die ist das eigentliche Thema des Films. 
 

Das Hitchcock-Motiv

 
Die Brautleute sind Ritas Kollege Hanno (Matthias Weidenhöfer) und dessen Freundin Ina (Verena Altenberger). Aber die sollen gar nicht heiraten, wenn es nach Pastor Book geht. Bei dem hat sich nämlich Kiez-Größe Bodo Schüler (Uwe Bohm) gemeldet, Hannos Vater. Der ist auch der uneheliche Vater von Ina – und die Brautleute sind damit Halbgeschwister. Doch er selbst will es denn Brautleuten nicht sagen, da er sonst jahrelange Unterhaltskosten vom Amt wieder zurückerstatten müsste, und Book darf es nicht sagen – das Beichtgeheimnis.

Hier sehen Sie den ganzen Film
 
Ein altes und erprobtes Krimi-Motiv, dass vermutlich kein Geringerer als Alfred Hitchcock mit „Ich beichte“ erstmals auf die Leinwand gebracht hatte. Krimi-Fans dürften sich auch noch an "Auf den Schwingen des Todes" mit Mickey Rourke erinnern, der den Roman "Die Mordbeichte" von Jack Higgins zur Vorlage hatte. Zusammen mit dem „Verbotene Liebe“-Motiv wirkt das auch recht vergnüglich, zumal Book – bis dahin als äußerst liberal bekannt – plötzlich strenge Enthaltsamkeit vor der Ehe predigt.
 

Idee nicht ausgereizt

 
Insgesamt hätte man aus der schönen Grundidee aber noch etwas mehr herausholen können, zumal Book mit der jungen Pastorin und Stellvertreterin Anke Bertram (Anna Brüggemann) auch eine eindrucksvolle gegenspielerin bekommen hat. 
Mitunter wirkt die Handlung auch ein wenig unentschlossen, wenn es darum geht, Books Freundin Sabine (Margarita Broich) noch glaubwürdig in den Plot einzubauen. Die darf sich jetzt mit Erfolg für ein Projekt der Entwicklungshilfe in Sri Lanka bewerben und will gar Pastor Book dazu überreden, mitzukommen.
 
Der Ur-Hamburger und kränliche Hafenpastor als Seelsorger auf Sri Lanka? Sonderlich glaubwürdig ist das weder für Sabine noch für ihn. Besser wäre es gewesen, sie in die Hauptgeschichte mit einzubinden, zumal Margarita Broich eine glänzende Schauspielerin ist. Recht achtbar schlagen sich Weidenhöfer und Altenberger, zumal durch eher flach angelegte Rolle des verliebten Paares keiner von beiden schauspielerisch besondere Akzente setzen kann. Das Drehbuch hat ihnen dafür jedoch einige Möglichkeiten geboren, den Zuschauer durch körperliche Leistungen zu beeindrucken – Weidenhöfer als Polizist auf der Jagd nach Maik, Altenberger als Tänzerin im Kiez-Schuppen ihres Vaters.
 
Auch Bohm agiert wieder souverän als Kiez-Boss. Die sonst üblichen Milieu-Studien fallen nur diesmal komplett unter den Tisch. Selbst St. Pauli erscheint diesmal weniger trüb als sonst, weswegen das Ganze auch weniger reißerisch rüberkommt als die Vorgänger. Noch bedauerlicher ist jedoch, dass sich Sabine abgesetzt hat: War’s das jetzt mit der doch recht netten Reihe? Mal abwarten und Zuschauer zählen. In dem Konzept steckt noch jede Mange Potential.
 
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