Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
1 Kommentar

TV-Kritik zum Dresden-"Tatort": "Der König der Gosse": Haushoch besser

Von Na also, geht doch: Der zweite Krimi um das neue Dresdner "Tatort"-Team überzeugt auch durch intelligente Handlung.
Kommissar Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) ist überrascht, wie wenig sich (Urs Ucker ) für das Schicksal seines Bruders interessiert. Foto: MDR/Gordon Mühle Kommissar Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) ist überrascht, wie wenig sich (Urs Ucker ) für das Schicksal seines Bruders interessiert.
Langweilig, dümmlich, klischeehaft über jede Schmerzgrenze hinaus und ansonsten platt und unglaubwürdig: "Auf einen Schlag", der erste Dresden-"Tatort" mit dem neuen Team um das Ermittler-Trio Henni Sieland (Alwara Höfels), Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Maria Magdalena Mohr (Jella Haase) war echt eine Folter, nicht nur für Krimi-Fans. Nur der Tod der jungen und unerfahrenen Beamtin Mohr am Ende kam unerwartet und setzte einen so heftigen Schockeffekt, dass es den Film noch knapp davor bewahrte, der mieseste "Tatort"  der letzten Saison zu werden. Diese Ehre gebührt dem Freiburger Beitrag "Fünf Minuten Himmel" mit Heike Makatsch.
 
Aber die Macher haben sich diesmal wohl ernsthaft am Riemen gerissen. Im Mittelpunkt stehen diesmal die drei Obdachlosen Eumel (Alexander Hörbe), Platte (David Bredin) und Hansi (Arved Birnbaum), die sich der wohlhabende Hans-Martin Taubert (Michael Sideris) als Leibwache hielt. Taubert betrieb ein Unternehmen, das Obdachlosen ein Dach über dem Kopf bieten sollte, und verdiente wohl recht gut dabei. Schließlich sehen seine drei Leibwächter, dass ihr Wohltäter von einer Brücke gestürzt wird. Er bleibt schwer verletzt liegen.

Schwieriges Verhältnis zum eigenen Bruder

Bei näheren Nachforschungen stellt sich aber heraus, dass Taubert jede Menge drohender Mails erhielt. Sie könnten von seinem Konkurrenten Gerald Schleibusch (Stephan Baumecker) gekommen sein. Doch in der Zwischenzeit hat Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) eine besonders bizarre Begegnung: Hajo Taubert (Urs Jucker), Hans-Martins Bruder, der völlig teilnahmslos reagiert, als er ihn über seinen schwer verletzten Bruder informieren will. Später stellt sich heraus: Hajo hatte sich von seinem Bruder Geld geliehen, das dieser zurückhaben wollte.

Tatort verpasst? Jetzt in der ARD-Mediathek ansehen!

Ein Mordmotiv? Oder ist doch etwas dran an der Geschichte der drei Obdachlosen, dass es an dem Abend vor dem Sturz Taubers von der Brücke in einem italienischen Restaurant einen mysteriösen Mann mit auffallender Tätowierung gegeben hat? Offensichtlich sagen nicht einige nicht die Wahrheit. Während die Ermittler noch versuchen, sich in den vielen Geschichten und Behauptungen zurechtzufinden, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Und dann taucht noch eine brisante neue Spur auf. Hatten die Obdachlosen selbst was mit dem Sturz zu tun?

Gewitzt verschachtelte Handlung

Ausgehend von dem Trio entwickelt sich eine düstere Handlung, die ihre Handlungsteile intelligent miteinander verschränkt und in der es von spöttischen Andeutungen und bösem Humor nur so wimmelt. Der scheinbare Wohltäter hatte möglicherweise für seinen leiblichen Bruder nicht viel übrig, obwohl er dem viel verdankte. Schleibusch organisiert Aufführungen von John Gays "Bettleroper". Schnabel darf zwischendrin mal etwas Gefühl zeigen, als er mit Wiebke Lohkamp (Jule Böwe) aus dem Betrugsdezernat seine Polizistinnen unterstützen will – was dem Duo überhaupt nicht passt.

Bilderstrecke "Tatort": TV-Kommissare in Hessen
Elf Ermittler haben in den hessischen "Tatort"-Produktionen schon Kriminelle dingfest gemacht. Die erste hessische Folge wurde 1971 ausgestrahlt. Im Oktober 2014 ist wieder eine hessische Folge dran (Szenenbild aus "Im Schmerz geboren" mit Ulrich Tukur und Barbara Philipp). Kennen Sie noch die Ermittler Konrad oder Rolfs? Foto: HR/Philip SichlerDie erste "Tatort"-Folge mit Ulrich Tukur als Ermittler Felix Murot wurde anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des "Tatorts" am 28.11.2010 ausgestrahlt. Er spielt einen LKA-Beamten, der die Frau, die zu ihm passt, weder gesucht noch gefunden hat. Mit dem Film "'Tatort': Im Schmerz geboren" (Sendedatum: 12.10.2014) stellt Tukur einen neuen Leichen-Rekord auf. 47 Menschen finden in dem Film den Tod. Foto: HR/Philip SichlerErst gab Schauspielerin Nina Kunzendorf ihre Rolle als Kommissarin Conny Mey im "Tatort" des Hessischen Rundfunks nach nur fünf Einsätzen auf, dann folgte ihr auch Partner Joachim Krol, der Kommissar Frank Steier spielte. Die beiden waren als Team vom 08.05.2011 bis 14.04.2013 im Einsatz. Fünf Filme gibt es vom Duo Steier und Mey. Vorgänger... Foto: Malte Christians/dpa

Und die drei Obdachlosen fühlen sich sichtbar wohl in ihrer Rolle als Tauberts "Security", was das Trio recht glaubwürdig agieren lässt – viel besser jedenfalls als ihre Kollegen in dem "Tatort"-Beitrag "Côte d’Azur" vom Bodensee. Anders als vergleichbare "Tatort"-Filme unternimmt "Der König der Gosse" zudem den Versuch, die Privatgeschichten um die Polizei in die Haupthandlung mit einzuflechten. Mitunter hapert es dabei auch mal kräftig mit der Logik – so will etwa nicht recht einleuchten, warum das Trio den Mann mit der Tätowierung bei der Gegenüberstellung nicht identifiziert -  aber insgesamt ist dieser Film dem misslungenen Erstling in jeder Beziehung haushoch überlegen. Die Richtung stimmt jedenfalls.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse