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TV-Kritik: "Der König von Berlin": Der König war ein Rattenkönig

Von Der Streifen verarbeitet und veralbert Krimi- und Horrorzitate gleich massenweise. Allerdings nicht so elegant, wie das wünschenswert wäre.
Kammerjäger Toni Matthes (Marc Hosemann) untersucht, warum die Ratte gegen das Gift resistent ist. Foto: rbb/ARD Degeto/Julia Terjung Kammerjäger Toni Matthes (Marc Hosemann) untersucht, warum die Ratte gegen das Gift resistent ist.
Einfach hat es Kommissar Carsten Lanner (Florian Lukas) nicht in Berlin. Der Kommissar stammt eigentlich aus Cloppenburg und weilt zu Fortbildungszwecken in der Hauptstadt. Und dort machen ihm die Kollegen mitunter mehr zu schaffen als die Verbrecher. Was schon deutlich wird, als er mit Schutzanzug die Leiche des Firmenchefs Erwin Machalik (Carl Heinz Choynski) sorgfältig untersucht und nur Hohn und Spott von seinen Kollegen erntet.
 
Dort gibt es am Selbstmord Machaliks keinen Zweifel – hält der Tote doch den Revolver noch in der Hand. Lanner hat es aber nicht nur schwer mit der Behauptung, der Tote könnte dennoch ermordet worden sein. Er landet mit übervoller Blase in einer Konferenz, wird auf der Toilette von einem Kollegen attackiert, so dass er sich einnässt, bekommt eine schimmelige Besenkammer als Büro zugewiesen oder poltert eine Treppe herunter. Der kundige Zuschauer werkt also schnell, dass er einen nahen Verwandten von Blake Edwards' Inspektor Jacques Clouseau in Aktion sieht.

Sehr schön: Musik und Vorspann

An "Der rosarote Panther" erinnert auch die von Christoph M. Kaiser und Julian Maas komponierte Filmmusik und der für einen deutschen TV-Film bemerkenswert liebevoll gestaltete Vorspann. Der Rest des Films klaut seinen Plot zudem kräftig aus allerlei Kriminal- und Horrorfilmen zusammen: Im Wesentlichen geht es dabei darum, dass der Tote, ein mächtiger Schädlingsbekämpfer, an einer gigantischen Verschwörung beteiligt war. Dabei wurde die Stadt Berlin mit speziell gezüchteten Ratten erpresst.

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Wer denkt da nicht an „Willard“, im Original von 1972 der erste Ratten-Horrorfilm überhaupt? Wenn Lanner mit seiner übermotivierten Kollegin Carola Rimschow (Anna Fischer) und Kammerjäger Toni Matthes (Marc Hosemann)in der Kanalisation Berlins auf Suche geht, kommen zudem Erinnerungen an "Der dritte Mann", "Liebesgrüße aus Moskau" und "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" wach. Ach, und klingt der Name des Kommissars Carsten Lanner nicht auch sehr ähnlich wie der von "Tatort"-Fahnder Thorsten Lannert?

Klamauk statt Komödie

Die Zusammenstellung der Handlung nach dem gleichnamigen Roman von Horst Evers ist nicht übel gelungen. Allerdings sind die Gags darin von sehr unterschiedlicher Qualität. Dass Anna Fischer als kurzsichtige Verkehrsteilnehmerin etwa ein Plakat mit einer Ampel mit einer echten Ampel verwechselt, ist zwar eine hübsche Anspielung an die Zeichentrick-Figur Mr.  Magoo. Allerdings muss Anna Fischer in vielen ihrer Szenen ("Bäng!") derart überzogen agieren, dass ihre Figur schnell anfängt zu nerven.
 
Die Besetzung an sich macht zwar einiges wett: Besonders Florian Lukas fängt mit seinem zurückgenommenen und gottergebenen Spiel viele Schwächen auf. In den Nebenrollen sorgen Charaktertypen wie Hendrik Arnst für die nötige Stimmung. Allerdings leidet der Film merklich darunter, dass er sich keine Sekunde lang ernst nimmt. Statt einer eleganten Thriller-Komödie im Stil von "Charade" oder André Hunebelles erstem "Fantomas"-Film von 1964 – was die Story durchaus hergegeben hätte - ist deswegen ein oft grobschlächtiger Klamauk dabei herausgekommen.
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