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TV-Kritik: "Der Mann, der Udo Jürgens ist": Das intime Portrait

Von Mit dieser vielschichtigen Dokumentation gelang den Machern ein faszinierendes Bild des großen Entertainers.
Wie lange wird Jürgens wohl noch auf der Bühne stehen? Als mittlerweile Achtzigjähriger macht er sich viele Gedanken über diese Frage.  Bild: WDR/C-Films/Sven Kiesche Foto: (WDR Presse und Information/Bildk) Wie lange wird Jürgens wohl noch auf der Bühne stehen? Als mittlerweile Achtzigjähriger macht er sich viele Gedanken über diese Frage. Bild: WDR/C-Films/Sven Kiesche
Er ist als Texter und Sänger einer der großen Entertainer unserer Zeit: Udo Jürgens. Heute wird er 80 Jahre alt, steht seit 60 Jahren auf der Bühne und ist immer noch ein Topstar. Für ein sehr persönliches Portrait haben ihn die Filmemacher Hanns-Bruno Kammertöns und Michael Wech mit der Kamera begleitet. Sie filmten ihn bei seinen Auftritten vor ausverkauften Hallen, zeigten ihn aber auch in nachdenklichen Momenten und ließen Familienmitglieder wie seinen John, Tochter Jenny oder auch andere Promis wie Hape Kerkeling oder Iris Berben über ihn zu Wort kommen.

Konzerte geben ihm den Kick

Der Mann ist ein Phänomen: Acht Jahrzehnte in den Knochen, blendend aussehend und immer noch ein Publikumsmagnet ersten Ranges. Wenn er singt, fühlen sich selbst Frauen weit jenseits der 50 wieder wie Teenager: Es hält sie nicht auf den Sitzen, sie stehen lieber und klatschen und wippen im Takt seiner Musik. Und Jürgens gibt offen zu, dass er dieses Gefühl sehr liebt: Dass er sich dabei wie ein Fußballer fühlt, der eben ein Spiel gewonnen hat und dass er da auch nach langen Auftritten keine Müdigkeit verspürt.

Abschiedslieder mit 45

Wie macht er das? "Er hat den Soundtrack zur Bundesrepublik Deutschland geschrieben", so urteilt Hape Kerkeling über ihn. Es ist wohl die Kombination aus musikalischem Talent und einen sehr sensiblen Gespür für Themen, die in der Luft liegen. Er hat schmissige Hits wie "Mit 66 Jahren" gemacht, aber auch Leises, Nachdenkliches und Melancholisches. Und verbirgt diese Seiten seiner Persönlichkeit auch in dem Film nicht. Seine besten Abschiedslieder habe er mit 45 Jahren geschrieben, urteilt er rückblickend.

Aufgewachsen auf einem Schloss

Auch der Film blickt auf Jürgens Leben und Karriere zurück. Schwarzweiß-Aufnahmen aus den sechziger Jahren lassen die Jahre seines Aufstiegs wieder lebendig werden. Er begeistert Kollegen wie Shirley Bassay ("Goldfinger") und Sammy Davis Jr. und stürmt sogar in Ostasien die Charts. Und bereits als Kind flogen ihm die Herzen zu, wenn er Musik machte. Jürgens stammt aus großbürgerlichen Verhältnissen: Stimmungsvolle Aufnahmen führen zum elterlichen Schloss Ottmanach nahe Klagenfurt im österreichischen Kärnten.

Keine ungetrübte Kindheit

Jürgens verlebte eine Kindheit wie aus dem Bilderbuch (so auch der Kommentar im Film), aber sie war nicht ungetrübt: Laut seinem Bruder Manfred war häufig krank. Musik war für ihn auch ein Weg, Anerkennung zu finden. Für die Texte seiner Lieder lässt sich Jürgens später unter anderem auch von dem kürzlich verstorbenen Joachim Fuchsberger helfen ("Was ich dir sagen will"). Wenn man Jürgens auf seinen frühen Auftritten sieht, wundert man sich, wie wenig er sich optisch seit dieser Zeit verändert hat.

Ein Mann, der die Frauen liebte

Jürgens wird von Frauen angehimmelt und kann ihrer Anziehungskraft oft nicht widerstehen. Sein Ehe mit dem früheren Fotomodell Erika Meier leidet massiv darunter, was er heute auch durchaus selbstkritisch sieht. Wenn er Treue nicht nur als Frage des Charakters, sondern auch als Frage der Gelegenheit sieht, klingt das zunächst nach einer Ausrede. Es dürfte allerdings durchaus einen wahren Kern enthalten.

Mit "Der Mann, der Udo Jürgens ist" gelang den Machern eine höchst spannende Dokumentation, die auch kontroverse Seiten von Udo Jürgens nicht ausspart. Man muss keineswegs ein Fan von Udo Jürgens sein, um den Film hervorragend zu finden. Er ist noch bis 6.Oktober in der ARD-Mediathek zu sehen. Sehr empfehlenswert!

 
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