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TV-Kritik: "Der Mensch von morgen": Bemerkenswert locker

Von Muss eine Sendung über das Thema Evolution unbedingt wissenschaftlich-trocken daherkommen? Absolut nicht, wie diese Sendung beweist.
Evolutionsbiologen beschäftigen sich nicht nur mit der Geschichte des Menschen, sondern auch mit seiner Zukunft. Foto: SWR Evolutionsbiologen beschäftigen sich nicht nur mit der Geschichte des Menschen, sondern auch mit seiner Zukunft.
Wer ist die Krone der Schöpfung: Der Mensch in Gestalt des Homo Sapiens, eigener Einschätzung zufolge. Doch aus was und wie genau hat er sich dahin entwickelt? Und ist die Evolution jetzt damit wirklich abgeschlossen oder kommt da noch was? Eine Frage, über die sich trefflich streiten lässt und über die zwischen Kreationisten und Vertretern der Evolutionstheorie ja auch seit langem viel und heftig gestritten wird.

Tom Theunissen, bekannt unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Komiker Olli Dittrich ("Schorsch Aigner – Der Mann, der Franz Beckenbauer war"), hat sich auch so seine Gedanken zum Thema Evolution gemacht und diesen knapp einstündigen Film darüber geschaffen. Herausgekommen ist dabei natürlich keine streng wissenschaftliche Abhandlung, sondern eher ein ausgiebiger filmischer Essay.

Wie Theunissen Neugier weckt

Ein Essay, in dem Theunissen das Thema auch nicht immer nur von der bierernsten Seite her betrachtet. Und in dem sich auch Laien nicht anhand einer Überfülle medizinischer Fachausdrücke überfordert fühlen müssen. Im Gegenteil: Selbst wer sich etwa anhand all der Reagenzgläser in einer Fischzuchtstation unangenehm an den Unterricht in Chemie und Biologie in seiner Schulzeit erinnert fühlt, verspürt bald eine gewisse Neugier auf das Thema.

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Professor Claus Wedekind, Evolutionsbiologe der Universität Lausanne fasst das Thema seiner Forschung knapp und präzise zusammen: "Wir wollen die Bedeutung der sexuellen Selektion verstehen". Dabei zeigen sich die Erkenntnisse der Fisch-Forschung aber nur sehr eingeschränkt auf den Menschen übertragbar. Beim Menschen wird die Situation komplizierter, weil biologische und kulturelle Evolution zusammenspielen.

Kulturelle und biologische Evolution

So sind Menschen nicht mehr Teil der Nahrungskette, in der sie früher etwa einem Raubtier zum Opfer gefallen sind. Kulturelle Evolution basiert auf der Verknüpfung von Ideen. Wedekinds Kollegen wie der Anthropologe Jean-Jacques Hublin im Leipziger Max-Plank-Institut für evolutionäre Anthropologie oder die Evolutionsmedizinerin Dr. Luzie Verbeek ergänzen das Bild der Evolution mit eigenen Ideen und Forschungsergebnissen.

Dazwischen hat Theunissen immer wieder Nahaufnahmen von Gesichtern früherer Menschenarten oder Totenschädeln aus allen Perspektiven geschnitten. Besonders bei Letzteren fühlt man sich manchmal an die berühmte Szene aus Shakespeares „Hamlet“ erinnert, in welcher der Titelheld mit dem Kopf seines Vaters in der Hand über das Leben sinniert

Welche Funktion haben Krankheiten?

Ähnliche Fragen, bezogen unter anderem auf schwere Krankheiten und Epidemien als mögliche Selektionsmechanismen, macht sich auch Theunissen. Er bleibt dabei aber im Ton stets locker-entspannt und lässt zwischen seinen Ausführungen auch Liedermacher Tom Liwa mit einem „Evolution Blues“ zu Wort kommen. Auch so lässt sich Wissenschaft im TV präsentieren: ganz unprätentiös.
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