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TV-Kritik: "Der Tod und das Mädchen": Am Ende bleibt nur Schrott

Das war nichts: Wie ein Krimi durch eine starke Ausgangslage Hochspannung erzeugt und seine Geschichte anschließend komplett in den Sand setzt.
Können Van Leeuwen (Peter Haber, Mi.) und seine Kollegen Anton Gallo (Marcel Hensema, li.) und Tess (Laura de Boer, re.) den verschwundenen Piet Martens noch rechtzeitig finden? Foto: ZDF/Joe Vots Können Van Leeuwen (Peter Haber, Mi.) und seine Kollegen Anton Gallo (Marcel Hensema, li.) und Tess (Laura de Boer, re.) den verschwundenen Piet Martens noch rechtzeitig finden?
"Aufhören! Runter, verdammt!" Eine fröhliche Balgerei mit Kindern im Sportunterricht wird für Vicky (Katharina Lorenz) unversehens zur traumatischen Erfahrung: Dreißig Jahre zuvor wurde sie vergewaltigt, und als sie von den Kindern am Boden festgehalten wird, weckt das schreckliche Erinnerungen an die Tat. Aber auch die Polizei und Kommissar Bruno van Leeuwen (Pter Haber) haben die Tat nicht vergessen.

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Durch neueste DNA-Entschlüsselungsmethoden haben sie jetzt den Täter doch noch gefunden: Piet Martens (Bruno Cathomas), einen Nachbarn von Vicky und ihren Eltern. Die Polizei kann die Tat aber nicht weiter verfolgen: Zwar verjähren Sexualstraftaten von derartiger Schwere seit einer Strafrechtsreform nicht mehr. Aber die Martens‘ Tat war schon vor der Reform verjährt: Martens könnte das Polizeipräsidium als freier Mann verlassen. 
 

Das Opfer wird zur Täterin

Vicky stürzt sich aber auf ihn und schlägt mit einer Flasche auf ihn ein – ein Ausraster, den sie teuer bezahlen muss. Sie kommt vor Gericht und wird wegen Körperverletzung verurteilt. Noch dazu kann sie nun als Vorbestrafte nicht mehr verbeamtet werden, so dass sie auch die ersehnte Arbeit als Lehrerin nicht mehr antreten kann. Bis zu diesem Moment funktioniert der dritte Krimi um Kommissar van Leeuwen noch richtig gut.
 
Nicole Armbruster (Drehbuch) hat eine Ausgangslage ersonnen, die den Zuschauer mitten in die verzweifelte Situation Vickys hineinzieht. Das Opfer wird zur Täterin gemacht und vermittelt dadurch ein beklemmendes Gefühl von Hilflosigkeit. Eigentlich eine perfekte Thriller-Situation, zumal Katharina Lorenz ihre Rolle mit eindrucksvoll physischer Intensität verkörpert. Zugleich baut das Drehbuch in Piet Martens Familie mit dessen heranwachsendem Sohn Nils (Mats Thiersch), der zu seinem Vater hält, noch eine starke Gegenposition auf.

Zu viel Drumherum

Ausgerechnet in der Kirche während einer feierlichen Messe verhaftet die Polizei Piet Martens, und von da an zeigt sich die Familie des Jungen als Trümmerhaufen. Regisseur Hans Steinbichler zeigt  in seiner Inszenierung einige Experimentierfreude: Er arbeitet mit assoziativer Bildsprache, Geräuschen und eingeblendeten Erinnerungsfetzen oder lässt Filmsequenzen rückwärts ablaufen, um die Gedanken der Figuren deutlich zu machen.
 
Nur übertreibt er dabei, weil er durch solche Extravaganzen eher Distanz zum Geschehen erzeugt: Der Zuschauer erinnert sich durch solche Manierismen immer wieder daran, dass er nur einen Film sieht. Aber das ist noch nicht das größte Manko des Films. Gegen Ende entwickelt sich die Geschichte, die so vielversprechend begonnen hat, nämlich komplett zum Abstrusen hin. Besonders, wenn sich herausstellt, das Vicky ihren Vergewaltiger von Anfang an erkannt, ihn aber nicht an die Polizei verraten hat.

Erst stirbt die Logik, dann die Spannung

Diese Wendung ist nicht nur grotesk unglaubwürdig, sie raubt auch dem Anfang der Geschichte jede Logik. Vickys Verhalten erscheint im Rückblick nur noch schwachsinnig, und das gilt auch für den Rest des Films. In langen Einstellungen entlockt Steinbichler seinen Schauspielern ständig neue wimmernde Gefühlregungen und Tränenausbrüche, ohne dass das im Endeffekt auch nur einen Hauch von Sinn ergeben will.
 
Die Schauspieler tun zwar ihr Bestes, können den Krimi aber auch nicht mehr retten. Am Ende stehen nur noch Fragen im Raum. Der Film kommt rüber, als hätte Steinbichler auch selbst nicht so ganz nachvollziehen können, was er da eigentlich dreht.
 
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