Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
1 Kommentar

TV-Kritik: Der Tote im Westfjord“: Hollywood als Dreingabe

Von Außer durch gut durchdachte Handlung und eindrucksvolles Lokalkolorit punktet der Film mit seiner prominent besetzten Hauptrolle.
Solveig Karlsdóttir (Franka Potente) weiß, dass ihre alternde Mutter Margrét (Hildegard Schmahl) alleine nicht mehr zurecht kommt. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Solveig Karlsdóttir (Franka Potente) weiß, dass ihre alternde Mutter Margrét (Hildegard Schmahl) alleine nicht mehr zurecht kommt.
Warum sind Krimis aus Nordeuropa nur so beliebt? Es liegt die Vermutung nahe, dass die Landschaft dabei eine wichtige Rolle spielt. Wo es grau und kalt ist, mächtige Felsen ins Meer abfallen, Möwen durch die Lüfte ziehen und schneidende Winde wehen, da sorgt eben alleine schon die raue Gegend für einen Schuss Dramatik. Zumal das oft auch ein wenig lebensfeindlich und unheimlich wirkt, wenn die Leute in dicke Mäntel verpackt herumlaufen. Deswegen machen nun auch die Lokalkrimis der ARD nach dem letzten Schauplatz Kroatien einen gewaltigen Sprung nach Norden, wo die Umgebung aussieht wie aus einem Nightwish-Video.
 
Neben dem Handlungsort Island sorgt hier schon der Name der Hauptdarstellerin für große Erwartungen. Denn die heißt Franka Potente und die kennt man außer aus „Lola Rennt“ auch noch aus diversen Hollywood-Filmen („Bourne“). Ihre Rolle klingt zudem mal nach etwas Neuem: Solveig Karlsdóttir ist keine Polizistin, sondern sie schreibt Kriminalromane. Was streng betrachtet so neu nicht ist: Schon Serienheld Jason King war Krimi-Autor und der Schriftsteller Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“) betätigte sich vor seiner literarischen Laufbahn sogar tatsächlich als Detektiv. Aber zumindest war so was schon länger nicht mehr da.
 

Die Mutter, die Elfen sieht

 
Der Zuschauer merkt schnell: Solveig Karlsdóttir ist eine Frau, die nach eigenen Regeln lebt. Einen sichtlich jüngeren One-Night-Stand setzt sie halbnackt auf die Straße, und sie zeigt sich neugierig bis zur Impertinenz. Man kann sich vorstellen, wie sie früher in dem Ort angeeckt ist, in dem sie aufwuchs. Dort muss sie sich um ihre Mutter Margrét (Hildegard Schmahl) kümmern, die allmählich ihre Erinnerung verliert. Oder hat sie das zweite Gesicht? Sie erzählt von Elfen, und auch Solveig erblickt gelegentlich ihre als Kind verstorbene Schwester.
 
In einer anderen Gegend würde sowas befremdlich wirken, aber auf Island erscheint das normal. Eine Menge Lokalkolorit und sogar einen Schuss Esoterik hat die Degeto also in den Island-Krimi hineingepackt. Schon während des Vorspanns gibt es jede Menge Nebel, Rauch von Vulkanen und mystische Stimmung. Daran gemessen verläuft die eigentliche Krimi-Handlung im konventionellen Rahmen: Es geht um einen Mord an dem Besitzer einer Fischfabrik. Er soll betrunken ins Wasser gefallen und ertrunken sein. Eine mit Solveig befreundete Pathologin stellt allerdings fest, dass der Mann stocknüchtern war.

Qualität durch Sozialkritik

 
Solveig hatte zudem einen Streit beobachtet. Und der Besitzer wollte die Fabrik verkaufen, was den gesamten Ort in schwere wirtschaftliche Bedrängnis gebracht hätte. Solveig bringt dabei nicht nur die Ermittlungen durcheinander, sondern auch ihre Jugendliebe Binni (Felix Klare) in Bedrängnis, als es einen zweiten Toten gibt und Binni unter Mordverdacht gerät. Insgesamt ist es auch durch die Sozialkritik darin eine sehr ordentliche  Handlung geworden, zumal besonders der doppeldeutige Schluss – ist der am Ende enttarnte Mörder wirklich der Täter oder nimmt er nur die Schuld für jemand anders die Schuld auf sich? - einen guten Eindruck hinterlässt.
 
Franka Potente spielt die Solveig mit angemessener Schnoddrigkeit und kann dabei im Umgang mit ihrer gebrechlichen Mutter auch die weiche Seite ihrer Filmfigur gut zur Geltung bringen. US-Schauspieler Derek Richardson, im richtigen Leben Potentes Ehemann, verkörpert Solveigs jüngeren Bruder Árni. Nächsten Donnerstag geht es weiter mit Solveig Karlsdóttir: in „Tod der Elfenfrau“.


Den ganzen Krimi gibt es hier
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse