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TV-Kritik: "Der Tote in der Brandung": Showdown im Hauruck-Verfahren

Von Die neue ARD-Krimireihe spielt in Lissabon. Schauspieler und Schauplatz funktionieren dabei allerdings besser als die halbgare Geschichte.
Ein Anwaltsduo ermittelt: Eduardo Silva (Jürgen Tarrach) und Assistentin Marcia Amaya (Vidina Popov). Bild: ARD Degeto/Armando Claro Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Ein Anwaltsduo ermittelt: Eduardo Silva (Jürgen Tarrach) und Assistentin Marcia Amaya (Vidina Popov). Bild: ARD Degeto/Armando Claro

Bis nach Barcelona ist die ARD in ihren Donnerstag-Städtekrimis schon vorgedrungen. Da ist es nach Lissabon, auf der anderen Seite der iberischen Halbinsel gelegen, mit rund 1250 Kilometern Entfernung ja nicht mehr allzu weit. Als Krimi-Metropole präsentiert sich die Hautstadt Portugals noch unverbraucht: Dass auch Bella Block im ZDF dort mal in einem ihrer späteren Fälle ermittelte – in "Für immer und immer" – ist schon weitgehend vergessen.

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Der Held diesmal: kein Kommissar, sondern ein Staatsanwalt. Eduardo Silva steht aber nicht mehr im Dienst, den er aus bisher nicht eindeutig identifizierbaren Gründen niedergelegt hat. Irgendetwas mit Misshandlung eines Verdächtigen und so. Er ist außerdem Witwer, das Verhältnis zu seiner Tochter dürfte zerrüttet sein. Jetzt wohnt er in einer kleinen Pension und arbeitet als Pflichtverteidiger. Wobei er das Gesetz bei seinen Nachforschungen eher nonchalant betrachtet.

Ein Toter mit Vergangenheit

So bei Joana Soares (Alexandra Gottschlich), die unter Verdacht steht, ihren Ehemann- den besagten Toten in der Brandung aus dem Titel - ermordet zu haben.  Wozu freilich begründete Verdachtsmomente bestehen: Die junge Frau leidet unter extremen Stimmungsschwankungen, und ihr Mann betrog sie mit einer attraktiven Clubtänzerin. Allerdings hatte der Tote nebenher noch ein paar höchst dubiose Geschäfte laufen.

Unterstützung erfährt Silva durch Marcia Amaya (Vidina Popov), die Nichte eines Schachfreundes. Eine Juristin mit besten Zeugnissen, die aber einer Roma-Familie angehört und deswegen keine Arbeit bekommt. Das Vater-Tochter-ähnliche Verhältnis zwischen Silva und ihr gehört auf jeden Fall schon mal zu den Stärken des Krimis. Zumal Tarrach den abgehalfterten Anwalt nicht hart und verbittert spielt, sondern eher mit einer gewissen warmherzigen Lässigkeit gibt.

Besser angefangen als aufgelöst

Dieser gewisse Coolness-Faktor, in dem eine tragische Vergangenheit angedeutet wird, macht sich in der Beziehung ganz gut. Tarrach und Popov unterstützen das zusätzlich durch ihr nuancenreiches Schauspiel. Dazu hat das Drehteam sich einige schöne Flecken mit passender Atmosphäre in Lissabon ausgesucht. Eine nächtliche Jagd zu Fuß zwischen Marcia und einem Verfolger kann deswegen die Spannung phasenweise nicht unbeträchtlich erhöhen.

Leider hält die Geschichte aber in ihrem weiteren Verlauf nicht, was einige Sequenzen, darunter auch eine Explosion, im Verlauf der Handlung versprechen. Speziell in der zweiten Hälfte zerfasert der Plot in immer weniger zusammenhängende Einzelszenen. Wie unbeholfen das Drehbuch die Geschichte um den Medikamentenschmuggel zusammengeschraubt hat, erkennt man schon daran, dass das Verhältnis des Toten zu der Tänzerin im Grunde wesentlich mehr interessierte.

Am Ende kommt es im Hauruck-Verfahren zum Showdown. Ein Krimi, der in seinen Ansätzen steckenbleibt. Aber immerhin: Die Hauptfiguren und der Schauplatz zeigen Potential.

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