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TV-Kritik: "Der große Trip – Wild": Wandern, um zu überleben

Von Nach Drogensucht und wahllosen Sexabenteuern macht Cheryl Strayed (Reese Witherspoon) auf den Weg zu sich selbst zurück.
Immer wieder gerät Cheryl (Reese Witherspoon) ins Grübeln, ob sie das Richtige tut. Bild: ARD Degeto/© 2014 Twentieth Century Fox Film Corporation. All rights reserved Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Immer wieder gerät Cheryl (Reese Witherspoon) ins Grübeln, ob sie das Richtige tut. Bild: ARD Degeto/© 2014 Twentieth Century Fox Film Corporation. All rights reserved
"Ich habe meine Ehe ruiniert und jetzt ruinier ich den Rest meines Lebens!" Es ist ziemlich viel, was die Mittzwanzigerin Cheryl Strayed (Reese Witherspoon) in diesem Film mit sich herumschleppt. Und das betrifft sowohl ihr Gepäck als auch ihre Vergangenheit. Gebeutelt vom Tod ihrer Mutter (Laura Dern), betäubte sie ihren Schmerz mit Drogen und wahllosen Sexbekanntschaften. Bis auch ihr Ehemann Paul (Thomas Sadoski)die Reisleine zog.
 
Um wieder neu anfangen zu können und wieder die Frau zu werden, die ihre Mutter in ihr sah, bewanderte Strayed einen Teil des Pacific Crest Trails, abgekürzt PCT, einem Fernwanderweg durch Kalifornien, Oregon und Washington. Und fand einen überaus amerikanischen Weg, sich ihrer Vergangenheit zu stellen: Sie verfasste ein Buch darüber, "Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail", deutscher Titel "Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst".

Verdiente Oscar-Nominierung für Witherspoon

Ein Buch, das sich weltweit zum Verkaufsschlager entwickelte und auf der Bestsellerliste der New York Times den Spitzenplatz eroberte. Ein Erfolg, an dem Hollywood natürlich nicht vorbeigehen konnte. Die Schauspielerin Reese Witherspoon kaufte die Rechte, produzierte den Film mit ihrer  Filmgesellschaft Pacific Standard und verkörperte die Hauptrolle. Sie brachte ihr die zweite Oscar-Nominierung ein.

Und das verdientermaßen. Schon allein der massive Körpereinsatz der zierlichen Schauspielerin  verleiht vielen Szenen außerordentliche Intensität und Glaubwürdigkeit: etwa, wenn sie keuchend erstmals unter den gigantischen Rucksack kriecht, den sie auf ihrer Wanderung mit sich herumschleppen wird. Das schwere Gepäck, das ihrem Körper sichtbar wunde Druckstellen hinterlässt. Und das sie herumschleppt wie ihr ganzes kaputtes Leben.

Sauberer als in Wirklichkeit

Witherspoon ist deutlich kleiner und war bei den Dreharbeiten zwölf Jahre älter als Cheryl Strayed. Was jedoch kaum eine Rolle spielt – höchstens fällt auf, dass sie hollywoodtypisch für eine Wanderin in der Wüste Kaliforniens noch eine Spur zu sauber aussieht. Im Abspann zeigt der Film Bilder der echten Cheryl Strayed auf ihrer Wanderung.

Regisseur Jean-Marc Vallée hat aus der Geschichte eine packende Kombination aus Abenteuer- und Reisefilm, Charakterportrait und Überlebensdrama geschaffen. Nick Hornby (Romanvorlage für "About a Boy oder: Der Tag der toten Ente") hat die Wanderung mit einer Vielzahl von Rückblicken verzahnt, was dem Film zwar eine stark episodische Erzählstruktur verleiht, aber auch an einen Klassiker des Neuen Hollywood erinnert: "Fluchtpunkt San Franzisco".

 

Auch fort setzt sich die Vergangenheit der Hauptfigur erst im Lauf der Filmhandlung zusammen. Immer wieder lässt Hornby Cheryl Strayed über ihr Leben reflektieren, was sich manchmal unvermeidbar wie Auszüge aus einer Lebenshilfe anhört. Aber dank der einfühlsamen Kamera und besonders der sehr starken Reese Witherspoon dennoch einen starken erzählerischen Sog entwickelt.

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