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TV-Kritik: "Der gute Bulle": Nicht ganz wie erwartet

Von Armin Rhode und Axel Prahl sind hier die Kontrahenten, wenn es darum geht, das Verwinden eines Mädchens aufzuklären.
Fredo Schulz (Armin Rohde) ertränkt seine Trauer um Frau und Sohn im Alkohol und wartet darauf, dass die Wellen ihn davontragen. Foto: Stephanie Kulbach Fredo Schulz (Armin Rohde) ertränkt seine Trauer um Frau und Sohn im Alkohol und wartet darauf, dass die Wellen ihn davontragen.
Manchmal kann man einem Regisseur zu einem Schauspieler nur gratulieren. So Lars Becker hier zu Armin Rhode, mit dem er schon über 20 Filme gedreht hat: Rhode mimt hier Fredo Schulz, einen alkoholkranken und vom Dienst suspendierten Polizisten, der sich zu Beginn an der Küste in der Flut das Leben nehmen will. Das weckt zwar Erinnerungen an den Frankfurter "Tatort"-Krimi "Das Haus am Ende der Straße", in dem Rhode ebenfalls einem dem Suff ergebenen und suizidalen Ex-Kriminaler gegeben hat.
 
Rhode, dieser Bär von einem Mann mit zerfurchter Kummermiene, könnte eine solche Figur aber auch beim zigsten Mal noch mit Leben und eigener Persönlichkeit füllen. Wobei das Drehbuch von Becker zwar im Handlungsverlauf immer wieder auf die Alkoholabhängigkeit des Fredo Schulz zurückkommt, das Thema aber nicht über Gebühr in den Vordergrund schiebt. Obwohl sich Schulz in Form von Selbstgesprächen mitunter selbst zu kurieren versucht.
 

Eine Eisdiele als letzte Station

 
Schulz kämpft am Meer mit der Erinnerung an seine bei einem Flugzeugabsturz umgekommene Familie und seinem Misserfolg dabei, das Verschwinden zweier kleiner Mädchen aufzuklären. Dass er gegenüber dem tatverdächtigen Roland Bischoff (Axel Prahl) die Beherrschung verlor, vermasselte den kompletten Fall. Doch jetzt ist ein drittes Mädchen verschwunden. Wie die vorherigen beiden Kinder hat auch die vermisste Ashley Bols zuvor eine italienische Eisdiele besucht.
 
Die Kollegen holen Schulz zurück nach Berlin. Melissa Bols (Melika Foroutan) versucht dort währenddessen mit Flugblättern, ihre vermisste Tochter zu finden.  Natürlich träumt Schulz davon, Bischoff als Täter zu überführen, doch dann kommt der schwerreiche Felix Montabaur Jr. (Thomas Heinze) ins Spiel: Die kleine Ashley wurde gekidnappt und die Entführer fordern ein millionenschweres Lösegeld – Montabaur ist der richtige Vater des Kindes.
 
 

Axel Prahl kann auch gut böse sein



Plot und Figurenzeichnung sind Becker teilweise schon besser gelungen. Montabaur zeigt sich ohne echtes Mitgefühl oder Gewissensbisse, was seinem Charakter eine gewisse Ambivalenz hätte verleihen können. Und dass sich Bischoff durch Schulz mit einem derartig durchsichtigen Manöver in die Falle locken lässt, macht wenig Sinn, zumal auch das Verhalten seiner Mutter Edith (Gaby Dohm) nicht passend dazu erscheint.
 
Für eine Mutter, die erkennen muss, dass es sich bei ihrem Sohn um einen zweifachen Sexmörder handelt, reagiert sie bemerkenswert gefasst. Und selbst die Konfrontation mit ihrem Sohn in der Küche zuvor fällt ziemlich gedämpft aus, trotz Roland Bischoffs sackgrober Wortwahl. Die charakterlichen Brüche kommen bei Roland Bischoff etwas zu unvermittelt, um wirklich einen ambivalenten Typ aus ihm zu formen. Dennoch macht sich Axel Prahl, als "Tatort"-Fahnder Frank Thiel sonst eher Sympathie-Träger, in der Rolle ziemlich gut.
 
Auch gut besetzt: Melika Fourathan in der fein unterspielten Rolle der Mutter des verschwundenen Mädchens. Die guten Darsteller trösten auch einigermaßen darüber hinweg, dass am Ende mal wieder ein Cop ohne SEK den Helden spielen will. Insgesamt kommt zwar ein ganz ordentlicher Krimi dabei heraus, aber von Lars Becker hätte man doch mehr Sorgfalt und Liebe zum Detail erwartet. Becker hat die gängigen Erzählmuster schon souveräner gehandhabt.

Den ganzen Film gibt es hier
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