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"Der hundertste Affe": Ziemlich dick aufgetragen

Von Der neueste Bremer "Tatort" will ein engagierter und rasanter Öko-Thriller sein. Doch das Konzept geht nur zum Teil auf.
Die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Niles Stedefreund (Oliver Mommsen) retten einen Verdächtigen vor dem aufgebrachten Mob. Foto: (RB TV/Pressestelle) Die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Niles Stedefreund (Oliver Mommsen) retten einen Verdächtigen vor dem aufgebrachten Mob.
 
Ein "Tatort" zum Thema Umwelt, Pestizide, Biotechnologie? Das kann ziemlich daneben gehen. Allzu leicht geraten bei der engagierten und gewiss nicht unberechtigten Aussage die Krimi-Elemente in den Hintergrund. Das Drehbuch muss über die Dialoge viel Information an den Zuschauer weitergeben und wird dem komplexen Thema dennoch meistens nicht gerecht. Schlimmstenfalls entwickelt sich ein reiner Thesenfilm daraus, der auf seine zentrale Aussage zusteuert wie auf den Showdown.
 
Ganz so schlimm ist "Der hundertste Affe" aus Bremen dann aber doch nicht geworden, obwohl schon der Titel - der auf einer weit verbreiteten Geschichte über kollektives Bewusstsein beruht - genau das befürchten lässt. Eine Gruppe militanter Umweltaktivisten unter der Führung von Luisa Christensen (Friederike Becht) will eine öffentliche Aussage des inhaftierten Dr. Urs Render (Manfred Zapatka) erpressen. Render hat das Labor in der Firma angezündet, in der er beschäftigt war, wobei ein Mann ums Leben kam. Er soll öffentlich über die Machenschaften des Biotechnologie-Konzerns in Afrika  aussagen.
 

Massenmord als Druckmittel

 
Dort gab es durch den Einsatz von Pestiziden viele Tote. Die Gruppe macht ihre Forderungen deutlich, als sie rot gefärbtes Wasser in einer Dusche im Schwimmbad fließen lässt: Eine Frau stirbt dabei aus lauter Schreck. Aber die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) und das Einsatzteam hinter den beiden stellen bald fest, dass die Gruppe auch vor Massenmord als Druckmittel nicht zurückschreckt: Sie vergiften gezielt Trinkwasser, was 17 Tote zur Folge hat.
 
Bremen ist im Ausnahmezustand, und das wird schon im Auftakt deutlich. Der Film erzählt seine Geschichte nicht linear, und wenn gleich nach dem Vorspann Polizeisperren und Hubschraubergeräusche auftauchen, wird schnell klar: Hier versucht sich ein "Tatort" an einem richtig groß angelegten Stoff. Als Zutaten gibt es ein wenig "Stirb langsam 2" - der Massenmord als Druckmittel - und eine kräftige Anleihe an James Bond - im Roman "Goldfinger" will der Schurke aus dem Titel die Besatzung von Fort Knox mit vergiftetem Trinkwasser ausschalten.
 

Anfangs zu weitschweifig

 
So hundertprozentig funktionieren will die Mischung aber nicht. Der Anfang gerät durch die vielen beteiligten Charaktere und interne Streitereien im Krisenstab weitschweifig und gelegentlich sogar zäh. Während die Aktivistengruppe trotz Klischees in Charakterzeichnung und Interaktion noch halbwegs ambivalent und damit spannend rüberkommt, erscheinen die Vertreter der Biotech-Firma zu blanken Abziehbildern ohne jede Individualität. Während einiger Szenen ist Kopfschütteln angesagt: Warum legt in dem Krisenstab da mal einer seine Füße auf den Tisch?
 
Und bei der Begegnung von Luisa Christensen mit Render gegen Ende hat das Drehbuch gleich noch eine richtig schwer verdauliche Pointe eingebaut. Allerdings ist es nicht so, dass der Film völlig danebengegangen wäre. Es gibt genügend spannende Szenen, den Zuschauer bei der Stange zu halten, und Regisseur Florian Baxmeyer hat das Ganze doch oft mit bemerkenswerter Dynamik inszeniert.
 
Luise Wolfram als Linda Selb verleiht der Szenerie noch einen Hauch Erotik-Appeal, auch wenn ihr Charakter nicht sonderlich originell erscheint. Der Hintergrund der Geschichte drängt sich aber heftig nach vorne, und wenn klar wird, dass da auch eine Supergetreidesorte entwickelt wurde, möchte man laut fragen: Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Der Glaubwürdigkeit hätte das gutgetan.

Der Film in der Mediathek
 
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