Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 26°C

TV-Kritik: "Der letzte Kampf": Haushoch besser

Von Das emotionale Ende einer durchwachsenen Trilogie bietet auch ein Wiedersehen mit einer Karl May-Legende.
Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) hat Tokvi-Kava (Sebastian Cavazza) besiegt. Dessen Frau (Amila Terzimehic, r.) bittet ihn um Gnade. Foto: RTL / Wolfgang Ennenbach Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) hat Tokvi-Kava (Sebastian Cavazza) besiegt. Dessen Frau (Amila Terzimehic, r.) bittet ihn um Gnade.
Auf zum Ritt ins Finale: Nach dem gelungenen Erstling ging "Das Geheimnis vom Silbersee" erstmal kräftig in die Knie. Die leblos dahinplätschernde Geschichte, eher bemühte Groteske als Abenteuerfilm, hatte natürlich nichts mit Karl Mays Roman und schon gar nichts mit Harald Reinls glanzvoller Erstverfilmung von 1962 zu tun. Hätte Karl May beim ersten Teil möglicherweise noch wohlwollend genickt, wäre beim zweiten Teil ein Schreikrampf am wahrscheinlichsten gewesen. Wie würde sich der dritte Teil im Vergleich dazu schlagen?
 
Auf jeden Fall um Welten besser. Positiv fällt zunächst auf, dass die Handlung wieder mehr Bezug zu Karl Mays Geschichten nimmt. Obwohl er die Figur des Santer deutlich ändert: Santer, im Buch der Anführer einer Banditenbande und ein Schurkencharakter mit durchaus charismatischen Zügen, zudem der Mörder von Winnetous Vater und Schwester, mutiert hier zum verweichlichten,  lebensuntüchtigen und lange Zeit glücklosen Sohn einer übergroßen Vaterfigur. Eine Gestalt, die fast von Amerikas berühmtem Dramatiker Tennessee Wiliams ersonnen worden sein könnte.
 

Vater und Sohn wie bei Tennessee Wiliams

 
Die Macher haben die Figur in Vater und Sohn aufgeteilt. Und RTL gelang ein besonderer Coup, indem sie den alten Santer mit Mario Adorf besetzten, der den vergleichsweise buchgetreuen Santer im ersten Winnetou-Film von Reinl verkörperte. Mario Adorf in einer monumentalen Big Daddy-Rolle, da kann man ja gar nichts falsch machen. Wobei die mörderischen Aktionen von Michael Maertens als Santer jr. Hier eine gewisse Tragik erhalten: Man merkt es  bei Maertens‘ Santer geradezu körperlich, wie verzweifelt er als Sohn versucht, diesem Vater einmal wirklich zu imponieren.
 
Und dabei auch zu Mitteln greift, die dem Vater gewiss nicht fremd sind. Mit dem Motiv des Ölfunds auf dem Land der Apachen kommt auch ein wenig "Ölprinz" mit in die Szenerie. Die Handlung verläuft deutlich abwechslungsreicher als im zweiten Teil und hat etliche Wendungen zu bieten. Auch spielen die Apachen nicht mehr die alleinige Indianerrolle: Winnetou (Nik Xhelilaj versucht, andere Stämme zur Zusammenarbeit zu bewegen und muss sich gar mit Tokvi-Kava (Sebastian Cavazza) im Kampf messen.
 

Möhring überzeugt als Kämpfer

 
Die aktive Rolle von Winnetous Schwester Nscho-tschi (Iazua Larios) gehörte ohnehin zu den Stärken der RTL-Neuauflage und kommt hier noch stärker zur Geltung. Die höhere Dramatik macht sich auch bei den Schauspielern bemerkbar. Wotan Wilke Möhring, in der Silbersee-Episode sichtbar gelangweilt, strahlt hier wieder deutlich mehr Entschlossenheit aus und kann als Old Shatterhand besonders am Ende auch überaus emotional agieren. Auch in Sachen Action legt der Film gegenüber dem zweiten Teil wieder deutlich zu.
 
Zwar hätte man sich in dieser Beziehung in der Trilogie auch insgesamt doch wesentlich mehr erwartet: Hat RTL doch mit "Alarm für Cobra 11" einst die erste echte deutsche Action-Serie geschaffen. Allerdings hatten die Filme der sechziger Jahre in Sachen Knalleffekte eben auch Maßstäbe gesetzt. Was der dritte Winnetou-Teil an Schauwerten zu bieten hat, verdient angesichts des niedrigeren Budgets großes Lob. Das Winnetou-Experiment ist somit gelungen – und der zweite Teil hat schlichtweg nicht stattgefunden.
 
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse