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TV-Kritik: "Der rote Schatten": Was Lannert und Baader gemeinsam haben

Von Im seinen ersten Stuttgarter „Tatort“ hat Regisseur Dominik Graf eine Geschichte aus dem Deutschen Herbst 1977 verpackt – mit zweifelhafter Wirkung.
Heinz (Sascha Maaz) gehört sozusagen zum Inventar der Kneipe Schwertfisch und kann Thorsten Lannert (Richy Müller) einiges berichten. Foto: (SWR-Presse/Bildkommunikation) Heinz (Sascha Maaz) gehört sozusagen zum Inventar der Kneipe Schwertfisch und kann Thorsten Lannert (Richy Müller) einiges berichten.
Ein Sonntagsabend-Krimi zum Thema Deutscher Herbst 1977? Im Prinzip schon. Wenn es um die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) aus dem Stuttgarter "Tatort" geht, sind Verbindungen zur RAF ohnehin nicht fern. Schließlich steuert Lannert einen Porsche 911 Targa S, und ein solches Modell – wenn auch aus der vorherigen Baureihe – fuhr im Jahr 1972 auch RAF-Mitbegründer Andreas Baader. Er hatte den Sportwagen dem Motorsport-Fotografen Rainer Schlegelmilch gestohlen.

Der Linksextremist Baader wusste die Segnungen des damaligen Kapitalismus durchaus zu schätzen, besonders, wenn sie vier Räder hatten und viele PS. Da passt es auch, dass sich Thorsten Lannert in einer Szene als damaliger Sympathisant der radikalen Linken outen darf. Aber am Anfang stoßen Lannert und Bootz erst einmal auf eine Frauenleiche in einem Kofferraum. Die Tote wurde bereits obduziert, aber ihr Mann verdächtigt ihren Freund Wilhelm Jordan (Hannes Jaenicke), sie ermordet zu haben.
 

Krimi als Zeitreise

 
Er hat deswegen ihre Leiche entwendet und wollte sie ein weiteres Mal untersuchen lassen. War es wie von Jordan behauptet ein Unfall oder Mord? Die Einführung des Krimis führt nicht ungeschickt weiter zum deutschen Herbst. Die Tochter der Toten behauptet nämlich, Jordan habe ihr gegenüber mit seiner Waffe und seinen Kontakten zum Geheimdienst geprahlt. Als die Kommissare Jordan näher ins Visier nehmen, tauchen immer mehr Hinweise auf dessen Kontakte zur RAF auf. Wurde Jordan damals von einflussreichen Kreisen  gedeckt?
 
Der Krimi widmet sich einem intensiven Rückblick in die Gedankenwelt der 68er und das Entstehen der RAF. Zu den Selbstmorden Andreas Baaders, Gudrun Ensslins und Jan-Carl Raspes in der Todesnacht von Stammheim am 18. Oktober hat Regisseur und Co-Autor Dominik Graf freilich eine hochproblematische Sicht eingebaut. Allerdings vermittelt er dem Zuschauer zugleich mit einer Fülle von Filmschnipseln und zeitgenössischen Bildern ein intensives Zeitkolorit.
 

Oft nur ein einziger Wust

 
Wobei er aber stets in Gefahr gerät, sich ähnlich wie in seinem „Polizeiruf“-Krimi „Smoke on the Water“ vor drei Jahren gewaltig zu verheben. Graf folgt nur selten einer stringenten Erzähllinie. Viele Einzelszenen und Handlungsfäden sind ziemlich willkürlich in die Geschichte hineingefügt. Zusammen mit dem kompliziert verschachtelten Plot und endlos vielen Nebenfiguren dürften deswegen viele Zuschauer schnell den Überblick verlieren. Und ebenso das Interesse an den Todesumständen der anfangs aufgefundenen Frauenleiche. Das wird am Ende in Minutenschnelle so ganz nebenbei gelöst.

Hannes Jaenicke passt zwar perfekt in die Rolle des leicht verlebten Halbseidenen, kann sich aber nicht wirklich nach vorne spielen. Bei allen Mängeln bleibt festzustellen: So grotesk daneben wie „Smoke on the Water“ ist „Der rote Schatten zwar zum Glück nicht geworden. Dennoch wäre der Film sicher besser oder wenigstens weniger chaotisch geworden, hätte Graf seine Ambitionen, in den Krimi so viel Geschichte hineinzufügen, ein wenig gezügelt. Und mehr Zeit der eigentlichen Krimihandlung gewidmet.

Den ganzen Krimi gibt es hier
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