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TV-Kritik: "Der schwarze Schwan": Pilcher auf Schwedisch

Von In dem mild gewürzten Sommerdrama nach Roman und Drehbuch von Inga Lindström überzeugt vor allem die Hauptdarstellerin.
Lilian Sjöberg (Inez Björg David) weckt in Martin Blom (Helmut Zierl) die Erinnerung an längst vergessen Geglaubtes in der Vergangenheit. Foto: Marco Meenen Lilian Sjöberg (Inez Björg David) weckt in Martin Blom (Helmut Zierl) die Erinnerung an längst vergessen Geglaubtes in der Vergangenheit.
Nein, um den deutschen Titel des US-Thrillers "Black Swan" handelt es sich hier gewiss nicht. Auch nicht um den Abenteuer-Klassiker "The black swan" (dt. Titel: "Der Seeräuber") mit Tyrone Power. In dieser Lindström-Verfilmung wird die junge Malerin Lilian Sjöberg (Inez Björg David) vielmehr seit Jahren von Alpträumen heimgesucht, in denen ein schwarzer Schwan auftaucht. Dabei hat sie eigentlich keinen Grund zu Angstzuständen: Sie hat ein Stipendium bekommen, um drei Monate im paradiesischen Charlottenberg zu malen.
 
Dort verliebt sich der junge Förster Felix Blom (Mirko Lang) in sie. Aber Blooms Verwandtschaft zeigt sich stark reserviert: Lilian gleicht völlig jener Henriette, die im Jahr 1983 Martin Blom (Helmut Zierl) den Kopf verdrehte. Jetzt ist Martin der Vorsitzende des Charlottenberger Kunstvereins – und weigert sich, die junge Lilian wieder zurückzuschicken. Dabei versucht ihn seine Mutter Alma (Annekathrin Bürger) dringend davon zu überzeugen: Sie will nicht, dass ihr Enkel einmal so unglücklich wird wie ihr Sohn das einst war.

 
Düstere Ahnungen

 
Lilian wird ihrerseits von düsteren Ahnungen gequält: Sie hat auf einem wunderschönen See in Charlottenberg einen schwarzen Schwan gesehen, den Vogel, der in ihren Alpträumen immer wieder auftauchte. Und was hätte sie wohl gedacht, wenn sie die Reaktion ihrer Eltern auf ihre Reise nach Charlottenberg hätte beobachten können? Das Geheimnis aus der Vergangenheit wird sie nicht loslassen. Und den Zuschauer ann das durchaus fesseln: Ja, diese Geschichte hat schon das Potential zu einem hübschen klassisch-altmodischen Thriller.

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Aber um diese Art von Spannung geht es bei Inga Lindström nicht, nach deren Vorlage und Drehbuch  -  letzteres unter ihrem richtigen Namen - dieser Film entstand. Christiane Saldo heißt nämlich auch die deutsche Journalistin und Autorin, die sich hinter  Inga Lindström verbirgt. Den Namen wählte Saldo, um ihre stets in Schweden spielenden Liebesromane einen passenden Autorennamen zu geben. Was sie noch dazu brauchte, um erfolgreiche Romane zu schreiben, lernte sie vor allem als Autorin von Drehbüchern. Darunter finden sich mindestens ein halbes Dutzend Adaptionen von Rosamunde Pilcher.

Natürlich mit Oldtimer

 
Kein Wunder, dass Lindström-Verfilmungen oft wie nach Skandinavien versetzte Versionen von Pilcher wirken. Die Landschaften und Gebäude sind traumhaft und auch der stilgerechte Oldtimer - hier ein schwedischer Buckelvolvo – fehlt natürlich nicht. Die Dialoge klingen manchmal gestelzt, die Charaktere sind meist prominent besetzt, hier etwa mit Helmut Zierl. Das kriminalistische Element, das es bei Pilcher mitunter in Ansätzen gibt, tritt hier noch stärker in den Hintergrund. Da würde ja auch die Landschaft nicht passen: Bei grünen Hügeln und einem wunderschönen See unter blauem Himmel plus sanfter Musik will von Anfang an keine Krimi-Stimmung aufkommen.
 
Dennoch ist "Der schwarze Schwan" kein reiner Wohlfühl-Film. Er macht den Zuschauer mit mancherlei Andeutungen recht neugierig auf das, was einst Jahrzehnte zuvor passierte, und zögert die Lösung dazu auch gut hinaus. Die Dialoge hätten zwar etwas mehr Schmiss gebrauchen und die Landschaft etwas düsterer sein können. Aber die dänische Schauspielerin Inez Björg David, im richtigen Leben mit Mirko Lang verheiratet, bringt dafür ihrem Charme recht gut zur Geltung. Und als Tourismus-Werbung sind Lindström-Verfilmungen sicher sehr wirkungsvoll: Den gleichen Effekt hatte ja schon Rosamunde Pilcher für Cornwall.
 

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