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TV-Kritik: "Dickerchen": Einfühlsame Außenseiter-Geschichte

Von Ein stark übergewichtiger Junge findet in einem Wachmann einen Freund, der sich aber bald als Krimineller und Hochstapler entpuppt.
David Thielemans als der übergewichtige Kevin, Dodi Mbemba als sein Freund Moukoumbi. Foto: ZDF/SRF/Philippe David Thielemans als der übergewichtige Kevin, Dodi Mbemba als sein Freund Moukoumbi.
Es klingt nicht gut, was der 12-jährige Kevin (David Thielemans) vom Arzt zu hören bekommt. "Du strapaziert dein Herz, Kevin!" Fast triumphierend verkündet ihm der Arzt, was er auf die Waage bringt: 101 Kilo. Kevin ist fettleibig, und mit seinem Körperumfang hat auch die Angriffsfläche zugenommen, die er anderen Jungen bietet. Fettsack, Moppel – das Mobbing reicht von gehässigen Bemerkungen bis zu massiven körperlichen Attacken.

Vom Süßen kann und will Kevin dennoch nicht lassen. Seinem Freund Moukoumbi (Dodi Mbemba) beschafft er sogar den getragenen BH seiner Schwester dafür. Bis er eines Tages Patrick (Swann Arlaud) kennenlernt. Der schmal gebaute Wachmann trainiert seinen Hund und fasziniert Kevin durch seine Erscheinung und seine Geschichten von Kriegseinsätzen in Afrika. Er unterzieht Kevin einem pseudomilitärischen Training, durch das der Junge tatsächlich ein paar Kilo verliert.

Beeindruckt von einem Prahlhans

Kevins schwermütige Freundin, die vom Selbstmord schwärmt, seine Mutter und seine Schwestern sind alles andere als angetan von Kevins neuem Freund. Und das zu Recht Nachdem  Patrick und Claudi (François Hadji-Lazaro), den Pat Kevin als seinen Boss vorstelt, Kevin bei einer dubiosen Sache Schmiere stehen lassen, erkennt auch Kevin sehr bald und schmerzhaft den Unterschied zwischen Sein und Schein.

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Eine bemerkenswert einfühlsame Geschichte um einen extrem übergewichtigen Jungen hat Regisseur Bruno Deville mit "Dickerchen" gedreht. Man merkt deutlich, dass Deville als Junge selbst einmal an die zwei Zentner auf die Waage gebracht hat. Er rückt dem Problem Kevins auf die Pelle, buchstäblich, wenn der Arzt zu Anfang seinen Bauchumfang misst und das Hautfaltenmessgerät zum Einsatz kommt.

Der Regisseur war einst selbst zu dick

Ebenso wenn die zu dicken Kinder sich in der Wassergymnastik abmühen: Die Kamera nähert sich Kevin von unten, fängt die Hängebrüste und den gewaltigen Bauch ein. Das Gefühl der Unsicherheit und des Verstecken-Wollens der Kinder, die sich in Badekleidung vor der Kamera präsentieren, wird körperlich spürbar. Und mit David Thielemans ist Deville ein Glücksgriff gelungen.  Thielemanns bringt nicht nur den für die Rolle erforderlichen Umfang mit, sondern auch eine bemerkenswerte Emotionalität.

Dazu zeigt sich Kevin gut konzipiert: Von dem Fehlen einer männlichen Bezugsperson über die Faszination der von Patrick vermittelten Aggressivität bis zu seinem brennenden Wunsch, Anschluss und Achtung zu finden, hat Deville seine Hauptfigur sehr glaubwürdig angelegt. Verglichen damit erscheint der Rest des Films eher mit einer gewissen Lässigkeit konzipiert. Dennoch: "Bouboule – Dickerchen" ist ein Film, der sich auch zu einer besseren Sendezeit im Fernsehen gut gemacht hätte.
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