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TV-Kritik: "Die Abrechnung": Die mörderischen Abgründe des Professor T.

Die zweite Folge der Reihe um den genialen, aber hochneurotischen und möglicherweise latent gefährlichen Kriminologen spielt vor dem Hintergrund des Kölner Karnevals.
Geht es dem egozentrischen Kriminologen Professor Jasper Thalheimer hier wirklich nur um die Rekonstruktion eines Tathergangs? Foto: Guillaume Van Laethem Geht es dem egozentrischen Kriminologen Professor Jasper Thalheimer hier wirklich nur um die Rekonstruktion eines Tathergangs?
Ein würgendes Röcheln ist das Letzte, was der angesäuselte Marc Leyendecker (Alexander Schubert) während einer Karnevalsfeier von seiner Frau hört. Er alarmiert sofort die Polizei und lässt sich nach Hause fahren.  Die Kriminalbeamten Anneliese Deckert (Lucie Heinze) und Daniel Winter (Andreas Helgi Schmid) finden Johanna Leyendecker (Meike Gottschalk) aber nur noch erstochen vor. Der Täter hat viermal auf sie eingestochen – eine Tötungsart, die weniger auf einen Raubmord, als vielmehr auf einen sehr emotionsgeladenen Hintergrund schließen lässt.
 
Decker und Winter bitten sehr zum Ärger von Kriminalhauptkommissar Paul Rabe (Paul Faßnacht) wieder den egozentrischen Kriminologen Jasper Thalheim (Matthias Matschke), von allen nur Professor T. genannt, um Hilfe. Deckert war früher seine Schülerin. Rabe hält T. für arrogant und hasst ihn: Aber seine Alkoholabhängigkeit, die er nur noch mit größter Mühe unter Kontrolle hält, macht ihn verwundbar. Thalheim fällt die pedantische Ordnung im Haus von Leyendecker auf. Die führt ihn auf Spuren und am Ende zum Täter.

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Was genau macht T. so brillant?

Brillant, arrogant, aber in gewisser Weise autistisch und von Zwängen gesteuert: Jasper Thalheim ist in der deutschen Ermittlerlandschaft eine Ausnahmeerscheinung. Als Dozent für psychologische Kriminologie stellt er eine absolute Koryphäe dar, aber sein Hygienefimmel macht es zur Qual für ihn, sich normal unter Menschen zu bewegen. Wohl deshalb stößt seine direkte und oft brüske Art bei vielen auf Unverständnis.
 
Was ihn mit einer Prostituierten verbindet, bleibt unklar. Wie auch das Verhältnis zu seiner Mutter. Sein Verhalten lässt aber eine gewisse Anteilnahme erkennen. Und lässt zudem Abgründe erahnen: Wenn er mit Samurai-Waffen auf eine Puppe einsticht und ihren Kopf abschlägt, könnte das auch nur vordergründig zu kriminologischen Demonstrationszwecken geschehen. Möglicherweise verbindet ihn mit den Verbrechern, die er entlarvt, mehr, als er zugeben will. Kommt daher sein Fimmel, sich nur ja nirgendwo die Hände schmutzig zu machen?
 

Thalheims Wurzeln bei Edgar Allen Poe

 
Das ZDF hat für die zunächst vierteilige Serie ein Vorbild aus Belgien übernommen. Thalheims Wurzeln reichen indessen noch viel weiter zurück: Der Detektiv als Psychostudie eines Menschen zwischen Genie und Wahnsinn reicht über Sherlock Holmes zurück bis Edgar Allen Poes C. Auguste Dupin ("Die Morde in der Rue Morgue"). Das exzentrische Verhalten Thalheims erscheint vor diesem Hintergrund auch nicht aufgesetzt, sondern als notwendiger Bestandteil: Würde der Zuschauer einem alltäglichen Charakter abnehmen, dass er aus einer simplen Nasenbewegung seines Gegenübers schließen kann, wie dieser zu der ermordeten Johanna Leyendecker stand?
 
Die Geschichte überzeugt wie viele ZDF-Krimis durch ihre psychologische Schlüssigkeit und Dichte, auch wenn die Täterseite ein wenig zu kurz kommt. Gerade vor dem Hintergrund der hasserfüllten Tat bleibt der Täter zu blass. Dafür überzeugt aber der Hauptdarsteller: Für eine gewisse Verschrobenheit und Arroganz ist Matthias Matschke einfach unschlagbar. In der ersten "Helen Dorn"-Folge war er als Kommissar Gregor Georgi fast so viel wert wie der ausgeklügelte Plot. Und die Serie verlor auch deshalb so massiv an Wirkung, weil die Macher der anderen Folgen den reizvollen Kontrast zwischen Helen Dorn-Darstellerin Anna Loos und Matschke nicht zu nutzen verstanden.

Faßnacht als toller Kontrast

Als Kontrast zu Thalheimer tritt hier weniger das Duo Deckert und Winter als vielmehr Kommissar Rabe in Erscheinung. Der alkoholkranke Vorgesetzte ist zwar alles andere als eine originelle Figur innerhalb des Krimi-Genres, aber der oft unter Wert verkaufte Paul Faßnacht gestaltet Rabe zu einem echten schauspielerischen Kabinettstückchen. Es steht zu befürchten, dass der Serie Rabes Weggang nicht besonders gut bekommen wird. Oder wird Rabe zurückkommen?
 
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