Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

TV-Kritik: "Die C & A-Story": Konzern oder Geheimbund?

Von Erstmals treten hier Mitglieder einer Familie, die ihre Geschäfte unter fast konspitativen Umständen führt, vor die Kamera.
Die Brüder und Namensgeber Clemens (Felix Lampert, r.) und August Brenninkmeijer (Nico Ehrenteit, l.), erst Tuchhändler, dann Firmengründer von C & A. Foto: Marcus Simaitis Die Brüder und Namensgeber Clemens (Felix Lampert, r.) und August Brenninkmeijer (Nico Ehrenteit, l.), erst Tuchhändler, dann Firmengründer von C & A.
Diese Firma gehört zu den größten und reichsten Konzernen der Welt. Fast jeder kennt den Namen C & A, doch nur die Wenigsten wissen, was er bedeutet und wofür er steht. Die Firma trat über Generationen nach außen hin fast wie eine Geheimgesellschaft auf. Die Regeln waren streng: Weibliche Familienmitglieder mussten sich aus der Geschäftsführung heraushalten, männliche Familienmitglieder verwendeten eine Geheimsprache, die nur sie selbst verstanden.
 
Hier treten erstmals Mitglieder der Familie Brenninkmijer vor die Kamera: Donald und Ernest Brenninkmeijer, beide Ururenkel von Firmengründer August Brenninkmeijer und aus der fünften Generation der Firma, sowie Johanna Brenninkmeijer aus der sechsten Generation. C & A steht für Clemens und August Brenninkmeijer, zwei Tuchhändler, die in den Jahren 1818 und 1819 geboren wurden. Als Urheimat der Brenninkmeijers gilt der Brenninckhof in der Mettinger Bauerschaft Wiehe. Die heute milliardenschwere Familie war damals noch sehr arm.
 

Aus Deutschen werden Niederländer

 
Es war zu dieser Zeit für viele Männer nicht unüblich, sich als wandernde Tuchhändler in den Niederlanden noch etwas Geld zu verdienen. Im Jahr 1841 gründeten Clemens und August im holländischen Sneek ihr erstes Geschäft. Weitere Filialen folgten. Aber erst am Vorabend des Ersten Weltkriegs eröffnete die bis dahin niederländische Firma mit deutschen Wurzeln ihr erstes Geschäft im Deutschen Reich. Die Sensation damals: C & A bieten Konfektionsware in vorgefertigten Größen an. Ein Verfahren, das Mode weit billiger macht und damit auch für einen viel weiteren Kundenkreis erschwinglich.
 
C& A sorgen für eine Demokratisierung der Mode. Die Konzernleitung arrangiert sich mit den Nazis. Nach dem Krieg sind viele Filialen der Firma zerstört, aber genug Kapital für den Wiederaufbau vorhanden. Einige Szenen aus der Dokumentation wirken heute unfassbar: Zu Beginn der fünfziger Jahre wird noch am Samstag gearbeitet, aber nur bis 14 Uhr. Es gibt noch ein strenges Ladenschlussgesetz. Als C & A ihre Geschäfte bis 17 Uhr offen halten wollen, kommt es zwischen Einkäufern und Gewerkschaftlern zu erbitterten Straßenschlachten, die von der Polizei nur mit Mühe wieder unter Kontrolle gebracht wird.
 

Katholizismus als Familientradition

 
Innerhalb der Familie gelten strenge Regeln: Anteile am Unternehmen werden weder vererbt noch verkauft. Wer sie haben will, muss sie sich mühsam erarbeiten und durchläuft eine ungemein strenge Ausbildung. Der katholischen Kirche sind die Brenninkmeijers eng verbunden, sie sind auch sehr spendabel für wohltätige Zwecke. Liebeleien innerhalb der Firma sind trotz freizügiger Mode wie Minirock nicht erlaubt: Noch in den siebziger Jahren muss in solchen Fällen geheiratet werden.
 
Der Film ist eine sehenswerte Dokumentation, der nicht nur die Geschichte einer Firma näher beleuchtet, sondern auch viel über deutsche Wirtschafts- und Modegeschichte erzählt. Die Werbefilme der Firma aus den siebziger Jahren dürften bei nicht wenigen Zuschauern nostalgische Gefühle auslösen. Dabei spart die Dokumentation aber auch dunkle Seiten wie die Verwicklung in unmenschliche Produktionsbedingungen in Bangladesch nicht aus.
 
 
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse