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TV-Kritik: "Die Diva, Thailand und wir": Schwarzer Humor auf hohem Niveau

Mit Komödie tun sich die Öffentlich-Rechtlichen ja meist schwer. Aber hier kommt mal ein perfektes Gegenbeispiel.
Anneliese Behrens (Hannelore Elsner) und Susanne Neuendorff (Anneke Kim Sarnau) beim Shoppen auf dem Markt. Foto: (WDR Presse und Information/Bildk) Anneliese Behrens (Hannelore Elsner) und Susanne Neuendorff (Anneke Kim Sarnau) beim Shoppen auf dem Markt.
Anneliese Behrens (Hannelore Elsner) ist eine Diva wie aus dem Bilderbuch. Lässt sich noch tragen, als ihr Haus geräumt wird. Nistet sich nach einem Zusammenbruch in der U-Bahn bei ihrer Tochter Susanne (Anneke Kim Sarnau) ein. Qualmt wie ein Schlot, giftet mit feiner Ekelhaftigkeit ihre Tochter und ihre Enkelin Leni (Nina Hüesker) an. Nervt alle mit ihren Launen und zeigt sich noch dazu unaufrichtig: Sie hatte keineswegs nur einen leichten Schlaganfall, wie sie ihrer Tochter erzählt. In ihrem Kopf wuchert ein Gehirntumor, der ihr maximal noch zwei Jahre Lebenszeit lässt.
 
Vorerst aber diskutieren ihre Tochter und ihr Schwiegersohn Frank (Marcel Mohab) noch über Gift oder Profikiller. Und nehmen die Mutter schließlich doch mit in den lange geplanten Thailand-Urlaub, als sich für sie auf die Schnelle keine Pflegekraft finden lässt. Ein wenig erinnert der Film an das Krebsdrama "Mama geht nicht mehr" mit Marielle Millowitsch. Wo dort aber die langsame Wiederannäherung von Mutter und Tochter im Mittelpunkt standen, spielt dieser ARD-Film die makabren Motive viel stärker aus.

Pelzmantel als Strohhalm

 Und schafft es auf diese Weise, mit leichter Hand die tragischen Züge in der Figur der Anneliese noch weit stärker zu betonen. Anneliese Behrens, längst pleite und ohne Anspruch auf Rente, klammert sich an die kläglichen Reste ihres einst erfolgreichen Künstlerlebens, dem sie alles geopfert hat – auch ihre Tochter – wie an einen Strohhalm. Von einem Obdachlosen lässt sie sich mit barschen Worten von einer Bank verscheuchen, aber selbst im schwülheißen Thailand legt sie lange Zeit ihren Pelzmantel nicht ab.
 
Und die Komödie nach einem Buch von Aglef Püschel und Franziska an der Gassen und inszeniert von Franziska Buch zeigt die immer noch weiter steigende Frustration von Tochter Susanne mit einem Blick für skurrile Details: Schon die Art, wie Susanne die leckeren und bunten Cocktails wie Wasser in sich hineinschüttet, spricht da Bände. Doch in Thailand bietet sich plötzlich eine Lösung an: Dort sind Pflegeheime billig und die Mutter wäre Tausende Kilometer weit weg vom Schuss.

Der Ausgang steht früh fest

 Dass sich die Komödie nicht nur der Mutter-Tochter-Geschichte, sondern auch touristischen Attraktionen in Thailand „Kloster mit echten Mönchen – mit denen kann man sich sogar unterhalten! Worüber?“ mit erfrischender Respektlosigkeit nähert, zählt zu ihren großen Stärken. Wie es ausgeht, ahnt man zwar schon von Anfang an und ebenso, dass am Ende Versöhnung und einige sentimentale Einsprengsel  sein müssen. Das gehört sich einfach so bei einer richtigen Tragikomödie, und tragische Töne sind ohnehin von Anfang an präsent. .
 
Aber wie dieser Film diese Motive umsetzt, macht ihn unbedingt sehenswert. Hannelore Elsner ist für solche tragischen Frauenfiguren ohnehin eine Klasse für sich, und Anneke Kim Sarnau steht ihr nicht nach. Lina Hüesker ergänzt das Duo perfekt als renitente Enkelin. Der giftige Wortwitz bewegt sich durchgehend auf sehr hohem Niveau, und die tropische Natur Thailands hält für den Zuschauer noch eine kräftige Dosis Erholung bereit. Mit anderen Worten: Der Film ist ein Treffer!
 
 
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