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TV-Kritik: "Die Dreckwegmacher – Knochenjob Müllabfuhr": Ein Job für Idealisten?

Von Die 37°-Sendung nimmt diesmal Müllfahrer unter die Lupe. Zwei Männer und eine Frau, die trotz bescheidenen Gehalts glücklich mit ihrer Arbeit sind.
Janine ist Müllwerkerin in Münster. Foto: Tina Radke-Gerlach Janine ist Müllwerkerin in Münster.

Vermutlich hätte jeder Verständnis dafür, wenn jemand, der auf diese Art seine Brötchen verdient, seine Arbeit bis aufs Blut hasst. Müllwerker müssen bei klirrender Kälte und stechender Hitze hinaus, legen auf der Arbeit täglich zu Fuß viele Kilometer zurück, schleppen schwere Tonnen Kellertreppen hoch. Sie ertragen Dreck, Gestank und Ungeziefer und dazu auch noch die herablassenden Blicke und dümmlich arroganten Kommentare ihrer Mitbürger.

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Und dennoch scheint es an Identifikation mit der Arbeit nicht zu mangeln. "Ich kann mir nichts Besseres vorstellen als diesen Job zu machen, weil’s tierisch viel Spaß macht." Die 38-jährige Janine, alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter, hat eigentlich Zahntechnikerin gelernt.  Nach kurzer Zeit wechselte sie ins Ausland als Animateurin für Kinder und  später als Kundenberaterin zur Telekom.

Frau unter lauter Männern

Jetzt arbeitet sie in Münster bei der Müllabfuhr als einzige Frau unter lauter männlichen Kollegen. Man mag es kaum glauben, wenn man sieht, wie die keineswegs sonderlich kräftige Frau eine schwere Tonne schultert und heftig keuchend eine weitere Tonne mit der anderen Hand hinter sich her eine Treppe hochzerrt. Es tut richtig weh beim Ansehen. Aber nur das frühe Aufstehen um 4.30 hasst sie wirklich. Sie kann sich nicht daran gewöhnen.  

Für ihren Job aber schämt sie sich nicht. im Gegenteil:"„Eigentlich mach ich den mit Stolz!" Eine Einstellung, mit der sie keinen Einzelfall darstellt. Roy aus Kassel beginnt sogar zu schwärmen: "Müllwerker ist mein Traumjob! Ich bin zwar erst 28, aber den Job mach ich bis zur Rente!" Christian, seit 13 Jahren bei der Müllabfuhr in Bad Homburg, spricht immerhin offen aus, dass es ein Knochenjob ist.

Ein gewisser Idealismus hilft offenbar

Was verbindet Müllwerker mit ihrer Arbeit? Christian sinniert auf dem Weg zur Arbeit über die Gründe: "Ich versuch immer Spaß zu haben…Das Schöne an dem Beruf ist, dass ich mit sehr vielen Leuten zu tun habe, von manchen Leuten ein gutes Feedback kriege. Und ich tu auch der Gesellschaft was. Weil ohne uns Müllmänner würde es komplett chaotisch hier aussehen!" Müllabfuhr also ein Beruf für Idealisten? Offenbar schon.

Das Geld kann es nicht sein. Christian hat eine Frau und vier Kinder zu ernähren. Keine einfache Sache als Müllwerker, manchmal reicht das Geld nur mit Mühe bis zum Monatsende. "Urlaub hab die letzten 12 Jahre keinen gehabt, weil vom Finanziellen her ist das nicht drin!"  Janine kommt im Monat auf ungefähr 1800 Euro. Davon kann sie mit ihrer Tochter leben, allerdings keine großen Sprünge machen.

Ein Problem für sie ist aber die Art, wie Männer reagieren, wenn sie von ihrer Arbeit erfahren. Weil jeder im Kopf hat, dass Müllwerker ein Männerjob ist, wird sie meist mehr als Kumpeltyp denn als Frau betrachtet.

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