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TV-Kritik: "Die Glasbläserin": Weihnachtsfilm nach Maß

Von Der üppig bebilderte Historienfilm erzählt eine glaubwürdige und spannende Emanzipationsgeschichte aus dem späten 19. Jahrhundert.
Miles hat eine große Anzahl Weihnachtskugeln für den amerikanischen Markt bestellt. Mithilfe von Johanna (Luise Heyer, l.) macht sich Marie (Maria Ehrich, l.) an die Arbeit. Foto: Hannes Hubach Miles hat eine große Anzahl Weihnachtskugeln für den amerikanischen Markt bestellt. Mithilfe von Johanna (Luise Heyer, l.) macht sich Marie (Maria Ehrich, l.) an die Arbeit.
Historische Stoffe laufen prächtig, ob in Buchform oder später als Filmfassung. Auffallend dabei: der hohe Frauenanteil unter den Autoren. Ähnlich wie es im Victorianischen England Autorinnen wie Mary Elizabeth Braddon waren, die den Kriminalroman umfangreich prägten, so landen auch im Historienroman Frauen oft auf den vorderen Plätzen. Sie heißen etwa Sabine Ebert ("Das Geheimnis der Hebamme") oder es handelt sich wie Iny Lorentz (Die Wanderhure“) um ein Autoren-Duo, das sich ein weibliches Pseudonym zugelegt hat.
 
Der neueste Bücherhit auf diesem Markt heißt "Die Glasbläserin" und stammt von Petra Durst-Benning.  Dass ein solcher Stoff hervorragend in die Weihnachtszeit passt, machen schon die ersten Bilder klar, wenn die Kamera über einen dunklen und winterlichen Wald schwebt und Marie (Maria Ehrich) und ihre ältere Schwester Johanna Steinmann (Luise Heyer) Zweige Sammeln. Zuhause finden sie ihren kranken Vater, einen Glasbläser, tot vor. Viel zu erben hat ihnen der Vater nicht hinterlassen können.
 

Durchbruch dank Amerika

 
Marie muss in die harte Welt der Arbeitsmädchen einsteigen, um nicht zu verhungern.  Johanna findet eine Stellung als Assistentin des Glashändlers Friedhelm Strobel (Dirk Borchardt). Beide erleben böse Behandlung bis hin zur Schändung. Dass Frauen sich auch selbst als Glasbläserinnen versuchen, ist in der Ständegesellschaft des 19. Jahrhunderts nicht vorgesehen. Die Schwestern tun sich dennoch zusammen, und mit Hilfe des Amerikaners Miles (Karel Hermanek jr.) gelingt ihnen schließlich der Durchbruch.

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Das Glas-Thema allein ist schon mal gut gewählt. Die fein ziselierten Kunstwerke stehen sowohl für die Zerbrechlichkeit der Steinmann-Schwestern - ähnlich wie in Tennessee Williams‘ berühmten Drama "Die Glasmenagerie" – als auch im flüssigen und heißen Zustand für ihre Flexibilität und Zähigkeit. Und die Arbeit der Glasbläser gibt natürlich auch optisch viel her. Regisseurin Christiane Balthasar holt eine beachtliche optische Wirkung aus den Öfen und glühenden Glasbällen, die wie Lichtblicke in den düsteren Fabriken und angesichts der kalten und unwirtlichen Wälder außerhalb erscheinen.
 

Üppig inszeniert

 
Zusammen mit dem liebevoll rekonstruierten Zeitkolorit des späten 19. Jahrhunderts samt üppigen Kostümszenen ist deswegen weihnachtlich-winterliche Heimeligkeit auf bestem Niveau garantiert. Genauso will man das: In Kostümfilmen dieser Art sollte geklotzt werden, und das ZDF enttäuscht die Erwartungen der Zuschauer auch keineswegs. Dass der geneigte Zuschauer einige Bestandteile der Geschichte in ähnlicher Form schon mal woanders gesehen hat, steht dem Sehvergnügen nicht entgegen. In der Weihnachtszeit sucht man schließlich das Vertraute.
 
Zumal auch Maria Ehrich und Luise Heyer ihr Bestes geben, und auch die anderen Schauspieler fallen nicht ab.  Unterstützt werden sie dabei von einem Drehbuch, das die Stoffmenge der Romanvorlage clever auf das TV-übliche 90 Minuten-Format zurechtgestutzt hat. Dabei zeichnet die Geschichte die Steinmann-Schwestern zwar als emanzipiert und trotz allem selbstbewusst, aber dennoch glaubwürdig als Frauen des späten 19. Jahrhunderts. Mit „Die Glasbläserin“ ist den Machern ein regelrechter Paukenschlag als Einstieg in die Weihnachtsfilm-Saison gelungen.
 
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