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TV-Kritik: "Die Haribo-Story": Der süße Siegeszug

Von Wie ein Bonbonkoch den Geschmack von Generationen prägte und sein berühmter Sohn die Firma nach oben führte.
So begann es in Bonn: Gründer Hans Riegel Senior (Thomas Bastkowski) erfindet den "Tanzbären" - den Vorgänger des heutigen "Goldbären". Foto: ZDF/Marcus Simaitis So begann es in Bonn: Gründer Hans Riegel Senior (Thomas Bastkowski) erfindet den "Tanzbären" - den Vorgänger des heutigen "Goldbären".
"Haribo macht Kinder froh, und Erwachsene ebenso". Jemand da, der diesen Werbespruch nicht kennt? Er gehört zum Hersteller der Gummibärchen wie das Lied "Smoke on the water" zu der Band Deep Purple. Und er half kräftig mit, dass sich aus einer kleinen Süßwarenfirma ein milliardenschwerer Konzern entwickelte, der an 16 Produktionsstandorten täglich 100 Millionen Goldbären produziert. Die ZDF-Reportage blickt hinter die Kulissen – der Rückblick fällt noch spannender aus als letzte Woche bei C&A.

Bei C&A gibt es nämlich kaum ein Gesicht oder eine Persönlichkeit, mit der Außenstehende die Geschichte der Firma in Verbindung bringen können. Bei Haribo ist es vor allem Hans Riegel Junior, der nicht nur die Geschichte, sondern auch das Image des Unternehmens maßgeblich geprägt hat. Aber angefangen hat alles in einer Bonner Waschküche mit Hans Riegel (1893 – 1945), einem Bonbonhersteller und nach damaligen Maßstäben Tierfreund.

Schon der Gründer wusste, wie man wirbt

Riegel war so begeistert von Tanzbären – in den zwanziger Jahren waren die heute wegen Tierquälerei verbotenen Vorführungen Publikumsmagnete – dass er sie als Gummibonbon auf den Markt brachte. Der Name der Firma setzt sich zusammen aus HAns RIegel BOnn. Bald stellte Haribo auch Süßwaren aus Lakritz her. Die Firma wuchs schnell, auch weil Riegel, ein begeisterter Jäger, sich kluge Werbemaßnahmen einfallen ließ: So konnten Kinder Eicheln und Kastanien für die Tiere sammeln und sie gegen Haribo-Produkte tauschen.

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Aus dieser Zeit stammt auch der Spruch "Haribo macht Kinder froh", den Riegel einem darauf spezialisierten Autor abkaufte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam noch "und Erwachsene ebenso" hinzu. Den Krieg überstand das Unternehmen mit nur wenigen Schäden an der Fabrik, aber noch vor Kriegsende erlag Riegel in Bonn einem Herzinfarkt. Seine beiden Söhne Hans (1923 – 2013) und Paul (1926 – 2009) übernahmen gemeinsam die Fabrik: Hans, der Umtriebige, kümmerte sich um Werbung und Versand, Paul, der Stillere, um Technik und Produktion. Rezepte für ihre Süßwaren hält die Firma ebenso streng geheim wie spezielle Maschinen, etwa die Lakritzschnecken-Wickelmaschine.

Hans Riegel Junior war eine Frohnatur, der Star der Familie und ein Unternehmer so recht nach dem Geschmack der Öffentlichkeit. Neben dem Ausbau der Firma schaffte er eine Promotion, machte auch als Spieler die Sportart Badminton in Deutschland populär und belohnte sich für seine Erfolge selbst gerne mit schnellen Autos der Marke Cadillac, Mercedes oder Ferrari. Er hat durchaus etwas von einem Playboy. Doch daneben zeigte er sich auch Mitarbeitern von Haribo gegenüber großzügig.

Auch Mitarbeiter profitierten vom Erfolg

Aus einem Löschteich auf dem Firmengelände entstand ein Swimming-Pool für die Mitarbeiter und gezahlt wurden immer übertarifliche Löhne – auch, um den Einfluss der Gewerkschaften klein zu halten. Konkurrenten wie Maoam  - deren Werbeslogan "Das fröhlich-fruchtige Kaubonbon" – durchaus auch von Haribo hätte kommen können – konnte Haribo in den achtziger Jahren übernehmen. Die hohen Erträge machten es ihm möglich.  Hans Riegel war es auch, der öffentlichkeitswirksam Stars wie Fußballer oder Thomas Gottschalk als Werbeträger für seine Firma anheuerte.

Statt teurer Studien versetzte er sich lieber selbst in seine meist jungen Kunden: Er las die "Bravo", blätterte in Comics und spielte noch als über 80jähriger auf einer Playstation. Mit seinem Tod trat eine echte Legende von der Bühne ab. Die Dokumentation widmet sich aber nicht nur ihm als Persönlichkeit, sondern lässt zuvor auch bedeutende Jahrzehnte der Firma wieder auferstehen. Dabei setzt sie vor allem auf Zeitkolorit und hohe Wiedererkennungswerte wie bei populären Werbesprüchen und –filmen  und tut gut daran: Solche Szenen sind es, welche die Dokumentation sehr unterhaltsam gestalten.
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