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TV-Kritik: "Die Kinder des Fechters": Es bleibt beim Alten

Von Die Geschichte um einen Fechtlehrer am Ende der Stalin-Ära verlässt sich zu sehr auf bewährte Erzählmuster.
Aus der Not heraus baut Endel (Märt Avandi, Mi.) den Kindern aus Weidenruten Fechtwaffen: Von der Schule bekommt er keine Materialien zur Verfügung gestellt. Foto: (BR) Aus der Not heraus baut Endel (Märt Avandi, Mi.) den Kindern aus Weidenruten Fechtwaffen: Von der Schule bekommt er keine Materialien zur Verfügung gestellt.
Das Fechten passt eigentlich von der Anmutung her wie gemacht in diese Geschichte. Allein schon dieses Kraftvolle, Tänzerische der Sportart wirkt wie ein provozierender Fremdkörper in der Umgebung, in die es den estnischen Fechter Endel Nelis (Märt Avandi) verschlägt. Wegen seiner Vergangenheit – Estland wurde im Zweiten Weltkrieg zuerst von Deutschland, dann von der Sowjetunion besetzt – hat sich der Sportler vom großstädtischen Leningrad in die Provinz nach Haapsalu an der Küste abgesetzt.
 
Dort verschafft er sich eine Stelle als Lehrer. Zu seinen Verpflichtungen gehören aber auch außerschulische Aktivitäten: Der arrogante Schuldirektor legt ihm nahe, einen Sportclub zu gründen. Leichter gesagt als getan in der Provinz Anfang der fünfziger Jahre im sowjetisch geprägten Osteuropa, wo alles noch grauer, trüber und trister rüberkommt und es an allem mangelt, was das Leben bunter und schöner machen könnte. An Sportgeräten etwa.
 

Der Fechter als Revoluzzer gegen die Staatsgewalt

 
Skilaufen fällt darum schnell wieder flach: Die Schule teilt sich die Skier mit dem ortsansässigen Militär. Nelis beginnt deswegen mit Fechtunterricht und bringt sich damit ins Gerede: Gilt Fechten doch als unerwünschtes Überbleibsel einer bürgerlichen Vergangenheit. Nelis, für den sich ohnehin die Geheimpolizei interessiert, riskiert also ziemlich viel, wenn er den Kindern das Kämpfen beibringen will.
 
Und knüpft damit in gewisser Weise an legendäre Vorbilder an. Die Fechtwaffe erinnert an den Mantel- und Degenfilm, und dieses Genre hatte schon immer etwas Anarchistisches: Ob D’Artagnan oder Captain Blood, Scaramouche oder Fanfan der Husar, die Männer mit dem Florett, Degen oder Säbel waren immer auch Rebellen. Der Film aus Finnland verknüpft das nicht schlecht mit Motiven aus Lehrer-Schüler-Dramen wie „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ oder „Club der toten Dichter“.
 

Am Ende zu wenig innovativ

 
Dort stehen ebenfalls idealistische Lehrer im Mittelpunkt, die sich mit ihrer Profession und neuen Methoden gegen eine engstirnige Umgebung durchsetzen müssen. Endel Nelis war eine historische Persönlichkeit, er lebte von 1925 bis 1993. Und der Film nimmt sich erhebliche historische Freiheiten: Nelis wurde sogar mit dem Auftrag in die Provinz geschickt, dort eine Fechtschule zu gründen: den Cluib „En Guarde“, der heute noch exitiert.
 
Regisseur Klaus Härö hat dennoch keine üble Arbeit abgeliefert. Er setzt zwar auf Stimmungen, ohne dabei aber das Tempo zu vernachlässigen. Märt Avandi kann sich als desillusionierter, ausgebrannter  und von der Polizei gejagter Sportler markant nach vorne spielen. Dabei kommt ihm zugute, dass sein Charakter den Kindern nicht nur selbst etwas vermittelt, sondern dabei auch selbst wieder Lebensmut gewinnt.
 
Weniger interessiert zeigt sich Härö wie auch das Drehbuch leider an den Nebenfiguren wie der an Nelis interessierten Kollegin oder dem im Vergleich zu Nelis ziemlich eindimensional angelegten stalinistischen Schuldirektor. Weswegen der Film dann doch schnell vorausschaubar gerät: Ein wenig mehr Revolte gegen allzu bewährte Erzählmuster hätte der Geschichte auch nicht geschadet.

Das ganze Video gibt es hier
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