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TV-Kritik: "Die Kronzeugin": Das Krimi-Prachtstück

Von Dorfbulle Frank Koops muss sich in seinem zweiten TV-Einsatz plötzlich um eine Kronzeugin kümmern. Ein Job mit herrlich fiesen Tücken!
Die Kronzeugin Matilda Schönemann (Alwara Höfels) wird von Killern gejagt. Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) versucht sie zu schützen. Foto: ARD Degeto/Volker Roloff Die Kronzeugin Matilda Schönemann (Alwara Höfels) wird von Killern gejagt. Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) versucht sie zu schützen.
Sieh mal an, das Erste kann ja auch Action. Keine Selbstverständlichkeit: Der "Tatort"-Knaller "Fegefeuer" liegt schließlich schon fast zwei Jahre zurück, und bei dem gemütlichen und auf den ersten Blick so schwerfälligen Provinzpolizisten Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) hätte man so viel Tempo und Anleihen beim klassischen Western schon gar nicht erwartet. Aber wie Koops selbst ist auch dieser Film für manche Überraschungen gut.
 
Koops mag es überschaubar, schnitzt gemächlich vor seiner Dienststelle an einer Speckstein-Figur. Zur Beruhigung, wie er behauptet, aber doch wohl eher, damit er überhaupt eine Aufgabe hat. Nichts scheint diesen Bär von einem Mann aus der Ruhe zu bringen. Nicht einmal seine reizende  Kollegin Mette Vogt (Anna Fischer), die sich ihm gegenüber sehr offen und gesprächig zeigt. Aber das war wohl nicht immer so: Früher spielte Koops einmal mit Christiane "Kuschel" Kuschnereit (Anja Kling) in der Punkband "Ready for Suicide".

Die Polizei-Kollegen sind gefährlich

Und jetzt steht Kuschel auf einmal abends in der Kneipe neben ihm. Sie hat den Auftrag, eine Kronzeugin zu verstecken, die gegen Mafiaboss Kuzman Petrovic (Josef Ostendorf) aussagen soll. Doch der zieht selbst im Knast noch seine Fäden, so durch die von ihm gekauften Beamten Philipp Benedikt (Johannes Krisch) und Tobias Gottschalk (Stephan Grossmann). Kuschel bittet Koops, in dem verschlafenen Ort, wo sie die Kronzeugin versteckt hat und wo Koops jedes Gesicht kennt, die Augen offenzuhalten.
 
 
Den Angriff eines Killerkommandos kann Koops aber ebenso wenig verhindern wie Kuschels Tod dabei. Doch mit letzter Kraft kann seine Jugendfreundin ihm noch sagen, dass die richtige Zeugin noch lebt: Die Killer haben eine Beamtin erschossen, die als Double von Matilda Schönemann (Alwara Höfels) aufgetreten ist. Die richtige Zeugin sitzt in einem Hotel und muss pünktlich vor Gericht aussagen. Keine leichte Sache, denn auch Petrovics Leute haben längst Lunte gerochen.

Mit Erfolg auf Spannung getrimmt

"Harter Brocken", der erste Krimi um Frank Koops, erreichte im Jahr 2015 satte 7,51 Millionen Zuschauer.  Diese Fortsetzung dürfte der jungen Reihe weitere Fans einbringen: Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt hat sich eine überaus wendungsreiche und dichte Geschichte ausgedacht, in der ziemlich viele Kugeln fliegen, einige Beteiligte auf der Strecke bleiben und sogar eine kleine Auto-Jagd vorkommt. Dabei macht besonders Alwara Höfels als panische und zumindest anfangs pazifistische Kronzeugin eine ausgezeichnete Figur.
 
Florian Baxmeyer (Regie) und Peter Krause (Kamera) zeigen zudem erstaunlichen Ehrgeiz bei der visuellen Gestaltung. Was sie abliefern, hat schon richtig Kino-Qualität. Wer angesichts dieser Qualitäten auf den Geschmack gekommen ist, muss zum Glück nicht wieder zweieinhalb Jahre auf eine Fortsetzung warten: "Der Bankraub", der dritte Teil von "Harter Brocken", flimmert schon am ersten Weihnachtsfeiertag über den Bildschirm.
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