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TV-Kritik: "Die Kunst des Krieges": Fein trotz Schwächen

Von Der neueste Wiener "Tatort" hat zwar noch etwas Luft nach oben, aber es gibt gute Gründe, ihn dennoch anzuschauen.
Die zur Prostitution gezwungene Victoria Oshchypko (Janina Rudenska) wird von Mina Sandra Nomura "Asia" (Puti Pandeka Kaisar) verfolgt. Foto: ARD Degeto/ORF/Superfilm/Klaus Pichler Die zur Prostitution gezwungene Victoria Oshchypko (Janina Rudenska) wird von Mina Sandra Nomura "Asia" (Puti Pandeka Kaisar) verfolgt.
Na, dieser Titel weckt ja schon mal hohe Erwartungen. Schließlich gilt das gleichnamige Buch eines chinesischen Heerführers als das früheste Werk über Strategie überhaupt. Dazu verfasste diesmal Thomas Roth das Drehbuch und saß auf dem Regiestuhl. Der inszenierte schon mit "Deckname Kidon" einen der besten Wiener "Tatort"-Filme überhaupt. Es geht los mit einer unschön zugerichteten Leiche ohne Zunge und ohne Hände. Ein Mord im Mafia-Milieu, vermuten Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Ein Mord im Mafia-Milieu?
 
Oder wollte da jemand den Mord jemand anders in die Schuhe schieben? Bei weiteren Nachforschungen stoßen Eisner und Fellner auf das Restaurant "Ali Baba", das der Tote mit Hilfe von Geschäftsführer Ramazan Tagaev (Daniel Wagner) zum Waschen von Geld betrieben hat. Eisner lernt die junge Victoria Oshchypko (Janina Rudenska) kennen, die durch einen Ring von Menschenhändlern zur Prostitution gezwungen wurde. Er und Bibi Fellner treffen auch bald auf einen alten Bekannten Fellners aus ihrer Zeit bei der Sitte: Den brutalen und größenwahnsinnigen Zuhälter Andy Mittermeier (Michael Fuith).
 

Dick aufgetragene Klischees

 
Mittermeier gefällt sich auch in der Rolle des nachdenklichen Philosophen, erweist sich allerdings schnell als eine Schwachstelle des Plots. Denn so einnehmend ihn Fuith auch als charmanten Spitzbuben spielt, so schnell rutscht Roth die Figur schon optisch durch den Pelzmantel in blankes Klischee bis fast zur Karikatur ab. Unter diesen Klischees wie auch dem häufigen Nasenbluten Mittermeiers (eine Folge von Koks?) oder den hochhackigen Lederstiefeln von Mittermeiers exotisch-schöner Killerin und Leibwächterin Mina Sandra Nomura "Asia" (Puti Pandeka Kaisar) ächzt die Geschichte im Handlungsverlauf immer stärker.
 
Dazu kommt, dass der Film besonders gegen Ende einige unglaubwürdige Szenen aufweist und dadurch an Spannung verliert. Wenig gelungen ist hier besonders Mittermeiers nächtlicher Besuch bei Eisner im Krankenhaus. Der souveräne Umgang mit den Versatzstücken des Kriminal- und Actionfilms, der "Deckname Kidon" zu einem echten Treffer machte, gelang Roth darum diesmal nicht ganz so elegant. Und das ist sehr schade. Thomas Roth kann nämlich Action, und allein was er hier aus seinem kleinen Budget herausholt, lohnt das Anschauen unbedingt.
 

Mitreißende Dramatik

 
Auch wenn das Gebotene nicht an "Fegefeuer" mit Nick Tschiller heranreicht: Es gibt Überraschungen. Moritz Eisner als Actionheld? Warum denn nicht? In etlichen dramatischen Szenen, passend von pulsierender Musik untermalt, macht auch Harald Krassnitzer eine gute Figur. Diesen mitreisenden Schwung hat man bisher speziell im Wiener "Tatort" doch mitunter sehr vermisst. Es fehlt auch nicht an Wortwitz und knackigen Dialogen. Außerdem gefällt, dass Roth die Darstellung der Zwangsprostitution und der davon betroffenen Frauen engagiert und mit großem Einfühlungsvermögen betreibt.
 
Es gibt also gute Gründe dafür, den Film anzuschauen und angesichts seiner Schwächen eher nachsichtig zu sein. Mit Fußball hat der Wiener "Tatort" diesmal leider eine starke Konkurrenz bekommen, und auch die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern könnte ihn einige Zuschauer gekostet haben. Verdient hat der Film das nicht: Trotz seiner Schwächen ist er der bisher mit Abstand Stärkste der laufenden Saison.

Den Film in der ARD-Mediathek anschauen
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