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TV-Kritik: "Die Landärztin": Pures Augenfutter

Von Herrlich anzusehen: Der Film liefert so tolle Sehnsuchtsbilder, dass man sich als Zuschauer im Erholungsurlaub wähnt.
"Die Landärztin" Dr. Johanna Lohmann (Christine Neubauer) eilt dem verunglückten Drachenflieger Jakob (Jan Sosniok) auf einer Bergwiese zur Hilfe. Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Wega Film/Reiner Bajo "Die Landärztin" Dr. Johanna Lohmann (Christine Neubauer) eilt dem verunglückten Drachenflieger Jakob (Jan Sosniok) auf einer Bergwiese zur Hilfe.
Was kann wohl dabei herauskommen, wenn ein Film "Die Landärztin - Entscheidung des Herzens" heißt? Natürlich nur der blanke Kitsch. Aber was heißt schon Kitsch? Die Berge sind halt nun mal wirklich so schön, besonders, wenn die Sonne scheint. Grüne Hügel im gleißenden Sonnenlicht, darüber knallblauer Himmel mit ein paar Schäfchenwolken dran und mittendrin auch noch ein blaues Mercedes-Cabrio vom Typ W111, da schmilzt der geneigte erholungsbedürftige Zuschauer dahin wie eine Schneeflocke im Hochofen.
 
Zu Recht: Man wird ja wenigstens ab und zu ein wenig träumen dürfen. Und Kameramann Hermann Dunzendorfer versteht seinen Job, speziell, was das Auto betrifft. Das barocke Stuttgarter Prachtstück mit seinen roten Lederpolstern, seinem üppigen Chromschmuck und dem schweren polierten Armaturenbrett aus Holz gleitet nicht nur ständig verführerisch durch die herrliche Berglandschaft, sondern befindet sich auch sonst noch auffallend oft im Bild.
 

Stark episodenhafte Handlung

 
Die Handlung lenkt denn auch nicht allzu sehr von den wunderschönen Sehnsuchtsbildern ab. "Die Landärztin" heißt mit bürgerlichem Namen Dr. Johanna Lohmann, wird von Christine Neubauer gespielt und hat allerhand zu tun. Sie muss Tierärztin spielen und ein Kalb holen, viele Patienten betreuen und sich um den Drachenflieger Jakob Richter (Jan Sosniok) kümmern. Der landete nach einem Flug direkt neben ihrem Auto auf einer Wiese und wird von starken Schmerzen gequält. Bald gesteht er ihr, dass er an Leukämie leidet und eigentlich zurück in sein Heimatdorf gekommen ist, um zu sterben.
 
Keine Sorge, er wird nicht sterben. Das Happy-End ist so unausweichlich wie die stets neuen Eindrücke von der wunderschönen Gegend. Aber Frau Dr. Lohmann kriegt auch sonst genug zu tun. Da ist der alte Fritz Senholzer (Siegfried Rauch), der trotz Schmerzen eine Wanderung durch die Berge unternehmen will und unterwegs zusammenbricht. Frau Dr. Lohmann ist aber rechtzeitig zur Stelle und sorgt dafür, dass er ins Krankenhaus kommt. Er leidet an einer Unterfunktion der Schilddrüse, keine große Sache also.
 

"Bauer sucht Frau" als Humor-Einlage

 
Bei so viel Dramatik darf natürlich auch eine komische Figur nicht fehlen. Hier erledigt der Bauer Leo Bergmeier (August Schmölzer) den Job. Der hat Dominik Engel (Markus Knüfken) auf seinen Hof geholt, den er ursprünglich fortgeschickt hat, weil er befürchtete, er würde mit seiner verheirateten Tochter Verena (Judith Richter) anbandeln. Es sieht mittlerweile aber nicht mehr danach aus, als würde sein Schwiegersohn je wieder auftauchen.
 
Dominik gedenkt Leo nach dem Vorbild von "Bauer sucht Frau" zu verkuppeln. Eine ganze Prozession von Schreckschrauben trifft auf Bergmeiers Hof ein und sucht bald wieder das Weite, darunter eine überdrehte Esoterikern oder eine Managerin. Doch bald lernt er jedoch eine attraktive Frau im feschen Dirndl kennen, die zwei Jahre zuvor ihren Mann Erwin durch Krebs verloren hat - genau wie Leo seine Frau Grete.
 

Gelungener Erzählrhythmus trotz Drehbuchschwächen

 
Die beiden landen im Bett und liegen sich nach einer kurzen Trennung am Ende wieder in den Armen. Bis dahin hat Frau Dr. Lohmann für Jakob Richter auch einen Stammzellen-Spender gefunden: Fritz Senholzers Frau Marie (Johanna von Koczian). Der stark episodenhafte Charakter der Handlung lässt keine echte Spannung aufkommen, nicht einmal da, wo es potentiell möglich wäre - etwa als der krebskranke Jakob Richter zwei Packungen Schlaftabletten gestohlen hat.
 
Der Erzählrhythmus funktioniert dagegen gut genug, dass man zumindest nicht behaupten könnte, die Geschichten würden nur durch die Landschaftsbilder zusammengehalten. Die Kamera-Arbeit ist aber schon so gut gelungen, dass man dazu neigt, die kleinen Schwächen des Drehbuchs - ein wenig mehr Witz und Situationskomik etwa in der Bauer-Bergmeier-Episode hätte es schon sein dürfen - milde lächelnd zu übersehen.
 
Ähnlich wie den gestrigen Krimi "Sanft entschlafen" könnte man sich diesen Film aber schon alleine wegen seiner Szenerie anschauen - und das nicht nur einmal. Liegt das auch daran, dass in beiden Filmen Sigi Rothemund auf dem Regiestuhl saß? Wie auch immer - liebe Programm-Verantwortliche des ARD, bitte wiederholt auch die anderen neun Filme aus der Landärztin-Reihe!

Video "Die Landärztin - Entscheidung des Herzens" - Fernsehfilme im Ersten
 
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