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TV-Kritik: "Die Maßnahme": Fieses Stück Krimi

Von Ein Mörder soll auf ungewöhnliche Weise überführt werden: Das Spielfilm-Debüt von Alexander Costea überzeugt auf ganzer Linie.
Ist der verkommene Werner (Aljoscha Stadelmann) ein Mörder? Die Polizei sucht mit einer ungewöhnlichen Maßnahme nach der Wahrheit. Foto: (Bayerischer Rundfunk) Ist der verkommene Werner (Aljoscha Stadelmann) ein Mörder? Die Polizei sucht mit einer ungewöhnlichen Maßnahme nach der Wahrheit.
Ein Mörder soll auf ungewöhnliche Weise überführt werden: Das Spielfilm-Debüt von Alexander Costea überzeugt auf ganzer Linie.
 
Am Anfang gibt es eine Szene mit starkem Symbolcharakter: Einen Hund, der auf dem Hof des Einsiedlers Werner Seiler (Aljoscha Stadelmann) herumschnüffelt. So wie bald darauf Roland Prengler (Max Wagner). Den lernt Werner in dem Betrieb kennen, in dem er arbeitet. Roland war mal im Knast, erzählt er dem Chef des Betriebs und Werner. In Wirklichkeit handelt es sich bei Roland um einen Polizisten und verdeckten Ermittler.
 
Roland soll Werner, der verdächtigt wird, die junge Lucy ermordet zu haben, dazu bewegen, ein Geständnis abzulegen. Und daraus hat Alexander Costea, der das Drehbuch verfasst und Regie geführt hat, ein überaus fesselndes Zwei-Personen-Stück geschaffen. Auch wenn es noch andere Figuren gibt: Sie sind nur kleine Rädchen. Im Wesentlichen konzentriert sich die Geschichte auf Roland und Werner.
 

Eine Kloake als Behausung

 
Die stellen schon äußerlich einen perfekten Gegensatz dar: Drahtig und gepflegt der eine, dicklich und verwahrlost der andere. Einer, der sich ins Vertrauen einschleicht, und einer, der sich zunächst widerwillig, dann aber immer weiter öffnet. Man könnte auch sagen, einer, der agiert, und einer, der reagiert. Bei Roland gibt es keine Geheimnisse: Seine Wohnung ist nüchtern, kahl und übersichtlich, eine reine Zweckbehausung. Werners Einsiedlerhof zeigt sich versifft und verkommen – ein Ort und ein Besitzer mit schmutzigen Geheimnissen.
 
Costeas Regie verzichtet überwiegend auf übermäßigen visuellen Ehrgeiz und das mit gutem Grund: Er hat schon in sein Drehbuch viele bildstarke Sequenzen einfließen lassen. Da ist die bereits erwähnte Einstiegssequenz. Der Betrieb, in dem sich Werber und Roland kennenlernen, lebt von der Verwertung von alten Elektrogeräten: Auch hier geht es also im Grunde um die Suche nach etwas Verwertbarem, genau wie in Rolands Auftrag, der ihn hierher geführt hat.
 

Bilder mit starker Wirkung

 
Oder wenn die beiden gegen Ende Werners alten Krempel auf dem Hof verbrennen – letztendlich geht es auch hier darum, Licht ins Dunkel zu bringen. Und wenn zuvor Roland Werner die Haare geschnitten und ihm wieder ein halbwegs annehmbares Äußeres verpasst hat, nahm er ihm damit auch ein Stück Selbstschutz, zwang ihn, hinauszusehen und sich selbst ins Gesicht zu sehen, das er ihm freigelegt hat.
 
Und welches Gesicht das ist, ob das eines zu Unrecht Verdächtigten oder eines Täters, diese Auflösung hat Costea geschickt bis fast zum Schluss des Films hinausgezögert. Mit Aljoscha Stadelmann und Max Wagner zwei hervorragende Schauspieler für seinen Film verpflichtet. Er bleibt mit der Kamera meist nahe an ihnen dran, fängt kleine Regungen ein und verdichtet mit kleinen Indizien die Atmosphäre gegen Ende immer mehr. Und das hat er so gut gemacht, dass man sich schon jetzt auf Costeas nächsten Film freut.
 
 
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